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| 03:16 Uhr

Wärme fürs Haus wächst auf dem Feld

Die nur wenige Monate jungen Pappeln auf einem Feld bei Tettau haben sich teilweise sehr gut entwickelt. Susann Skalda, Geschäftsführerin des Vereins Biomasse Schraden, und der wissenschaftliche Mitarbeiter Sebastian Wünsch begutachten die Qualität der Triebe.
Die nur wenige Monate jungen Pappeln auf einem Feld bei Tettau haben sich teilweise sehr gut entwickelt. Susann Skalda, Geschäftsführerin des Vereins Biomasse Schraden, und der wissenschaftliche Mitarbeiter Sebastian Wünsch begutachten die Qualität der Triebe. FOTO: Manfred Feller
Tettau. Wer ein Haus und ein bis zwei Hektar Land dahinter besitzt, der kann den Ölscheichs und Gaszaren den dicken Daumen zeigen. Denn die Wärme steht in Form einer nachwachsenden Holzplantage auf dem eigenen Feld. Manfred Feller

Im benachbarten Elbe-Elster-Landkreis sind die sogenannten Kurzumtriebsplantagen mit schnell wachsenden Baumarten eher zu finden als in Oberspreewald-Lausitz. Deshalb hat sich dort auch der Verein Biomasse Schraden gegründet.

Er hat sich nach Auskunft von Geschäftsführerin Susann Skalda zum Ziel gesetzt, alle Partner in ein Boot zu holen - vom Erzeuger der Biomasse über den Abnehmer der Hackschnitzel bis hin zu Dienstleistern, die die Flächen pflegen und ernten sowie die notwendige Haustechnik anbieten. Auch Wissenschaftler mischen mit.

Im konkreten Fall hat sich ein Landbesitzer aus Tettau dazu entschlossen, eine vier Hektar große Pappelplantage anzulegen. Im Frühjahr lieferte eine Baumschule die Stecklinge: etwa 10 000 Stück für einen Hektar. Die Stecklinge sind etwa 25 Zentimeter lange Abschnitte von Pappelruten. Diese werden wurzellos in den Boden gesteckt. Nach nicht einmal einem halben Jahr haben sie, je nach Sorte, bereits eine Höhe von mehr als einem bis zu drei Metern erreicht. Am Donnerstag arbeitete sich Sebastian Wünsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Verein Biomasse, mit Traktor und Scheibenegge durch die langen Reihen der Pappelruten bei Tettau. "Im ersten Jahr müssen die Pflanzen wie Gemüse behandelt werden", sagt der Gärtnermeister. Das Unkraut muss weg. "Dieses ist ein großer Nahrungskonkurrent", ergänzt Susann Skalda, die Forstwirtschaft und Holztechnologie studiert hat.

Nach drei bis vier Jahren sei die Plantage erntereif. Die Pappeln mit einem Stammdurchmesser von bis zu zwölf Zentimetern werden mit einer Art Mähdrescher geerntet. Die Maschine, die sich ansonsten durch Maisfelder frisst, erhält einen Vorsitz mit Kreissägeblättern. Die Stämmchen werden ein Stück über dem Erdboden abgesägt. Plantagen werfen etwa zwei Jahrzehnte einen annehmbaren Holzertrag ab, dann müssen Ernteschritt für Ernteschritt neue Stecklinge in den Boden.

Der Holzzuwachs im Jahr betrage je Hektar ungefähr acht Tonnen Trockenmasse. Fachleute haben ausgerechnet, dass für ein normales Einfamilienhaus ein bis eineinhalb Hektar der speziell gezüchteten Turbo-Pappeln für die Versorgung mit Wärme und Warmwasser ausreichen. Bei einer Nachwachszeit von drei bis vier Jahren wird immer nur ein Teil der Hektarfläche abgesägt und das Holz zu Hackschnitzeln verarbeitet.

Trotz der Vorabinvestition auf dem Feld und im Haus soll sich die Umstellung vom fossilen auf den erneuerbaren Energieträger rechnen. Die reine Heizkostenersparnis liege im ersten Jahr bei etwa 50 und wachse auf mehr als 80 Prozent. Als Vergleich dient laut Susann Skalda ein Haus mit einem Jahresverbrauch an Heizöl von 1500 Litern beziehungsweise 1700 Kubikmetern Erdgas.

Der Verein mit Sitz in Großthiemig berät Landwirte und Landbesitzer zum Thema "Energieholz" in jeder Hinsicht. Ihm gehören neben Agrarbetrieben auch Baumschulen und Waldeigentümer an.

Um nicht zu sehr mit der Nahrungsmittelproduktion zu konkurrieren, plädiert der Verein für die Nutzung von ungenutzten Kleinflächen und für das Anlegen aberntbarer Schutzstreifen.