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| 01:36 Uhr

Was Hoyerswerdaer Museumsgeister treiben

Besuch beim Schlossgespenst: Hoyerswerdas Schlossdirektorin Sigrun Jeck schaut beim gruseligen „Kollegen“ im Keller vorbei. Das weiße Laken erwacht an den Gespensternächten zum Leben.Foto: Rainer Könen
Besuch beim Schlossgespenst: Hoyerswerdas Schlossdirektorin Sigrun Jeck schaut beim gruseligen „Kollegen“ im Keller vorbei. Das weiße Laken erwacht an den Gespensternächten zum Leben.Foto: Rainer Könen FOTO: Rainer Könen
Hoyerswerda. Wer an Führungen durch ein Museum teilnimmt, den interessiert auch, was denn die Beschäftigten so den lieben Tag so treiben. Reißen sie von morgens bis abends Eintrittskarten ab? Oder hocken sie stundenlang in staubigen Archiven? Fragen, die mitunter auch Hoyerswerdas Schlossdirektorin Sigrun Jeck auf Rundgängen gestellt werden. Und auf die man im dortigen Schlossmuseum einmal im Monat mit entwaffnender Transparenz antwortet. Von Rainer Könen

So verhielt sich das auch am Dienstag, bei der öffentlichen Führung durch das historische Gebäude. Fünf Besucher wurden von Sigrun Jeck ins Kellergewölbe geführt. Zuerst ging es in den „inoffiziellen Teil des Kellers“, wie das Jeck beschrieb. Dort, wo es muffig roch und man im Halbdunkel einen Geheimgang vermuten würde. Alles Gerüchte, wehrte Jeck jedwede Spekulationen ab. Man habe noch nie was gefunden. Aber, sie lachte, so ein Geheimgang zum Rathaus, das wäre eigentlich schon eine praktische Sache. „Wenn ich jetzt eine ägyptische Mumie hätte, könnte ich die Ihnen vorbeibringen?“, wollte einer der Besucher von der Schlossherrin wissen. Nee, gehe nicht, meinte die. „Wir stellen hier nur regionaltypische Gegenstände aus.“ Im Krabatkeller standen alle erst einmal im Dunkeln, und Jeck erzählte von den Gespensternächten, die von Schulklassen hier durchgeführt werden und bei denen Schüler um Mitternacht, als „eine Art Mutprobe“, durch den schlauchförmigen Keller gehen müssen. Gruseln sei da immer mit inbegriffen.Zum Pflichtprogramm einer Schlossführung gehört auch „der berühmteste Bewohner dieses Hauses“, so Jeck. Der sei schon auf Arte und n-tv zu sehen gewesen. Selbst im „Playboy“ sei er abgebildet gewesen. Den „Tiger von Sabrodt“, den damals, im Jahre 1904 letzten geschossenen Wolf in Deutschland, bestaunten alle. Verständlich bei diesen Ausmaßen: Das Tier ist 1,60 Meter lang, 80 Zentimeter hoch und soll zu Lebzeiten 41 Kilogramm gewogen haben. Weiter ging es in die Büroräume des Museums. Im Anschluss daran führte Jeck die Besucher in die Bibliothek, wo die Mitarbeiter des Museums viel Zeit verbringen. Nicht so sehr auf dem Dachboden, der den größten Teil an Gegenständen beherbergt, die man dann auf Ausstellungen sehen kann. Apropos Schlossgespenst. Das wurde auch gesehen. Im Keller. Dort ruht sich das Laken aus, das bei den Gespensternächten zum Leben erwacht.