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Von der Landeskrone zum Gerichtsberg

Die Lausche, mit 793 Metern höchster Punkt der deutschen Oberlausitz, gilt als Hausberg von Waltersdorf im Zittauer Gebirge.
Die Lausche, mit 793 Metern höchster Punkt der deutschen Oberlausitz, gilt als Hausberg von Waltersdorf im Zittauer Gebirge. FOTO: amz1
Görlitz/Hoyerswerda. Die drei Paradebeispiele für Hausberge in der Oberlausitz sind Görlitz, Löbau und Kamenz. Dort prägen die jeweiligen Berge unverwechselbar die Silhouetten der Städte. Egal, aus welcher Richtung der Reisende auf die Orte zufährt, zuerst erscheint der Berg, erst dann der Ort. amz1

Was haben die Landeskrone bei Görlitz, der Löbauer Berg und der Hutberg westlich von Kamenz gemeinsam? Dass sie alle drei beliebte Ausflugsziele sind und Aussichtstürme tragen? Das auch, aber mehr noch: Diese Erhebungen bilden drei von insgesamt mehreren Dutzend Hausbergen in der Oberlausitz, die bisweilen auch als Stadtberge bezeichnet werden. Der Grund: Weil sie sich in unmittelbarer Nähe von Ansiedlungen befinden und deren Landschaftsbild markant prägen. Und weil die Einheimischen gern von "ihren" Bergen sprechen.

Der Oberlausitzer Vesuv

In Görlitz, Löbau und Kamenz prägen die jeweiligen Hausberge unverwechselbar die Silhouetten der Städte. So wäre Görlitz ohne seine Landeskrone unvorstellbar. Im Südwesten der größten Stadt der Oberlausitz erhebt sich die 420 Meter in der Höhe messende Erhebung. Aufgrund ihrer Formschönheit trägt die Landeskrone auch den Beinamen "Oberlausitzer Vesuv". Das schreibt zumindest Heimatforscher Ernst Siegl.

Allerdings ist das Original gut 860 Meter höher als das kleine Pendant der Neißestadt. Aber: Auch die Landeskrone besitzt einen vulkanischen Ursprung. Von jener Zeit von vor über 30 Millionen Jahren kündet noch heute die Basaltkuppe. Diese ermöglicht dank ihres Nährstoffreichtums einem prächtigen Wald ein auskömmliches Wachstum.

Einzigartiger Turm

Von der Landeskrone nur 20 Kilometer entfernt, aber aufgrund des dazwischen befindlichen Rothsteins kaum sichtbar, befindet sich der nächste Hausberg: der Löbauer Berg mit einer Höhe von 448 Meter. Namensgebende Stadt und Hügel bilden eine Einheit. Klar, dass solch ein markanter Berg, ebenfalls ein längst erloschener Vulkan, auch einen würdigen Turm tragen muss. Bereits seit dem Jahr 1854, übrigens nach lediglich sechs Monaten Bauzeit, thront der einzige gusseiserne Aussichtsturm Europas auf dem Löbauer Berg und gewährt einen 360-Grad-Rundblick.

Den Übergang vom Oberlausitzer Bergland zur Heide stellt der Kamenzer Hutberg, der Hausberg der Lessingstadt, dar. Er wirkt besonders aus Richtung Norden, also aus der Ebene, recht wuchtig, obwohl sein Gipfel nicht mal 300 Meter über Normalnull erreicht. Schon im Jahr 1893 wurde von Wilhelm Weise, dessen Todestag sich am 9. Juli 2016 zum 100. Mal jährte, der dortige Bergpark angelegt. Dessen Wahrzeichen sind die unzähligen Azaleen und Rhododendren. Übrigens gibt es in der Oberlausitz noch weitere vier Hutberge: bei Oderwitz, Großschönau, Herrnhut und Dürrhennersdorf.

Darüber hinaus existieren in der Landschaft zwischen Pulsnitz und Queis noch mehr Hausberge. Bautzen etwa hat gleich zwei, nämlich den Protschenberg mit seinem unverwechselbaren Kirchlein sowie den Mönchswalder Berg. Die Bischofswerdaer stehen auf ihren Butterberg mit Gasthof und Aussichtsturm. Neukirch nennt den Valtenberg sein Eigen, Elstra den Schwarzenberg, Weifa die Weifaer Höhe, Eibau den Beckenberg, Ebersbach den Schlechteberg und Oybin den Oybin, um nur ein paar zu erwähnen.

Und Hoyerswerda? Besitzt nicht direkt einen Hausberg, bedingt durch die Lage im eher flachen Lausitzer Urstromtal. Doch ein paar Kilometer südwestlich der Stadt schwingt sich der Gerichtsberg auf immerhin 182 Meter auf. Dessen Gipfel wird ebenfalls von einem Turm gekrönt, wenn auch nur einem Exemplar zur Waldbrandvorbeugung.

Der Gerichtsberg, der sich zwischen Neukollm und dem Dubringer Moor befindet, ist dank guter Wege relativ schnell erreichbar. Die Lautaer können dagegen auf ihren Jungfernstein zählen, die Weißiger auf den während der Freiheitskriege Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt gewordenen Eichberg. Zu Weißkollm gehört der Kreuzberg an der Hoyerswerda-Spremberger Bahn.

Höchster Berg der Teichlausitz

Die höchste Erhebung der Teichlausitz ist mit seinen 199 Metern der Hahnenberg an der ehemals preußisch-sächsischen Grenze. Nur befindet sich dieser inmitten eines größeren Waldgebietes östlich von Königswartha. Daher kann diese Erhebung nicht zu den Hausbergen gerechnet werden.