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| 17:56 Uhr

Diskussion über einen Dokumentarfilm
Was man bei Familie Brasch über die DDR lernen kann

 Marion Brasch (v.l.), Dr. Grit Lemke und Annekatrin Hendel diskutieren in der KuFa über den Film mit Zuschauern.
Marion Brasch (v.l.), Dr. Grit Lemke und Annekatrin Hendel diskutieren in der KuFa über den Film mit Zuschauern. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Kritisches Nachdenken über Geschichte hilft, die Zukunft zu gestalten. Das ist das Fazit in der KuFa. Von Katrin Demczenko

Nur wer die Vergangenheit kritisch betrachtet, kann Fehler der Elterngeneration erkennen und deren beste Erfahrungen zur Gestaltung der Zukunft nutzen. Deshalb sind viele Besucher in die KulturFabrik (KuFa) Hoyerswerda zur Diskussion über Annekatrin Hendels Dokumentarfilm „Familie Brasch – Eine deutsche Geschichte“ gekommen. Dieser lässt Marion Brasch und Freunde der ostdeutschen Funktionärsfamilie erzählen und fußt auf ihrem Buch „Ab jetzt ist Ruhe – Roman meiner fabelhaften Familie“. Die Veranstaltung ist Teil der Reihe „Kontrovers vor Ort“ der Volkshochschule Hoyerswerda und der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Sie wurde geleitet von Dr. Grit Lemke.

Der Film erzählt von dem in Bayern katholisch sozialisierten Juden Horst Brasch, der 1939 Hitlerdeutschland als Betreuer eines Kindertransports verlassen konnte. Seine spätere Ehefrau Gerda musste mit ihrer jüdischen Familie aus Wien fliehen und beide trafen sich in London. Horst Brasch gründete die Freie Deutsche Jugend Großbritannien mit und ab 1947 baute seine Familie in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR den Sozialismus auf. Horst Brasch brachte es bis zum Vize-Kulturminister.

Trotzdem verteilte sein ältester Sohn Thomas 1968 Flugblätter gegen den Einmarsch der sowjetischen Truppen in Prag und Horst Brasch verhinderte Thomas Verhaftung nicht. Sein zweiter Sohn Klaus verweigerte den Militärdienst und wurde Bausoldat. Durch dieses nonkonforme Verhalten seiner Kinder endete Horst Braschs Politkarriere. Er musste nach Moskau zur Parteischule gehen und dann in der Bezirkleitung Karl-Marx-Stadt arbeiten, erzählte Marion Brasch im Film. Das hat das Weltbild ihres Vaters so erschüttert, dass er sich umbringen wollte ohne Rücksicht auf seine todkranke Frau und die Familie.

Thomas Brasch war nach der Haftentlassung Autor, allerdings wurde nur wenig gedruckt. Nachdem er mit seinem jüngsten Bruder Peter 1976 die Resolution gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterschrieben hatte, musste er die DDR verlassen, erzählte im Film seine damalige Partnerin, die Schauspielerin Katharina Thalbach, die mit ihm gegangen war. In Berlin-West erschien erfolgreich Thomas Braschs Buch „Vor den Vätern sterben die Söhne“, seine Auseinandersetzung mit der DDR und war bis zu seinem Tod 2001 Künstler.

„Peter und Klaus mussten ihren Platz in der Kulturszene dieses Landes mühsam finden“, sagt Marion Brasch in der KuFa über ihre anderen älteren Brüder. Die beiden und Thomas haben den Traum von einer Welt ohne Ausbeutung nie aufgegeben, waren also für etwas. „Heute sind viele Menschen gegen etwas, doch eine wirkliche Alternative kennen sie nicht“, so Marion Brasch. Ihre Geschwister und Eltern sind jetzt tot, ohne ihre Konflikte untereinander und mit dem real existierenden Sozialismus in der DDR je ausdiskutiert zu haben. Die Filmemacherin Annekatrin Hendel sagt: „Die Elterngeneration hat die Kindergeneration nicht mitgenommen und so die Chance vertan, aus der DDR etwas besseres zu machen.“ Sigrid Kluth aus dem Westen Deutschlands, die seit Kurzem in Hoyerswerda lebt, fand den Film authentisch und die Diskussion spannend. Sie will nun das Buch lesen und mehr über die DDR-Zeit erfahren.