| 02:39 Uhr

Wälder werden artenreicher

Jan Prignitz ist Referatsleiter im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft.
Jan Prignitz ist Referatsleiter im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. FOTO: amz1
Wartha. Im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft wachsen immer mehr Eichen. Das soll befördert werden. Die Devise dafür: mehr Licht in den Wald bringen. amz1

Die Eiche in Lausitzer Wäldern befindet sich auf dem Vormarsch, die Kiefer dagegen auf dem Rückzug. Die Forstleute im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft wollen diese Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten weiter fördern. Sie setzen dabei vor allem auf die Wuchskraft der Laubbäume.

Rund 3300 Hektar Wald umfasst der Landeswald im Reservat - rund ein Fünftel der Forstfläche in den Grenzen des Schutzgebietes. Etwa drei Viertel nimmt derzeit die Kiefer ein. Eichen wachsen auf lediglich vier Prozent. Das mag sich wenig anhören, ist es aber nicht wirklich, wie Forstmann und Referatsleiter Jan Prignitz vom Biosphärenreservat erklärt. Denn noch vor zehn Jahren habe sich der Eichenanteil bei weniger als einem Prozent bewegt, die Kiefern dominierten dagegen auf 78 Prozent der Fläche. "Baumarten-Veränderungen gehen nur über sehr lange Zeiträume vor sich", begründet der Fachmann.

Durch gezielte Maßnahmen würden die Laubbäume gefördert. Insbesondere laute die Devise: "mehr Licht in den Wald". Denn gerade die Eiche sei eine Lichtbaumart. Aus diesem Grund würden dichte Kiefernbestände aufgelockert, um dem Laubholz mehr Chancen einzuräumen. Junge Bäumchen anzupflanzen, bräuchten die Forstleute häufig gar nicht. Dafür sorge die Natur schon selbst.

Bis zum Jahr 2026, so haben es die Planer der jüngsten Waldinventur im Reservat festgeschrieben, sollen rund zehn Prozent der Landeswaldfläche im Schutzgebiet verjüngt werden. Wichtigste Baumart bleibe die Kiefer, an zweiter Stelle folge bereits die Eiche. Problem sei, dass für das junge Laubholz ein Zaun unabdingbar sei. Ansonsten fresse das Wild die Gehölze auf. Die Bestände an Reh- und Rotwild präsentierten sich ohnehin als deutlich zu hoch. Konkrete Zahlen nennt Jan Prignitz nicht. Indes habe sich im vergangenen Jahrzehnt die Fläche der Naturverjüngung deutlich erhöht. Und zwar von 460 Hektar anno 2007 auf aktuell 1500 Hektar. Letztendlich sei davon erfahrungsgemäß aber nur ein Drittel "brauchbar", erreiche also ein höheres Lebensalter. Der große "Rest" gehe nicht selten durch Licht- und Platzmangel ein.

In der mittleren Lausitz würde von Natur aus der Kiefern-Eichen-Birken-Mischwald dominieren. Durch die Forstwirtschaft der Vergangenheit wurden aber großflächige Kiefernreinbestände angelegt. Diese brächten zwar ansehnliche Holzerträge, doch seien sie massiv gefährdet, etwa durch Brände oder Schadinsekten. Daher orientierten sich die Förster verstärkt am ursprünglichen Waldbild. Dadurch erhoffen sie sich eine höhere ökologische Stabilität und nicht zuletzt auch entsprechende Holzerträge.

Aber im Biosphärenreservat werde ohnehin eher zurückhaltend gewirtschaftet, betont Jan Prignitz. Der Naturschutz besitze oberste Priorität. Mehr noch: In Zukunft wollen die Förster verstärkt auf sogenannte Altholz-Inseln setzen, also Bereiche, in denen die Bäume alt werden und anschließend in aller Ruhe absterben können. Ein Prozess, der in der gewinnorientierten Holzwirtschaft eher unwahrscheinlich sei. "Damit wollen wir seltenen Arten mehr Überlebenschancen einräumen. Zudem sollen die Leute ruhig mal sehen, wie eine 200- oder 300-jährige Kiefer aussieht", bringt Prignitz seine Intention auf den Punkt. Schon jetzt sei der Totholz-Anteil im Schutzgebiet etwa doppelt so hoch wie im sachsenweiten Durchschnitt. Das sei auf die zurückhaltende Bewirtschaftung zurückzuführen.

Jan Prignitz will, so kündigt der Forstmann augenzwinkernd an, demnächst zum Buddhismus konvertieren. "Dann werde ich wiedergeboren und kann in 400 oder 500 Jahren schauen, wie sich die Lausitzer Wälder entwickelt haben." Ohnehin seien Förster die einzige Berufsgruppe, die bereits heute in Form junger Wälder Werte schaffe, von denen erst nachfolgende Generationen profitieren. Und zwar nicht nur im Hinblick auf Holzerlöse, sondern vor allem wegen der Vitalität und Dauerhaftigkeit bunter Mischwälder.