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20. Todestag von Gerhard Gundermann
Was Schüler in Gundi-Songs hören

Reinhard Ständer, der das Gundermann-Archiv in der Kulturfabrik führt, zeigt den neuen Gundermann-Kalender 2018, der ab sofort zu haben ist.
Reinhard Ständer, der das Gundermann-Archiv in der Kulturfabrik führt, zeigt den neuen Gundermann-Kalender 2018, der ab sofort zu haben ist. FOTO: cw
Hoyerswerda. Erinnerungen an den legendären Baggerfahrer und Liedermacher Gerhard Gundermann wird es im kommenden Jahr wohl eine ganze Reihe geben. Denn im Juni 2018 jährt sich der Todestag des Hoyerswerdaer Songpoeten zum 20. Catrin Würz

Mal. Ein Datum, um das sich schon einige Planungen ranken. Die Kulturfabrik will bis dahin ihre neue "Gundermann-Schaltzentrale" - einen digitalen "Gundi"-Infopunkt mit Touchscreenbildschirm - im eigenen Haus in Betrieb genommen haben. Biografisches, Musik und Filmdokumente über den Liedermacher werden dann dort für jedermann und jederzeit abrufbar sein. Ins Auge gefasst ist auch schon ein Liedermacher-Symposium im Bürgerzentrum Braugasse 1 mit internationaler Beteiligung. Für den Sommer 2018 ist zudem die Premiere eines ersten Spielfilmes über Gundermanns Leben geplant, den der deutsche Kultregisseur Andreas Dresen realisiert. Es wird also ein Jahr, in dem der streitbare und wegen einer Stasi-Verstrickung dazumal umstrittene Sänger und Liedermacher aus der Lausitz stärker ins Licht der Öffentlichkeit zurückkehrt.

Schon jetzt ist jedoch eine ganz besondere Erinnerung erschienen - der neue Jahreskalender "Gundermann 2018". Solche Kalender gibt der in Berlin ansässige Verein Gundermanns Seilschaft aller paar Jahre heraus - "immer dann, wenn es einen runden Gundi-Geburstag gäbe oder einen anderen Anlass", weiß Reinhard Ständer. Der 67-Jährige führt seit 2004 das Gundermann-Archiv in der Kulturfabrik Hoyerswerda - die einzige offizielle Sammlung von Ton-, Bild- und Schriftdokumenten über Gerhard Gundermann, seine Texte und Musik. Ständer war es auch, der den Kontakt zwischen den Kalender-Herausgebern und der Kunstlehrerin Ines Lenke vom Foucault-Gymnasium vermittelte. Dort war man sofort begeistert, eine so anspruchsvolle Aufgabe in die Hände gelegt zu bekommen. "Das hat uns sehr gefreut. Wir tauchten in eine Welt ein, fasziniert von den poetischen Texten über die Liebe und das Leben in der DDR . . . und über die Arbeitswelt in und um den Tagebau", schreiben die Elftklässer in einem Vorwort zum Kalender. Für die "später Geborenen" ist die Lebenswelt des Gerhard Gundermann heute ja bereits Geschichte - dennoch spürten sie in seinen Texten den sensiblen und leisen Tönen, aber auch den lauteren Liedern nach, die bis heute viel Wahrheit und Gültigkeit besitzen.

Im Kaltnadel-Tiefdruckverfahren entstanden insgesamt 13 erstaunliche Grafiken für die Monatsblätter und das Deckblatt. Die 17-jährigen Schüler befassten sich mit "Steinland" und der "Schwarzen Galeere", mit "Alle oder keiner" und "Hier bin ich geborn" und gaben den Gedanken, die diese Lieder in ihnen auslösten, eine eigene künstlerische Ausdrucksform.

Ergänzt sind die Kalenderblätter um Textpassagen, kleine Gundermann-Fotos und Zitate aus Interviews. "Es ist eine wunderbare Arbeit geworden, auf einem sehr hohen Niveau", sagt auch Kufa-Geschäftsführer Uwe Proksch.

In der Kulturfabrik Hoyerswerda kämpft man indes weiter für die neue Gundermann-Schaltzentrale im eigenen Haus. Noch fehlt ein Teil der Finanzierung, nachdem eine große Stiftung ihre Unterstützung abgesagt hat. Doch der neue Infopunkt, der wie eine Schaltzentrale auf einem Tagebaubagger gestaltet sein wird, soll bald stehen. Spätestens, wenn der Gundermann-Film von Andreas Dresen in die Kinos kommt, wird wohl ein großer Ansturm auf die Kufa einsetzen, die als einzige Einrichtung in Hoyerswerda das Erbe des Liedpoeten pflegt.

Zum Thema:
Der Kalender "Gundermann 2018" hat präzise die Größe einer Langspielplatte (LP). In Anlehnung an den DDR-Einheitspreis für Musik-LP kostet er 16,10 Euro (Plattensammler werden sich erinnern).Zu haben ist der Kalender in der Kulturfabrik sowie in der Touristinformation Hoyerswerda im Bürgerzentrum Braugasse 1.