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| 16:42 Uhr

Autobahn 4 in Sachsen
Was der Verkehrsminister mit der A4 vorhat

Täglich (zumindest von Montag bis Sonnabend) das gleiche Bild auf der A4: Lkw reiht sich auf der rechten Spur an Lkw. Derzeit werden zwischen Burkau und Ohorn die Leitplanken ausgewechselt, deshalb sind die Fahrspuren verengt.
Täglich (zumindest von Montag bis Sonnabend) das gleiche Bild auf der A4: Lkw reiht sich auf der rechten Spur an Lkw. Derzeit werden zwischen Burkau und Ohorn die Leitplanken ausgewechselt, deshalb sind die Fahrspuren verengt. FOTO: Uwe Menschner
Görlitz/Bautzen. Tag für Tag die gleiche Nachricht in den Verkehrsmeldungen: Stau auf der A 4, zumeist verursacht durch Unfälle. Der sächsische Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) will das Problem jetzt frontal angehen. Von Uwe Menschner

Die Bundesautobahn 4 kommt aufgrund ihrer hohen Verkehrsbelastung seit Monaten nicht aus den Schlagzeilen heraus. Die RUNDSCHAU stellt die wesentlichen Aspekte des Problems und die entsprechenden Lösungsansätze vor.

Die Autobahn ist zu schmal

Dieser von mehreren CDU-Landtagsabgeordneten bereits im Herbst 2017 propagierten Auffassung schließt sich nach anfänglichem Zögern mittlerweile auch die Staatsregierung an. So hat Verkehrsminister Martin Dulig jetzt angekündigt, noch im Sommer den sechsspurigen Ausbau zwischen Dresden und Burkau sowie den achtspurigen Ausbau zwischen dem Dreieck Nossen und Dresden nachträglich für den Bundesverkehrswegeplan anmelden zu wollen.

„Die ursprünglich angegebenen Belegungszahlen haben sich als nicht haltbar erwiesen“, so Dulig. Insbesondere die Belastung durch Schwerlasttransporte habe sich deutlich erhöht. 9000 Lkw sind täglich östlich von Dresden auf der A 4 unterwegs. Nach Angaben von Torsten Schultze, Leiter der Polizeidirektion Görlitz, waren es vor drei Jahren noch 1600 weniger. Und die Tendenz ist weiter stark steigend.

Schnelle Lösung nicht in Sicht

Ist der Ausbau erst einmal im Bundesverkehrswegeplan verankert, dann kann man auch – als „Zwischenlösung“ – die Mitnutzung der Standstreifen für den fließenden Verkehr in Angriff nehmen. Der sächsische Verkehrsminister räumt jedoch mit der „Legende“ auf, dass dies eine schnelle Lösung sei: „Wir müssen dafür umfangreiche technische Voraussetzungen schaffen. Das betrifft elektronische Leitsysteme, die Anpassung der Auf- und Ausfahrten sowie der Brücken.“ Generell muss wohl konstatiert werden, dass sich vor dem Ablauf von zehn Jahren nichts Wesentliches an der Verkehrsbreite der A 4 ändern wird.

Zu wenige Parkplätze

Mit der wachsenden Lkw-Flut hat sich auch ein weiteres Problem verschärft: die Parkplatznot. Lkw-Fahrer sind gezwungen, ihre Fahrzeuge in den Zu- und Ausfahrten der Rastanlagen abzustellen, um ihre gesetzlichen Lenkzeiten nicht zu überschreiten. „Wir haben deutlich zu wenig Lkw-Parkplätze entlang der A 4“, räumt Verkehrsminister Martin Dulig ein. Immerhin: 175 zusätzliche Stellplätze befinden sich aktuell in der Planung, davon 88 östlich von Dresden. Sie sollen auf den Park- und Rastplätzen Eichelberg, Rödertal und Oberlausitz entstehen.

Baustellen verschärfen Situation

Was derzeit zwischen Dresden und dem Dreieck Nossen zu beobachten ist, wird sich im Laufe des Sommers auch in Ostsachsen wiederholen: Baustellen beeinträchtigen den ohnehin schon zähen Verkehrsfluss zusätzlich. So sollen von Juli bis Oktober die Fahrbahn zwischen den Anschlussstellen Bautzen-Ost und Weißenberg auf jeweils rund 2,3 Kilometern in beiden Fahrtrichtungen sowie zwischen Weißenberg und Nieder Seifersdorf in Richtung Görlitz auf 7,5 Kilometern erneuert werden.

Kritikern wie dem FDP-Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst dauern die Autobahnbauarbeiten in Sachsen zu lange. Er moniert, dass Sachsen nicht von der Möglichkeit Gebrauch mache, auch nachts zu bauen. Laut Martin Dulig bekomme man auf Ausschreibungen für Baustellen im Dreischichtsystem keine Angebote. „Die Firmen sind so gut ausgelastet, dass sie sich auf die damit verbundenen komplexen Anforderungen nicht einlassen.“ Zudem gebe es auch technologische Beschränkungen – so könne Asphalt in der Regel nur am Tag angeliefert werden.

Hilft die Bahn aus der Staufalle?

Verkehrsminister Martin Dulig weilte unlängst zu Gesprächen mit der Wojewodschaft Niederschlesien in Breslau, wo es auch um die „Rollende Landstraße“ ging – also die Verladung ganzer Lkw auf Züge. „Gemeinsam mit unseren polnischen Partnern möchten wir nun Parameter wie die Ausstattung von Verladestationen, die Beschaffenheit der Güterwagen und den Reisekomfort für die Lkw-Fahrer ausloten, damit eine Rollende Landstraße funktioniert. Außerdem muss die Strecke ausreichend lang sein. Nur so wird sich der Umstieg auf die Schiene für die Speditionen betriebswirtschaftlich und zeitlich lohnen“, so der Minister.

Mit der Inbetriebnahme der Niederschlesischen Magistrale zwischen Hoy­erswerda und Horka Ende dieses Jahres besteht zumindest die theoretische Möglichkeit, das Äquivalent von 4500 Lkw täglich mit Zügen zu transportieren. Wie groß die Entlastung tatsächlich sein wird, muss die Zukunft zeigen.

Der menschliche Faktor

Nicht zu unterschätzen ist im Hinblick auf die Stau- und Unfallsituation der menschliche Faktor. „Nicht Baustellen verursachen Unfälle, sondern falsches Verhalten“, betont Verkehrsminister Martin Dulig. Insbesondere beim Einfädeln komme es immer wieder zu brenzligen Situationen.

Der Bautzener Verkehrsrechtler Prof. Dieter Müller sieht eine Ursache dafür in der seiner Meinung nach zu hohen Toleranz der sächsischen Polizei gegenüber Verkehrsverstößen: „Die meisten Autofahrer fahren in Baustellen ,nur’ nach der Regel plus 20 km/h, weil sie genau wissen, dass dies von der Polizei toleriert wird. In Brandenburg toleriert das die Polizei nicht und dort halten sich auf der A 13 alle Autofahrer peinlich genau an die erlaubten 120 km/h, weil bereits ab 125 km/h konsequent geblitzt wird.“