| 02:40 Uhr

Warum Herr Rittersporn-Kaszyschke diesmal nicht absagt

Jens-Uwe Röhl, Mitbegründer des Literarischen Frühstyxeies, hat überhaupt keinen Zweifel an der Rechtschaffenheit des Herrn Rittersporn-Kaszyschke. Obwohl dieser seit 20 Jahren seinen Besuch in Hoyerswerda immer wieder absagt, glaubt Röhl fest daran: Zum Jubiläum am morgigen Sonntag lässt die politische Weltlage es zu, dass der Mäzen erscheint.
Jens-Uwe Röhl, Mitbegründer des Literarischen Frühstyxeies, hat überhaupt keinen Zweifel an der Rechtschaffenheit des Herrn Rittersporn-Kaszyschke. Obwohl dieser seit 20 Jahren seinen Besuch in Hoyerswerda immer wieder absagt, glaubt Röhl fest daran: Zum Jubiläum am morgigen Sonntag lässt die politische Weltlage es zu, dass der Mäzen erscheint. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Hoyerswerda. Seit genau 20 Jahren wird von der Kulturfabrik viermal jährlich das "Literarische Frühstyxei" aufgetischt. Das Rezept: Mit Freunden schön brunchen und dabei was vorgelesen bekommen oder selbst vorlesen. Morgen steigt die Jubiläumsausgabe im Bürgerzentrum.

Die Organisatoren sind schon ganz aufgeregt, denn morgen soll er wirklich kommen: der renommierte Macher und Kenner der Literatur und der schönen Künste, Herr Rittersporn-Kaszyschke aus Berlin. Die Lausitzer Rundschau sprach dazu mit Cheforganisator und Kufa-Vereinsvorsitzenden Jens-Uwe "Röhli" Röhl.

Herr Röhl, bisher hat ihr Ehrengast in verlässlicher Manier immer in letzter Minute abgesagt. Sie durften seine Entschuldigungsgrüße und -briefe verlesen. Es ist nur noch ein Tag bis zur Frühstyxei-Geburtstagsfeier. Hatten Sie denn schon Post im Briefkasten?
Post? Warum denn? Ach wegen einer Absage? Natürlich nicht. Rittersporn-Kaszyschke kommt am Sonntag. Das ist so abgesprochen und der Termin ist lange bekannt. Er wird sich doch das 20. Jubiläum nicht entgehen lassen. Wir haben dazu in Berlin intensive Gespräche geführt.

Das heißt, Sie haben ihn schon leiblich getroffen?
Natürlich, nicht nur in der Hauptstadt, auch in Hoyerswerda. Wir haben hier schon oft mit ihm gefeiert, Prohi-Partys und so. . .

War er denn nach dem Umzug aus der Zwischenbelegung auch schon im neuen Haus?
Ja natürlich, er war selbstverständlich zur Eröffnung da.

Aber das Frühstyxei hat er immer abgesagt. Gab es Entschuldigungen, die Ihnen fragwürdig erschienen?
Nein, nie. Rittersporn-Kaszyschke ist ein grundseriöser und grundehrlicher Mensch. Wie könnte man denn nicht glauben, dass er Einfluss auf die Wahlen dieser Welt nimmt und sich deshalb verstecken muss? Oder damals, als er die Griechenlandkrise lösen wollte und auf Kreta verschollen ist. Und so Vorschläge wie: die Chinesen den Schweizer Käse kopieren zu lassen oder ihnen das "R" zu verkaufen und mit den eingenommenen Lizenzgebühren den Deutschen Staatshaushalt zu retten? Sowas bringt ihm natürlich nicht nur Freunde ein. Es waren immer wichtige weltpolitische Gründe, die seine Lesereisen nach Hoyerswerda verhindert haben.

Wann und warum waren Sie überhaupt auf den Gedanken gekommen, Rittersporn-Kaszyschke als Experten einzuladen?
Das war gleich zum Start des "Frühstyxei", als wir 1997 zum ersten Mal in dieses Haus hier eingezogen sind. Damals wollten wir im Cafè "Stilbruch" eine Sonntagslesung machen. Wir hatten in der Tradition von Frank Zappa ein Bild über eine Couch gehängt und zu dieser "Ausstellung" eine Vernissage mit Lesung organisiert. Um dem Ganzen mehr Stil zu geben, brauchten wir einen fachlichen Background, einen Fachmann für Literatur und die schönen Künste. Daher haben wir Rittersporn-Kaszyschke als Mentor und Mäzen vertraglich an uns gebunden.

Es gibt sogar einen Vertrag?
Ja, nur storniert Uwe (Proksch) die Zahlungen immer wieder. Es gibt immer Streit um die Finanzen. Ich muss dann schlichten. Das ist so eine Art Hassliebe zwischen den beiden. Rittersporn-Kaszyschke nennt Uwe ja fälschlicherweise auch immer noch "Protsch".

Das "Rührei", das Veranstaltungspendant am Abend, ist nicht Teil des Vertrages?
Nun, wir hätten Rittersporn-Kaszyschke schon gern dabei. Nach seinem Verständnis aber ist das "Rührei" zu sehr leichte Muse - zu viel Unterhaltung, zu wenig Bildung, zu wenig Ernst. Trotzdem versuchen wir, sowohl das "Rührei" wie auch das "Frühstyx ei" in seiner Tradition in die Zukunft zu führen.

Das bedeutet?
Dass wir uns sehr wünschen, doch einmal aus Rittersporn-Kaszyschkes Werken lesen zu können - die ich wirklich sehr schätze - und nicht immer auf unsere Frühstücksgäste ausweichen müssen. Von denen - ob der politischen Weltlage - am Sonntag aber hoffentlich einige ein Büchlein in der Tasche haben werden.

Mit Jens-Uwe Röhl

sprach Mandy Fürst/mft1

Die Jubiläumsausgabe zum "Literarischen Frühstyxei" am Sonntag ist restlos ausverkauft.