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| 13:52 Uhr

Wachsende Wildschweinpopulation sorgt für Probleme

Auf dem Friedhof in Weißwasser hat es wohl keine Wildschweine gegeben.
Auf dem Friedhof in Weißwasser hat es wohl keine Wildschweine gegeben. FOTO: Fredrik von Erichsen (dpa)
Hoyerswerda. Es wird immer schlimmer: Viele Jäger in der Region Hoyerswerda sind Tag für Tag in den Fluren und Wäldern unterwegs – und erlegen immer mehr Wildschweine. Jedoch reicht selbst eine immer höhere Quote nicht, um die Population einzudämmen. Sascha Klein

Den Jägern stehen Jahr für Jahr mehr Tiere gegenüber. Damit steigt auch das Risiko, dass die Wildschweinrotten Schaden bei Landwirten anrichten.

Professor Wolfgang Reichert ist Vorsitzender des Jagdverbands Hoyerswerda und erlebt diesen Trend Jahr für Jahr mit. "Die Erweiterung der Landwirtschaft hat natürlich auch das Nahrungsangebot für Wildschweine größer gemacht", sagt er. Die sächsische Streckenübersicht - die Jagdstatistik für den Freistaat - zeigt diese Entwicklung klar auf. Während sie im Jagdjahr 1991/92 sachsenweit bei 13 772 Stück erlegtem Schwarzwild lag, gingen die Zahlen konstant nach oben. Im Jagdjahr 2016/17 liegt die Zahl schon bei 33 258. Nur im Jahr 2001/02 war sie mit 33 922 Tieren noch höher.

Wolfgang Reichert sieht für die Lausitz jedoch noch ein zusätzliches Problem: Die Wildschweinrotten werden immer größer. Er führt diesen Trend auf die Anwesenheit des Wolfes zurück. Größere Rudel böten für die Wildschweine mehr Schutz. Während früher Rotten im Raum Hoyerswerda zwischen neun und zehn Tiere groß waren, gäbe es jetzt Rotten mit 30 bis 40 Tieren.

Auch für die Staatsregierung ist die Entwicklung des Schwarzwildbestandes alarmierend. Sie gebe "Anlass zur Sorge", wie Umweltminister Thomas Schmidt jüngst bei der Vorstellung der Streckendaten sagte. Auch der Vorsitzende des Jagdverbands Hoyerswerda hat kein Allheilmittel. Er hat jedoch eine Idee, die den Jägern helfen könnte: der Einsatz von Nachtsichttechnik beim Erlegen von Wildschweinen. "Bisher ist das jedoch verboten", sagt Wolfgang Reichert. Nur zum Schauen sei diese Technik einsetzbar - zum Schießen jedoch nicht. "Wir sollten da einen Schritt vorwärts gehen", sagt Reichert. "Sonst sieht man nachts nur einen schwarzen Klumpen. Und in einen schwarzen Haufen kann man nicht schießen", sagt er.

Zudem müssten sich Jäger an strikte Zeiten halten. 90 Minuten nach Sonnenuntergang sei Schluss mit der Jagd. Erst 90 Minuten vor Sonnenaufgang sei sie wieder erlaubt. Der Hintergrund: Auch dem Wild soll eine Nachtruhe garantiert werden. Das bringe besonders berufstätige Jäger in Zeitdruck, sagt Reichert. Denn wer tagsüber arbeitet, hat morgens und abends nur wenige Stunden Zeit, um auf die Jagd gehen zu können. Zurzeit gibt es in Sachsen laut Ministerium mehr als 11 400 Jagdscheininhaber. Sachsens Jagdfläche ist rund 1,6 Millionen Hektar groß. Davon sind 523 000 Hektar Wald.

Bereits im Jahr 2014 hatten Staatsregierung und unter anderem Jagd-, Waldbesitzer- und Bauernverband mit der "Freiberger Erklärung" vereinbart, dass der Schwarzwildbestand weiter verringert werden muss. Jäger, Landwirte und Grundeigentümer sollten eine gemeinsame Strategie entwickeln, wie eine Reduzierung gelingen kann. Sinnvoll sei zum Beispiel, dass Jäger frühzeitig wüssten, auf welchen Feldern welche Kulturen angebaut werden.