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| 21:58 Uhr

Extrem-Wandern
Im Mondschein auf Schusters Rappen

Haben um 5 Uhr morgens schon 50 Kilometer hinter und weitere 50 Kilometer vor sich: Karl-Heinz Naussed und Kaj Mildner starten zur Tagesetappe.
Haben um 5 Uhr morgens schon 50 Kilometer hinter und weitere 50 Kilometer vor sich: Karl-Heinz Naussed und Kaj Mildner starten zur Tagesetappe. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Für passionierte Weitwanderer ist der Lausitzer Seenlandhunderter ein großartiges Erlebnis. Von Katrin Demczenko

Wandern ist die älteste Möglichkeit für Menschen, von A nach B zu kommen und das Naturerlebnis haben sie gratis dazu. Auch heute noch nehmen eingefleischte Wanderfreunde gern mal einen richtig langen Kanten in Angriff. So einer führte am Wochenende auch mitten durch Hoyerswerda - der Lausitzer Seenlandhunderter.

Organisiert wird dieses Wander-Ereignis seit mehr als 20 Jahren vom Lausitzer Wanderverein (LWV). Attraktiv ist das Ganze auch für wandernde Gäste aus Berlin, Brandenburg und Sachsen.

Doch während sich die meisten Teilnehmer für Strecken mit einer Länge von 13 bis 51 Kilometer rund um Hoyerswerda, durch das Dubringer Moor und an Zelders Teichen vorbei entscheiden, hat sich um den LWV-Vorsitzenden Günther Voigt ein Trupp ganz besonders ausdauernder Enthusiasten gescharrt. Zehn Sportwanderer starteten schon am Freitagabend um 18 Uhr auf eine 100 Kilometer lange Wanderung. Die ersten 50 Kilometer auf Schusters Rappen absolvierten die zehn Teilnehmer durch die ganze Nacht hindurch bis fünf Uhr morgens. „Wir sind von der Christlichen Schule Johanneum über Maukendorf und Knappenrode zum Dreiweiberner See gelaufen, haben das beleuchtete Einlaufbauwerk des Überleiters am Speicherbecken Lohsa II besichtigt und kamen über Burg nach Hoyerswerda zurück“, erklärt Günther Voigt die Mammut-Route. Der Wanderfreund hatte die Strecke zwar ein paar Tage zuvor mit dem Fahrrad abgefahren, um sich Abzweigungen zu merken. „Aber nachts sieht die Landschaft eben doch anders aus“, sagt er. Deshalb erklommen die Wanderer ungeplant eine ehemalige Tagebaukippe und hatten von oben einen schönen Blick auf das Kraftwerk Boxberg. Da zwei Teilnehmer einen GPS-Sender dabei hatten, fand die Gruppe schnell wieder die vorbereitete Strecke und machte die zweite Pause nachts um 2 Uhr in Burghammer

„Das war alles prima organisiert“, lobt Karl-Heinz Naussed aus Lawalde im Landkreis Görlitz. Ein Sportverein aus Burghammer hatte seine Hütte geöffnet und LWV-Mitglieder brachten mit dem Auto Bananen, Schokolade sowie Kaffee vorbei, was die Müdigkeit etwas vertrieb. Mit 68 Jahren ist Naussed der älteste Teilnehmer am Lausitzer Seenlandhunderter, den er nicht zum ersten Mal absolvierte. Karl-Heinz Naussed gehört wie Günther Voigt zur Weitwandergruppe des Sächsischen Bergsteigerbundes und hat bereits eine ganze Reihe 24-Stunden-Touren unter die Füße genommen.

Kaj Mildner aus Neukirch/Oberlausitz ging ebenfalls mit Günther Voigt durch die mondhelle Lausitzer Nacht. Der 48-Jährige sucht bei diesen Hundert-Kilometer-Strecken für sich selbst den sportlichen Ansporn. „Beim Wandern kommt es nicht darauf an, Erster zu werden, und man ist mit anderen unterwegs“, erzählte er. Das Hobby betreibt er schon seit seiner Jugend - doch an die langen Distanzen hat er sich langsam herangetastet - auch bei Touren im Harz, in Berlin oder Tschechien.

Natur nachts zu erleben wird für ihn etwas besonderes, wenn sich Augen und Ohren an die Finsternis gewöhnt haben, sagte der Neukircher. In der Dämmerung erklang ein Froschkonzert, später schrien Käuzchen und waren Wildschweine im Wald zu hören. Zum Frühstück in Hoyerswerda war der Lausitzer ­Seenlandhunderter aber längst nicht zu Ende. Für acht Wanderer ging es auf die zweite Hälfte: weitere 51 Kilometer quer durch die Region.