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| 16:21 Uhr

Rachlau/Lauta
Welcher Gastronom macht das Rennen?

Konnte Jan Schulze mit seiner Bewirtung in der „Sachsenstube“ in Lauta die meisten Punkte sammeln? Mit dem Grillkota bietet er eine besonders urige Möglichkeit des Speisens.
Konnte Jan Schulze mit seiner Bewirtung in der „Sachsenstube“ in Lauta die meisten Punkte sammeln? Mit dem Grillkota bietet er eine besonders urige Möglichkeit des Speisens. FOTO: Anja Hummel / LR
Rachlau/Lauta. Der Wettbewerb um das Oberlausitzer Lieblingslokal 2017 ist spannend. Die Favoriten sind nicht zum ersten Mal dabei. Von Anja Hummel

Die Straßen sind kurvig, werden immer enger. Auf eine dichte Allee folgt weitläufiges Feld. Häuser? Fehlanzeige. Dann ein Schild am Straßenrand: Rachlau steht darauf geschrieben. Das kleine sorbische 200-Seelen-Dorf liegt fernab von Trubel und Hektik – und damit auch von potenziellen Gästen. In dem Ort aber, fünf Kilometer südlich von Wittichenau, öffnet Frank Seliger Tag für Tag sein Lokal, die „Häuslerschenke“. Mit Erfolg. Wer hier am Tisch sitzt, hat sich gezielt auf den Weg zum Gastwirt gemacht.

Dass der Wittichenauer nicht gerade wenige Fans hat, sieht der Fußgänger schon, bevor er das rustikale Haus betritt. An der Scheibe hängen drei Schilder, die verraten: Die „Häuslerschenke“ war in den vergangenen drei Jahren immer in der Top zehn der „Oberlausitzer Lieblingslokale“ vertreten. Im vergangenen Jahr hat sich Frank Seliger dann den ersten Platz geschnappt.

Was es mit dem „Oberlausitzer Lieblingslokal“ auf sich hat? Dahinter steckt ein Online-Wettbewerb, an dem alle Gasthäuser in der Oberlausitz teilnehmen können. Die Abstimmung erfolgt via Handy-App oder auf der Internetseite. Wer die meisten Stimmen hat, der gewinnt. „Das Interesse an der Abstimmung ist enorm gestiegen und zeigt die Akzeptanz in der Region Oberlausitz“, schätzt App-Gründer Ronny Hausmann ein. Insgesamt 2200 Personen haben für ihr Lieblingslokal gestimmt. Zur Wahl gestellt haben sich 26 Gastronomen. Mit dabei sind unter anderem das Gasthaus „Waldhaus“ in Weißwasser, Herzog’s Restaurant „Zum weißen Ross“ in Lohsa und das Lautaer Hotel und Restaurant „Sachsenstube“. Die Wahl zum „Oberlausitzer Lieblingslokal 2017“ ist zwar abgeschlossen, das Endergebnis bleibt jedoch noch geheim. Erst Ende Januar wird die Nummer eins verkündet, wie der Organisator mitteilt.

Was der letzte Zwischenstand allerdings verrät: Die „Sachsenstube“ war mit ordentlichem Vorsprung auf Platz eins. Dahinter: die „Häuslerschenke“ in Rachlauch.

An den ersten Platz glaubt Seliger in diesem Jahr nicht mehr. Bescheiden bleibt er auch bei der Antwort auf die Frage nach dem Erfolgsrezept: „Das Essen soll schmecken“, hat der ehemalige Fernfahrer von seinen Gästen gehört. Die kommen mittlerweile bis aus Görlitz oder Dresden zum Schlemmen von Besonderheiten wie dem Knoblauchmenü – beginnend mit Suppe über das Schnitzel bis hin zu Eis und Schnaps mit Knobi-Note. „Die Auszeichnung ist einfach eine super Werbung für uns. Und die bringt Gäste“, so Seliger. Der 51-Jährige betont aber auch: „Von alleine geht das nicht. Man muss sich schon die Zeit nehmen.“ Mit den Gästen sprechen, sie gut bewirten – nur mit dem Rundum-Paket gingen die Leute auch zufrieden aus der Gaststätte hinaus.

Der momentane Favorit, die „Sachsenstube“ in Lauta, verfolgt eine ganz ähnliche Strategie. „Die Ausstrahlung ist ein ganz wesentlicher Punkt“, sagt Chef Jan Schulze. Zufriedene Mitarbeiter, zufriedene Gäste lautet seine Devise. Gepaart mit frischer regionaler Küche und dem gewissen Etwas. Die Grillkotas zum Beispiel, das sind Holzhütten mit integrierter Feuerstelle, seien die Renner für gemütliche Zusammenkünfte. Dann gibt es noch die Seniorenkarte, das Riesenschnitzel und die Hausmachersülze. Für Jan Schulze, der eigentlich aus der Kfz-Branche kommt, sind das zumindest Bausteine für den Erfolg in der Region. „Durch die Teilnahme am Oberlausitzer Lieblingslokal ist unser Bekanntheitsgrad unwahrscheinlich gestiegen“, sagt der 45-Jährige. Während es im vergangenen Jahr für Platz drei reichte, lautet die Maßgabe in diesem Jahr: „mindestens Platz zwei“.

Trotz des Erfolges betonen beide Gastronomen: Einfach ist die Branche keinesfalls. Während Frank Seliger händeringend nach einem Koch sucht, hat Jan Schulze erst kürzlich einen gefunden – mit größter Mühe. „Die Arbeitszeiten schrecken ab“, ist sich Schulze sicher. Er setzt in seinem mittlerweile 17 Mann starken Betrieb auf faire Bezahlung und familiäres Miteinander.

In der Häuslerschenke ist alles ein wenig kleiner. Ein Koch, eine Servicekraft, der Chef. „An den Wochenenden sind wir absolut unterbesetzt“, sagt Seliger. „Aber“, erzählt der Titelverteidiger weiter, „wir sind vielleicht nicht die Besten, aber dafür die Lieblinge.“ Und egal wer zum Sieger gekürt wird: „Den Leuten gefällt es bei uns.“ Auszeichnung genug für den Gastwirt.

Frank Seliger, Inhaber der Häuslerschenke in Rachlau, hat mit seiner rustikalen Gaststätte schon den ersten, zweiten und fünften Platz gemacht.
Frank Seliger, Inhaber der Häuslerschenke in Rachlau, hat mit seiner rustikalen Gaststätte schon den ersten, zweiten und fünften Platz gemacht. FOTO: Anja Hummel / LR