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| 19:30 Uhr

Oberlausitzer Verlage
Wandel in der Verlagsszene

Der Trend geht zur Zusammenarbeit: Gunter Oettel und Friederike Koch-Heinrichs vom Museum der Westlausitz teilen sich in Leipzig einen Messestand.
Der Trend geht zur Zusammenarbeit: Gunter Oettel und Friederike Koch-Heinrichs vom Museum der Westlausitz teilen sich in Leipzig einen Messestand. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen. Der Tod des Bautzener Verlegers Dr. Frank Stübner vor einem Jahr ist ein herber Schlag für die Oberlausitzer Verlagslandschaft gewesen. Die Kollegen wirken in seinem Sinne weiter. Von Uwe Menschner

„Wenn ich daran denke, dass vor einem Jahr noch Dr. Frank Stübner hier mit am Tisch gesessen hat, wird mir schwer ums Herz.“ Der bekannte und verdienstvolle Bautzener Verleger wird schmerzhaft vermisst in der Runde seiner Oberlausitzer Berufskollegen, die alljährlich im Vorfeld der Leipziger Buchmesse – die diesjährige beginnt am heutigen 15. März und geht bis zum 18. März – ihre Neuerscheinungen und Verlagsprogramme vorstellen.

Stübners Tod am 7. April 2017 stellte eine scharfe Zäsur für die regionale Verlagszene dar. Der von ihm begründete Lusatia-Verlag, der stets zu den Aushängeschildern der Region bei der Buchmesse zählte, existiert nicht mehr. Und so bleibt Maria Matschie, der Geschäftsführerin des ebenfalls in Bautzen ansässigen Domowina-Verlags, und den anderen Verlegern nur, die Tradition fortzuführen und so im Sinne von Dr. Stübner zu wirken.

Der Domowina-Verlag fährt wie schon in den vergangenen Jahren mit einer breiten Palette von Neuerscheinungen nach Leipzig. Den Schwerpunkt bilden sorbischsprachige Publikationen sowie solche mit sorbischer Thematik.

„Unsere Branche befindet sich nach wie vor im Wandel“, betont Geschäftsführerin Maria Matschie. „Vor dem Hintergrund eines stetig anwachsenden Medienkonsums verliert das klassische Buch immer mehr Anteile.“ So sei die Zahl der Buchkäufer deutschlandweit von 2012 bis 2017 um ein Fünftel zurückgegangen. Die Zahl der verkauften Bücher sank nicht im gleichen Maße: „Das liegt an den vielen ,Intensivkäufern’, vor allem im sehr hohen und im sehr niedrigen Alter, die eine große Anzahl von Büchern kaufen.“

Die mittleren Altersschichten hingegen setzten in einer immer schnelllebiger werdenden Zeit auch immer stärker auf schnell konsumierbare Medien: „Die ständige Beschleunigung der Arbeitswelt, die immer gravierendere Reizüberflutung geht einher mit einem Verlust der Fähigkeit zum ,tiefen’ Lesen.“ Der Fähigkeit also, sich voll und ganz auf ein Buch einzulassen und dabei die Welt ringsumher zu vergessen. Dabei, so weiß Maria Matschie, bedauern es viele Berufstätige, dass ihnen vermeintlich die Zeit zum intensiven Lesen fehlt: „Ein gutes Buch kann als Insel der Entschleunigung auch durchaus einen Erholungseffekt haben.“

Mit der Zeit zu gehen bedeutet auch für die Oberlausitzer Verlage, moderne – also digitale – Vertriebswege zu nutzen. Das Museum der Westlausitz Kamenz ist kein klassischer Verlag, gibt aber alljährlich eine große Anzahl von wissenschaftlichen Schriften heraus und beteiligt sich schon seit Jahren in Form eines Gemeinschaftsstandes mit dem Görlitzer Verlag Gunter Oettel an der Leipziger Buchmesse.

„Durch unseren Onlineshop haben wir den Erfolg unserer Publikationen besuchsunabhängig gemacht“, erklärt Museumsleiterin Friederike Koch-Heinrichs. Und fügt hinzu: „Für uns ist der Vertrieb das Schwierigste am Buchgeschäft.“ Das Onlinegeschäft, so weiß die Museumschefin, „muss noch viel professioneller aufgebaut werden“.

Dabei profitiert das Museum der Westlausitz – ebenso wie bei der gemeinsamen Messepräsentation – von den Erfahrungen Gunter Oettels, der bereits seit vielen Jahren von Görlitz aus die Verlagsszene der Oberlausitz mit prägt und in Leipzig zu den Stammgästen zählt. Sein Portfolio umfasst vor allem Regionalia aus der Oberlausitz und den umliegenden Gebieten. „Das Angebot unseres Online-Shops wird immer größer, ich möchte auf diesen Vertriebsweg nicht mehr verzichten“, bekennt er. Das E-Book hingegen ist für ihn „kein Thema“.

Ähnlich sieht das auch Natascha Sturm, mit ihrem 2015 gegründeten Neissufer Verlag die jüngste im Reigen der Oberlausitzer Vertreter auf der Buchmesse: „Ich habe mich auf Kinderbücher spezialisiert. Die Kinder sollen die Bücher in der Hand halten und darin lesen.“

Maria Matschie vom Domowina-Verlag hingegen setzt bereits seit Jahren auf das E-Book und will diesen Bereich ausbauen, auch wenn sie sich der Grenzen bewusst ist: „Der Zenit scheint überschritten, der Markt stagniert deutschlandweit.“

In diesem Jahr nicht auf der Buchmesse vertreten sind der Oberlausitzer Verlag, der durch den Umzug von Spitzkunnersdorf nach Dittelsdorf alle Hände voll zu tun hat, sowie der Via Regia Verlag Königsbrück, der das wohl bekannteste „Kind“ des eingangs erwähnten Dr. Frank Stübner – das Oberlausitzer Hausbuch – am Leben erhält.