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| 19:38 Uhr

Gastronomie im Seenland
Vom „Weißen Ross“ geht es in den Bahnhof

Maik Herzog ist Inhaber der Gaststätte „Zum Weißen Ross“ in Lohsa. Im kommenden Jahr will er dort ausziehen - und bis dahin den alten Bahnhof der Gemeinde zum neuen Restaurant-Höhepunkt in Lohsa machen.
Maik Herzog ist Inhaber der Gaststätte „Zum Weißen Ross“ in Lohsa. Im kommenden Jahr will er dort ausziehen - und bis dahin den alten Bahnhof der Gemeinde zum neuen Restaurant-Höhepunkt in Lohsa machen. FOTO: Maik Herzog
Lohsa. Gastronom Maik Herzog will sich in Lohsa vergrößern. Allerdings müssen mehr Touristen her. Von Anja Hummel

Seit sieben Jahren geht Maik Herzog in der Gaststätte „Zum Weißen Ross“ ein und aus. Damit ist bald Schluss. Der junge Gastronom hat sich entschieden, seinem selbst betriebenen Lokal im Herzen von Lohsa den Rücken zu kehren.

Aber: Von der gastronomischen Bildfläche verschwinden, das liegt ihm fern. Er bleibt im selben Ort und in der selben Branche. „Ich habe den alten Bahnhof in Lohsa gekauft“, erzählt der 33-Jährige. Ab Dezember soll dort umgebaut und verschönert, ausgestattet und geräumt werden. In seiner Gaststätte „Zum Weißen Ross“ ist es ihm zu klein geworden. „Ich brauche beispielsweise eine größere Küche“, sagt Herzog. Mehr Gäste möchte er anlocken und das ginge nur mit Übernachtungsmöglichkeiten. Acht Zimmer sollen am neuen Standort eingerichtet werden. Der gebürtige Lohsaer beobachtet seit Jahren, wie der Tourismus auch in seinem Heimatort wächst. Er will investieren. Wer ihm geduldig zuhört: die Linken-Bundestagsabgeordnete Caren Lay, die sich über die Situation im Lausitzer Seenland informiert. Vieles konzentriere sich immer auf die Seen in der nördlicheren Lausitz, „der östliche Teil wird weniger gesehen und vermarktet“, äußert Lay. Und tatsächlich: „Wir fühlen uns hier ein wenig verloren und abgehängt“, gesteht Maik Herzog. Das aber liege auch an den Unternehmern, die sich noch besser zusammenschließen könnten. „Wir wollen etwas bewirken, aber das kostet Geld.“

Maik Herzog spricht von Prospekten und weiterem Marketing für die eigene Gemeinde. „Ein bisschen sind wir selbst daran schuld, andererseits sind die zentralen Gewässer wie der Senftenberger See zu weit weg von uns“, so seine Gedanken. „Aber man könnte die potenziellen Gäste von dort nach Lohsa locken“, sagt Caren Lay. Machbar, aber schwierig, denkt Herzog. Schließlich versuchen die Unternehmer an anderen Standorten auch, ihr Publikum für sich zu behalten.

Was ihn aber wirklich ärgert, gerade im Vorfeld der Planung seiner neuen Gastronomie: „Ich will mich nun schon erweitern und bekomme kein Geld dafür.“ Zahlreiche Anläufe hat Herzog gebraucht, bis ihm eine Bank letztendlich einen Kredit gewährte. „Alle, die motiviert sind, kommen nur schwer an finanzielle Unterstützung“, kritisiert der Koch. Caren Lay erkennt die Finanzierung als grundsätzliches Problem an. „Unternehmer im Seenland müssen einfach gefördert werden.“ Die Bundestagsabgeordnete spricht von Strukturmitteln, die vom Bund für ebensolche Regionen zur Verfügung stünden. Das Geld aber komme leider meistens nicht bei den Unternehmern direkt an. Die Förderpolitik müsse vereinfacht werden. „Das dauert alles zu viel Zeit, die bürokratischen Wege sind zu lang“, kritisiert Maik Herzog. Trotzdem hat er nicht aufgegeben, sein neues Projekt ist in vollem Gange. Er glaubt daran, dass Lohsa wieder aufblühen werde. Vor allem mit der Wiedernutzung des Knappensees. Bis dahin werden allerdings noch einige Jahre vergehen. „Dann hoffen wir mal, dass die Seen von Anglern und Seglern wiederentdeckt werden“, wirft Kerstin Wrobel ein. Auch die Lohsaer Gemeinderätin ist zur Diskussionsrunde gekommen und appelliert an „mehr Bewerbung der Lohsaer Seen“. Für den Linken-Landtagsabgeordneten Heiko Kosel liegen die Stärken der zahlreichen Lausitzer Seen auf der Hand: „Wir sollten das Seenland als Gesamtprodukt vermarkten.“ Was er damit meint: Es gebe viele Seen auf engem Raum, die man unterschiedlich entwickeln könne. „Ein See ist ideal für Motorsportler, der nächste bietet Ruhe“, so Kosel. Neben der Spezialisierung der einzelnen Seen sieht er auch die Nähe zu Dresden und den sorbischen Kulturtourismus als Stärke der Gesamtregion an. Caren Lay klinkt sich ein: „Insgesamt werden die sorbischen Künstler zu wenig gewürdigt“, ist auch ihr Eindruck. Maik Herzog bietet auf seiner Speisekarte zwar eine sorbische Hochzeitssuppe an und findet die Weitergabe der Kultur auch äußerst wichtig. „Aber man muss die Tradition dann auch leben. Und das mache ich nicht“, hält er vor allem Authentizität für entscheidend. Andernfalls könnte es passieren, dass die Gäste die Einrichtung eher mit negativem Eindruck verlassen. „Wir brauchen einen Touristiker, der sich nur damit beschäftigt. Wir Unternehmer machen das alles immer nur so nebenher“, äußert Herzog. Und für nebenher hat der Familienvater in den kommenden Monaten keine Zeit. Schon im nächsten Jahr soll seine Gaststätte inklusive Schlafmöglichkeiten jede Menge Gäste anlocken – die möglichst bleiben und sich davon überzeugen, dass Lohsa es gar nicht verdient hat, von den anderen Seenregionen abgehängt zu sein.