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| 16:02 Uhr

Bautzen
Wendischer Turm wird zurzeit saniert

Den besten Ausblick auf den Wendischen Turm bietet die Besucherplattform des Reichenturms, in dessen Schatten er normalerweise steht.
Den besten Ausblick auf den Wendischen Turm bietet die Besucherplattform des Reichenturms, in dessen Schatten er normalerweise steht. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Das historische Gemäuer bildet einen unverzichtbaren Teil der Bautzener Altstadt, auch wenn es zumeist im Schatten eines weitaus berühmteren Turms steht. Von Uwe Menschner

Eines der weniger bekannten Bautzener Wahrzeichen verbirgt sich derzeit hinter einem Vorhang. Der Wendische Turm – als unmittelbarer nördlicher Nachbar des weitaus berühmteren Reichenturms steht er für gewöhnlich in dessen Schatten – wird zurzeit umfangreich saniert. Erforderlich wurde dies aufgrund von Schäden im Mauerwerk und an der Turmkrone.

So waren im Winter 2016 Putzbrocken und kleine Steine in die Tiefe gestürzt. Daraufhin hatte der Staatsbetrieb Immobilien- und Bauaufgaben (SIB), in dessen Zuständigkeit sich das Bauwerk befindet, den Zustand sorgfältig analysiert. „Im Ergebnis lassen wir nun alle schadhaften Stellen neu verfugen“, so ein Sprecher des Landesbetriebes. Darüber hinaus sollen fehlende Klinker auf der Turmspitze ersetzt und die Abdeckung der Zinnen erneuert werden. Der Boden des früheren Wehrgangs muss abgedichtet werden, um das Eindringen von Wasser zu unterbinden. Bis zu 200 000 Euro kostet die Aktion.

Der Wendische Turm stammt vom Beginn des 15. Jahrhunderts, sein Name rührt vom benachbarten „Wendischen Viertel“ her, zu dessen Schutz er errichtet wurde. Damit ist der wehrhaft wirkende Turm älter als der Reichenturm, dessen Baubeginn in den historischen Quellen mit 1490 angegeben wird.

Im 17. Jahrhundert diente der Wendische Turm vorübergehend als Schuldgefängnis. Als ab 1840 in Bautzens historischer Innenstadt eine Kaserne errichtet werden sollte, geriet das wuchtige Gemäuer in Gefahr, da es den Plänen im Wege stand. Der berühmte Dresdner Architekt Gottfried Semper war es, der den Wendischen Turm rettete, indem er das Ensemble der Kaserne an ihm ausrichtete. Bautzener Bürger hatten ihn zu Hilfe gerufen.

Die sogenannte Semper-Kaserne ist auch heute noch untrennbar mit dem Wendischen Turm verbunden. Da sich in ihr das Bautzener Finanzamt befindet, gehört sie – und mit ihr auch der Turm – dem Freistaat Sachsen. Öffentlich zugänglich war er in der Vergangenheit nur selten zu bestimmten Anlässen, beispielsweise in manchen Jahren zum Tag des offenen Denkmals. Daran wird sich auch nach Abschluss der Sanierung nichts ändern.