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| 18:36 Uhr

Petition
Von der Bürde, steinreich zu sein

Pließkowitz. Die Anwohner des Steinbruchs Pließkowitz erhoffen sich vom Landtag eine Verbesserung ihrer Situation. Bis dahin dauert es aber noch, und der Ausgang ist offen.

Steinbrüche prägen die Landschaft der Oberlausitz an vielen Stellen; handelt es sich doch um eine „steinreiche“ Region. Ob Basalt, Granodiorit oder Grauwacke – überall schlummert Gestein unter der Oberfläche, das vor allem für den Bau von Straßen, aber auch für die Herstellung von Gleisschotter und anderen oft benötigten Materialien Verwendung findet. Mancherorts geht der Abbau (im übertragenen Sinne) recht geräuschlos über die Bühne; an anderen Orten hingegen gibt es breiten Widerstand gegen die so empfundene Verschandelung der Landschaft und Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Ein extremes Beispiel für Letzteres ist der von der Pro Stein GmbH & Co.KG mit Sitz in Bischofswerda betriebene Granodiorit-Steinbruch Pließkowitz (Gemeinde Malschwitz). Anwohner, von denen sich viele in einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, beklagen unerträgliche Belastungen durch Lärm, Staub und vor allem Erschütterungen infolge von Sprengungen. In einer an den sächsischen Landtag gerichteten Petition erklären sie unter anderem: „Mit dem Steinbruch in Pließkowitz hatten die Bewohner bis Anfang der 90er-Jahre keine Probleme. Doch dann begann das Zeitalter der Gewinnmaximierung und der Rücksichtslosigkeit den Menschen, der Umwelt und den Tieren gegenüber.“

Und weiter: „Bis jetzt konnten wir nur das Fazit ziehen, dass Lebensqualität und Gesundheit der Menschen, die Zerstörung der Umwelt und das Eigentum keine Rolle spielen.“

Da der Rohstoff noch an der Abbaustätte verarbeitet wird, hätten die Genehmigungsverfahren nach Auffassung der Bürgerinitiative nach Bundesimmissionsschutzgesetz und nicht nach Bergrecht erfolgen müssen. Dann wären weitaus strengere Grenzwerte zum Tragen gekommen. Die Sprengungen hätten zu Rissen an den Häusern geführt, und das vorhandene Straßennetz sei für den Steinbruchverkehr nicht geeignet.

Doch nicht nur das: Durch den Steinbruchbetrieb sei auch ein überregional bedeutsames Naturdenkmal – der sogenannte Teufelsstein – gefährdet. „Der Teufelsstein gehört zu den registrierten archäoastronomischen Sonnenheiligtümern in Sachsen und Böhmen. Vor dieses einzigartige Denkmal, das seit der Steinzeit existiert und die Menschen mit Faszination begleitet, soll nun eine 35 Meter hohe Halde mit Sondermüll geschüttet und damit die Funktionsweise außer Kraft gesetzt werden“, stellt die Bürgerinitiative fest.

Jens Gerisch, Geschäftsführer von Pro Stein, bestreitet dies: „Der Teufelsstein liegt von aktuellen und künftigen Sprengstellen minimal 90 Meter entfernt. Für die Einhaltung der Sichtbeziehungen haben wir unsere Planungen zur Haldenentwicklung geändert.“ Und er nennt noch weitere Schritte des Unternehmens auf die Anwohner zu: „Aktuell arbeiten wir an einer Maßnahme zur Lärmminderung und an der Unterstützung für den Ausbau der Zufahrtsstraße.“ Generell wünscht sich der Geschäftsführer eine Versachlichung der Diskussion.

Diesem Zweck sollte auch der Besuch des Petitionsausschusses des sächsischen Landtags dienen, der unlängst vor Ort eine Besichtigung vornahm. Als Obmann mit dabei war der SPD-Landtagsabgeordnete Jörg Vieweg, der im Nachgang erklärte: „Es haben sich zahlreiche neue Fragen ergeben. Dies betrifft beispielsweise die Einhaltung von Mindestabständen, die Messung von möglichem Feinstaub und Radonbelastungen, die Betriebszeiten der Anlage oder die Auswirkungen von Sprengungen auf die umliegende Wohnbebauung. Im Ergebnis des Termins wird darum ein umfassender Fragenkatalog erarbeitet, zu dem die beteiligten Ämter und Behörden nun aufgefordert sind, umfassend Stellung zu beziehen.“

Eine Entscheidung zu der Petition und den darin enthaltenen Forderungen – unter anderem Genehmigungsverfahren nach Immissionsschutzgesetz und Einstellung des Betriebs der Aufbereitungsanlage – sei nicht vor dem Herbst zu erwarten.