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| 14:52 Uhr

12. Bildhauersymposium in Hoyerswerda
Von kleinen Enten und alten Schamanen

 "Der Schamane", so heißt das Kunstwerk, das unter den Händen von Dmitrii Fedin (35) aus Sankt Petersburg entsteht.
"Der Schamane", so heißt das Kunstwerk, das unter den Händen von Dmitrii Fedin (35) aus Sankt Petersburg entsteht. FOTO: LR / Rita Seyfert
Hoyerswerda. Mensch, Seele und Tier miteinander verbinden, so lautet das Motto beim 12. Bildhauersymposium in Hoyerswerda. Von Rita Seyfert

Remmi demmi herrscht dieser Tage im Zoo! Fast scheint es, als sei ein Wettbewerb ausgebrochen zwischen dem Schreien, Wiehern und Krähen der Affen, Esel und Hühner in den Gattern und dem Kettensägen-Getöse der Bildhauer im ehemaligen Trampeltier-Gehege. Wer lauter tönt, das liegt wohl im Gehör des Betrachters.

Vormittags um zehn Uhr geht es los. Dann greifen die Künstler zu Hammer und Meißel oder füllen Kettenhaftöl und Kraftstoff in ihre Motorsägen und werfen die Technik an. „Humanimal“, also Mensch, Seele und Tier miteinander verbinden, so heißt das Motto vom 12. Internationalen Bildhauersymposium, das vom 20. Juni bis zum 2. Juli im Zoo Hoyerswerda stattfindet.

 Zookultur-Chef Arthur Kusber (v.l.), Projektleiterin Martina Rohrmoser-Müller und Schloss-Chefin Kerstin Noack freuen sich über die 5000 Euro-Spende von der Lausitzer Seenland Stiftung, hier vertreten durch OB Stefan Skora (CDU). Ohne diese Unterstützung könnte das 12. Bildhauersymposium so nicht realisiert werden.
Zookultur-Chef Arthur Kusber (v.l.), Projektleiterin Martina Rohrmoser-Müller und Schloss-Chefin Kerstin Noack freuen sich über die 5000 Euro-Spende von der Lausitzer Seenland Stiftung, hier vertreten durch OB Stefan Skora (CDU). Ohne diese Unterstützung könnte das 12. Bildhauersymposium so nicht realisiert werden. FOTO: LR / Rita Seyfert

Einer der fünf Bildhauer, der unter 26 Bewerbern ausgewählt wurde, ist Dimitri Verdianu (64) aus Moldavien. Die elegante Plastik in seiner Hand zeigt eine kleine Ente mit gen Himmel gerecktem Hals, die er aus dem Stein klopfen möchte. „Der neugierige Vogel symbolisiert die Lust auf’s Leben“, sagt er.

Dimitri Verdianu träumt schon lange davon, eine Skulptur aus gebrochenem Stein zu hauen. „Sandstein ist ein sehr lebendiges Material“, schwärmt er. Die Teilnahme am Symposium stimmt ihn aber noch aus einem anderen Grund „ein bisschen nostalgisch“, wie er sagt.

 Dimitri Verdianu (64) aus Moldavien zeigt das Modell einer kleinen Ente, die ihm als Arbeitsvorlage dient.
Dimitri Verdianu (64) aus Moldavien zeigt das Modell einer kleinen Ente, die ihm als Arbeitsvorlage dient. FOTO: LR / Rita Seyfert

Der Mann, der seit 20 Jahren in Österreich lebt, war vor vielen Jahren schon einmal in Hoyerswerda. Damals traf er den Kollegen und Leiter der ersten Hoyerswerdaer Bildhauersymposien (1975-1989) Jürgen von Woyski. „Das war ein großer Künstler“, sagt er. „Die Art, wie er modellierte, war besonders.“

Knapp drei Jahrzehnte jünger, vertritt Bildhauer Dmitrii Fedin (35) aus Sankt Petersburg die nächste Generation. Doch im Gegensatz zur jungen Ente von Verdianu widmet sich sein Modell, das er in den dicken Eichenstamm sägen möchte, einem alten Schamanen. Die rituelle Trommel in der einen, den Schlagstock in der anderen Hand und über die Tschapka ein Vogelkostüm gestülpt, so in etwa stellt er sich den zwischen den Welten wandernden Medizinmann vor.

 Künstler Silvio Ukat (46) aus Glau­chau sägt eine ägyptische Barke aus einem Eichenstamm.
Künstler Silvio Ukat (46) aus Glau­chau sägt eine ägyptische Barke aus einem Eichenstamm. FOTO: LR / Rita Seyfert

Im Norden Sibiriens leben auch heute noch einige Schamanen versteckt in Jurten, erzählt er. Persönlich habe er zwar noch keinen getroffen, doch viel darüber gelesen. Zwar folgen seine Landsmänner inzwischen dem christlichen Glauben. In ihrer Seele seien viele aber noch Nomaden und fühlen sich dem Schamanismus verbunden.

 Parallel zum 12. Bildhauersymposium arbeiten auch die Elftklässer vom Léon-Foucault-Gymnasium in ihrer Projektwoche an Sandsteinskulpturen - hier Enrico (18) und Elisabeth (17).
Parallel zum 12. Bildhauersymposium arbeiten auch die Elftklässer vom Léon-Foucault-Gymnasium in ihrer Projektwoche an Sandsteinskulpturen - hier Enrico (18) und Elisabeth (17). FOTO: LR / Rita Seyfert

Auch zwei Bildhauer aus Deutschland nehmen am Symposium teil. Einer davon ist Silvio Ukat (46) aus Glauchau. Die Idee für seine Skulptur „Giraffe im Boot“, die er aus zwei Eichenstämmen sägen möchte, klingt paradox, und ist es auch. Schon der römische Kaiser Mark Aurelius sei an dem Versuch gescheitert, für die Arena-Kämpfe Giraffen aus Afrika nach Rom zu schiffen, sagt er mit einem Lächeln.

Die schnellen, aber großen, ungelenkigen Tiere starben meist bei der Überfahrt. Was uns der Künstler damit sagen will, weiß nur er selbst. Fest steht, die ägyptische Barke will er mit dem Brenner schwärzen, die Giraffe hingegen expressiv im hellen Blau ansprühen.

Auch der zweite deutsche Bildhauer, Olaf Klepzig (56) aus Rabenau, hat sich schon die Farben für seinen stilisierten Elefant überlegt. Rot-weiß im Baken-Design, so möchte er das Rüsseltier streichen und damit einen Kontrast zur grünen Natur schaffen.

Erstmals beteiligen sich auch die Elftklässler vom Kunst-Leistungskurs des Léon-Foucoult-Gymnasiums in ihrer Projektwoche am Symposium. Kunstlehrerin Ines Lenke ist stolz auf ihre Klasse: „Obwohl die Schüler noch nie mit Sandstein gearbeitet haben, legten sie gleich flott los.“

Und während die 17-jährige Elisabeth die verschiedenen, seelischen Gesichter eines Menschen in den Stein haut, klopft der 18-jährige Enrico eine Schwanenfrau mit langen Haaren, Brüsten und einer Meerjungfrauenflosse in das sandig-bröselnde Material. Allerdings gehe es weniger darum, eine Idee stringent abzuarbeiten, stellt ihre Lehrerin klar. Wichtiger sei es, sich im künstlerischen Prozess immer wieder neu inspirieren zu lassen.