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| 02:43 Uhr

Vom Wohnsitz über Amtsstube Sachsens bis zum Preußen-Knast

Die Gäste bestaunen den Innenhof des Schlosses.
Die Gäste bestaunen den Innenhof des Schlosses. FOTO: amz1
Hoyerswerda. Zum Weltgästeführertag führt eine spannende Tour durch das ruhmreiche Hoyerswerdaer Schloss – in die Vergangenheit und Zukunft. amz1

Normalerweise steht zum Weltgästeführertag 2017 das Thema Reformation auf der Agenda. Anders dagegen im Hoyerswerdaer Schloss. Hier dreht sich alles um das uralte Ensemble selbst, dessen Grundmauern bereits im 13. Jahrhundert errichtet worden waren. Warum, erklärt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Elke Roschmann wie folgt: "Vor 500 Jahren begann zwar die Reformation. Doch der erste evangelische Gottesdienst in Hoyerswerda fand erst am 24. Juni 1540 statt." Daher habe sich das Museumsteam entschieden, seinen Arbeitsplatz selbst in den Mittelpunkt dieses Weltgästeführertages zu stellen.

Und da gibt es eine ganze Menge zu berichten. Beispielsweise, dass im April die Teilsanierung des Schlosses beginnen soll. Uralte Fenster und insbesondere Besorgnis erregende Risse in den Mauern erfordern schnelles Handeln, wie Museumschefin Kerstin Noack den knapp 40 Gästen der Führung mitteilt. Mancher wundert sich, wurde doch das Ensemble erst unmittelbar nach der Wende saniert und sogar mit Stahlankern gesichert. Ursache des Desasters seien leichte Setzungen sowie die Traglasten des Dachbodens. Jedenfalls sollen die Arbeiten, die bis Oktober vollendet sein werden, in enger Abstimmung mit den Denkmalsschützern erfolgen, betont Noack. Das Schloss könne während der Bauphase weiter besucht werden, wenn auch mit Einschränkungen.

Ab kommendem Jahr dürfen sich die Gäste auf das neue "Lehrreich" freuen. In sechs Räumen werde die Zeit ab dem Zweiten Weltkrieg bis heute präsentiert. Zu sehen sein werden, so kündigt Elke Roschmann an, unter anderem mehrere Modelle der Neustadt. Denn in der Realität sehe diese längst nicht so aus, wie ursprünglich von den Architekten vorgesehen. Ab dem Jahr 2020 folge dann eine weitere Ausstellung. Unter dem Namen "Ruhmreich" werde die Geschichte des Hoyerswerdaer Schlosses präsentiert.

Und die hat es in sich. Erbaut als spätmittelalterliche Wasserburg im 13. Jahrhundert, dann zerstört, erfolgte im Jahr 1592 der Aufbau des bis heute existierenden Renaissance-Schlosses. Durch die Reichsfürstin von Teschen wurde der Anbau realisiert. Noch zu sächsischer Zeit diente das Schloss nicht mehr als Wohnsitz, sondern als Heimstätte verschiedener Behörden. Später nutzten die Preußen den Saal als Gefängnis für 30 Insassen. Meist sollen sich aber wesentlich mehr Straftäter im Knast befunden haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Nutzung des Schlosses als Museum. Etwa alle 20 Jahre wurden neue Ausstellungen konzipiert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. "Wir müssen halt mit der Zeit gehen", begründet Elke Roschmann. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin gehört schon fast zum Inventar. Im kommenden Jahr jährt sich schließlich ihr Dienstantritt im Schloss zum 40. Mal.

Die Teilnehmer der Gästeführertour dürfen indes auch Bereiche erkunden, die fremden Augen ansonsten eher selten geöffnet werden. Beispielsweise die einstige Gefängnisküche, die heute als Vereinsraum dient. Perspektivisch, so Kerstin Noack, könnte sich diese Räumlichkeit mal zum Schlosscafé entwickeln. Schon jetzt sei es möglich, das historische Kellergewölbe von 1727 für diverse Feiern zu buchen.