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Vorsorge für den Katastrophenfall

Landkreis Kamenz.. Mit alten Karten, viel Optimismus und der Hoffnung auf den einen oder anderen glücklichen Zufall wird sich Jan Fellenberg gemeinsam mit seinen Mitarbeitern in den nächsten Wochen auf Tour durch den Landkreis Kamenz begeben. Ihr einziges Ziel: So viele Brunnen wie möglich zu finden. Von Sven Hering

Im Auftrag des Landratsamtes sind die Mitarbeiter des Kamenzer Unternehmens DSA damit beschäftigt, möglichst alle so genannten Notwasserbrunnen im Kreis ausfindig zu machen. „Dabei handelt es sich um Brunnen, die unabhängig vom bestehenden Wasserversorgungsnetz genutzt werden können“ , so Fellenberg.
Im Katastrophenfall könnten diese Einrichtungen die Lieferung des Trinkwassers sichern - und damit überlebenswichtig sein. „Deshalb ist es für uns natürlich wichtig, dass wir wissen, wo es alles entsprechende Brunnen gibt“ , so der DSA-Mitarbeiter.
Fellenberg muss dafür allerdings nicht jede einzelne Gemeinde zwischen Spreetal und Radeberg abfahren. Registriert werden die Brunnen in allen Städten ab 5000 Einwohnern. „So 20 bis 30 könnten es in jedem Ort schon sein“ , mutmaßt der Kamenzer. Eine gesicherte Aussage gibt es nämlich nicht und das macht die Aufgabe nicht gerade leichter.
Denn nur im Idealfall liegen den Brunnensuchern entsprechende Pläne vor, die dann größtenteils noch aus DDR-Zeiten stammen. „Wenn wir Glück haben, melden sich auch noch ehemalige Mitarbeiter von volkseigenen Betrieben, die uns dann auf den meist geschlossenen Betriebsgrundstücken zeigen, wo ein Notwasserbrunnen existiert“ , sagt Jan Fellenberg. Doch das ist dann auch schon die Ausnahme. „So grenzt unsere Tätigkeit fast schon an Detektivarbeit“ , so der DSA-Mitarbeiter.
Deshalb setzt das Team um Fellenberg auf die Mitwirkung der Einwohner in den einzelnen Kommunen. „Hier sind wir schon auf Kooperation angewiesen.“ So müsse den Mitarbeitern Zugang auf Privatgrundstücke gewährt werden. „Das ist auch in den entsprechenden Gesetzlichkeiten geregelt“ , sagt Fellenberg.
Konfliktpotenzial sieht der Brunnnensucher allerdings kaum. Schließlich gehe es um eine Angelegenheit, die im Ernstfall das Leben vieler Menschen retten könnte. „Dies“ , so Fellenberg, „sollte allen bewusst sein.“

Hintergrund Landkreise zuständig
  Die Landkreise und kreisfreien Städte sind nach dem Wassersicherstellungsgesetz (WasSG) vom 24. August 1965 (BGBl. I S. 1225) verpflichtet, Vorsorge für die Trinkwassernotversorgung zu treffen. Da es sich um ein Bundesgesetz handelt, bestehen auch bundeseinheitliche Vorgaben für die Planungsgrundlagen.
Der Bund finanziert in begrenztem Umfang die Eignungsuntersuchung bestehender Brunnen sowie deren Ausbau für Zwecke der Notwasserversorgung. Das Bundesverwaltungsamt hält hierzu Informationen bereit und bietet Fortbildungsveranstaltungen an.