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| 16:17 Uhr

Entwicklungshilfe
Zwischen Urlaubsgefühl und Armensiedlung

 Ein Foto aus Südafrika: Karin Hänsch übergibt einen kleinen Kind ein Päckchen mit Anziehsachen.
Ein Foto aus Südafrika: Karin Hänsch übergibt einen kleinen Kind ein Päckchen mit Anziehsachen. FOTO: Karin Hänsch
Weißkollm. Die Weißkollmerin Karin Hänsch hat während ihres Südafrika-Aufenthaltes armen Familien geholfen. Von Sascha Klein

Karin Hänsch sitzt in ihrer Küche im Lohsaer Ortsteil Weißkollm und blättert ihre Handyfotos durch. Vor wenigen Wochen ist sie mit ihrem Mann Helmut (66) für sechs Wochen in Südafrika gewesen – nicht zum ersten Mal. „Wir haben uns in dieses Land verliebt“, sagt die 66-Jährige. Ein Lausitzer, der früher in Lohsa ein Möbelgeschäft hatte, wohnt inzwischen nahe Port Elizabeth – es ist ein willkommener Grund, immer wieder ans Kap der guten Hoffnung zu fliegen.

Doch in diesem Jahr sind Karin und Helmut Hänsch nicht allein wegen Klima, Land und Freunden nach Südafrika geflogen. Sie sind auch dort gewesen, um zu helfen. Denn in Südafrika ist die Kluft zwischen Arm und Reich so groß wie in kaum einem anderen Land. Drei Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid gibt es Millionen Menschen, die kaum das Nötigste zum Überleben haben – inzwischen auch Weiße. In Südafrika will die Regierung seit vielen Jahren einen Teil des Landes umverteilen. Weiterhin gehört das Farmland hauptsächlich Weißen. Das will die Regierung ändern und droht durchaus auch mit Enteignungen.

Von diesen Umständen hat Karin Hänsch gehört – und auch davon, dass es inzwischen Armensiedlungen (Townships) gibt, in denen vor allem weiße Mütter mit ihren Kindern leben. Ihnen, so hat Karin Hänsch gehört, werde kaum geholfen. Also hat die Lausitzerin schon Monate vor dem Abflug Mitte Januar gesammelt – vor allem Geld und Kindersachen, Handtücher und Bettwäsche. Sie ist Vorsitzende der Selbsthilfegruppe „Colitis“ in Hoyerswerda, in der sich Lausitzer mit einer seltenen Darmerkrankung treffen. Auch von ihren Mitgliedern hat sie Geld bekommen. „Für das Geld habe ich hauptsächlich Lebensmittel vor Ort gekauft“, sagt sie. Dabei sei es gar nicht so einfach gewesen, diese Armen-Camps zu finden. Schließlich sei es ihr aber doch mit Polizeiunterstützung gelungen. Die Familien dort hätten in einfachen, kleinen Holzhütten gelebt. „Wir haben darauf geachtet, dass wirklich diejenigen etwas bekommen, die kaum etwas haben“, so die 66-Jährige. „Die Menschen haben sich gefreut, dass ihnen jemand hilft.“