Angelika Leonhardi - die Tochter des unvergessenen Pfarrers Ralf Perlick und selbst seit Jahren eine mit dem Kreis vertraute Gesprächspartnerin - stellte im gut gefüllten kleinen Festsaal des Schlosses Adalbert Stifters Erzählung „Der Bergkristall“ vor. Dieses Werk des österreichischen Schriftstellers, 1855 entstanden, passe so recht in diese Tage, leitete sie nachdenkenswert ein, beschreibe es doch die Rettung zweier Kinder, die sich in den Bergen ihrer Heimat im Schnee am Weihnachtsabend verlaufen. Damit war der Blick unpathetisch über die Literatur hinaus zur Not in Südostasien gelenkt.
Klaviermusik von Mozart, Schubert, Chopin, Schumann und Brahms, interpretiert von Robert Leonhardy, dem Bruder des Bürgermeisters unserer Partnerstadt Dillingen, verlieh den Pausen des Programms eigene Aspekte, schien sie doch genau auf diesen Text abgestimmt.
Angelika Leonhardi schenkte ihrer Lesung einen eigenen Rhythmus, der sehr angenehm die Stimmung des Textes begleitete und somit zur Atmosphäre des Abends beitrug: Nachdenken über Menschlichkeit und Umsicht fördernd, literarische Texte in ihrer Schönheit klingen zu lassen, die Hoffnung nie aufzugeben und der Partnerschaft zu vertrauen, so ließe sich auch das Anliegen des Schriftstellers Adalbert Stifter zusammenfassen.
Dies alles sprach Angelika Leonhardi nicht aus, sondern ließ Stifters Text wirken, unterbrach nur gelegentlich, um einen Hinweis auf Lebenshaltung, Schreibweise und Wirksamkeit des Schriftstellers in seiner Zeit einzufügen. Damit schärfte sie das Zuhören, half, die Erzählung besser auszukosten und vermied gänzlich das Interpretieren.
„Brauchen wir in unserer Zeit nicht auch die Ruhe zum Selbstfinden?“ , war eine der Fragen, die nach längerer Besinn-Pause im anschließenden Gespräch aufgeworfen wurde. Zuhörer und Vortragende begeisterte dies - beide vereinbarten weitere Begegnungen im Hoyerswerdaer Kunstverein und am Kamin.