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Von Klingklang bis Klavier-Pate gesucht

Der Kultur-Herbst in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik bietet von Keimzeit über Wladimir Kaminer, Cellomusik mit dem Solina-Ensemble bis zum Liederfest "Hoyschrecke" jede Menge Abwechslung. Bereits am kommenden Samstag gastieren Liederkünstler Felix Meyer und Projekt ile im Kufa-Saal. Fotomontage
Der Kultur-Herbst in der Hoyerswerdaer Kulturfabrik bietet von Keimzeit über Wladimir Kaminer, Cellomusik mit dem Solina-Ensemble bis zum Liederfest "Hoyschrecke" jede Menge Abwechslung. Bereits am kommenden Samstag gastieren Liederkünstler Felix Meyer und Projekt ile im Kufa-Saal. Fotomontage FOTO: Schubert
Hoyerswerda. Im dritten Jahr ihrer Neuzeit-Ära hat die Kulturfabrik Hoyerswerda immer öfter auch Klassik, Jazz und Bigband-Klänge im Programm. Damit alles gut klingt, wird ein kleiner Flügel gebraucht. Für die 88 Tasten werden nun Paten gesucht. Catrin Würz

Gerade vor ein paar Tagen hat die Kulturfabrik Hoyerswerda ihren zweiten Geburtstag im neuen Haus in der Altstadt gefeiert. Rasend schnell sind diese beiden Jahre seit der Neueröffnung des Bürgerzentrums Braugasse 1 im September 2015 vergangen. Das empfindet auch Geschäftsführer Uwe Proksch so. Und er stellt schon mal in Aussicht: Auch im dritten Jahr der neuen Kufa-Ära dürfte ein Höhepunkt den nächsten jagen, dass man kaum Luft holen kann.

Im Jahr 2016 haben immerhin 39 000 Menschen die Veranstaltungen der Kulturfabrik Hoyerswerda besucht. Zwei Drittel davon nutzten die kulturellen Angebote des Hauses wie Theateraufführungen, Konzerte, Ausstellungen, Multivisionsvorträge und natürlich auch die wöchentlichen Kinovorstellungen. Beim hauseigenen "Blow up"-Kino haben die Veranstalter unlängst die Anfangszeiten geändert, um den Wünschen der Filmfreunde noch mehr entgegenzukommen. So ist die Abendvorstellung am Sonntag jetzt auf 17.30 Uhr vorverlegt. Am Donnerstag wird neuerdings statt um 15 Uhr erst um 16 Uhr gespielt. "Die Änderungen sind vom ersten Tag an super angenommen worden", sagt Kufa-Geschäftsführer Uwe Proksch.

Die Programm-Highlights für ein ebenso volles Haus in den nächsten Monaten sind freilich schon gesetzt. Auf der Bühne stehen dann unter anderem solche bewährten Zugpferde wie der Buchautor Wladimir Kaminer (1.11.), die Band "Keimzeit" mit ihrer "35 Jahre-Jubiläumstour" (28.10.) oder der Comedian Thomas Nicolai, der nun bereits zum wiederholten Mal in Hoyerswerda als "Mann der tausend Gesichter" mit seinen Parodien für Zwerchfellbeben sorgen wird (14.10.). Über den Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke, auch als "Herr der Maden" bekannt, braucht man da gar nicht mehr zu sprechen. Sein Infotainment-Abend am 22. September ist schon seit Wochen hoffnungslos ausverkauft. Wie übrigens auch schon alle drei Veranstaltungen des legendären Krimi-Dinners der Kufa-Theatergruppe "einmaldiewoche". Die festen Veranstaltungsreihen wie "Das literarische Frühstyx ei", das Kneipenquiz "Seitenquiz", das Liederfest "Hoyschrecke" oder das Amateurfilmfest "Sieben Minuten" locken beständig ihre Fans an.

Neue Wege möchte die Kulturfabrik jedoch künftig im Bereich klassische und zeitgenössische Musik mit kleineren Ensembles, beim Jazz und bei jungen Komponisten gehen. "Wir denken jedenfalls, so etwas wäre eine Bereicherung für das Kulturleben in Hoyerswerda", sagt Uwe Proksch. So wird zum Beispiel am 7. Oktober das "Solina Cello-Ensemble" zur besten Samstagabendzeit mit berühmten Filmmelodien in der Kufa gastieren. Die drei Cellistinnen und ein Pianist garantieren ein außergewöhnliches Klangerlebnis.

Ein besonderes Musik-Projekt dürfte auch die "EuropaChorFantasie 2017" sein. Ein Chor mit europäischen Profisängern tourt umher und singt mit Kindern Volkslieder in zeitgenössischen Jazz-Arrangements. Am 22. Oktober macht dieser Chor auch in Hoyerswerda Station und singt mit Schülern aus der Stadt. In der Grundschule "Am Park" und im Lessing-Gymnasium wird bereits das richtige Repertoire geprobt. Auf dieses Chorerlebnis darf man gespannt sein.

Eine deutsch-tschechische BigBand-Begegnung organisiert der Sächsische Musikrat für Anfang November in Hoyerswerda und greift dabei auch auf die Unterstützung der Kulturfabrik zurück.

Diese und viele andere Projekte haben in der Kufa nun den Wunsch reifen lassen, den künstlerischen Gästen auch mal ein ordentliches, gut klingendes Klavier anbieten zu können. Jenes uralte Piano, das hier derzeit noch Dienst tut, hat nach fast vier Jahrzehnten jetzt ausgedient. Schon im Jugendclub "Der Laden" war das Instrument in den 80er-Jahren in Gebrauch, zog von dort an die Braugasse, dann in die Zwischenbelegung und erneut an die Braugasse um. Manchem Musiker war das immer wieder aufgepäppelte Instrument unheimlich.

"Wir brauchen einen kleinen Flügel", hat der Kufa-Verein deshalb beschlossen und will die Neuanschaffung mit Hilfe von Spendengeldern finanzieren. Rund 10 000 Euro werden dafür benötigt - es handelt sich um das kleinste Modell eines Flügels.

Für jede der 88 Tasten - weiße und schwarze - wird nun ein "Pate" gesucht, der als Sponsor 100 Euro zur Verfügung stellt. Auf diese Weise hoffen die Kulturmacher, noch in diesem Jahr den finanziellen Grundstock für das dringend benötigte Instrument zusammenzubekommen. Die ersten zehn Tasten haben schon einen "Paten" gefunden.