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| 11:02 Uhr

Zwischenbilanz
Vom Sprachkurs bis zur Ausreiseberatung

Bautzen. Der Landkreis Bautzen sieht sich bei der Integration Geflüchteter auf einem guten Weg. Allerdings gibt es auch erhebliche Probleme. Von Uwe Menschner

Ziel 1: Integration durch Spracherwerb

Im Jahre 2017 wurden in 79 Kursen 1.226 Teilnehmer, davon 736 Asylbewerber, in der
deutschen Sprache unterrichtet. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Erwachsene; Kinder und Jugendliche zählen zum Bereich „Zugang zur Bildung“. Der Leiter des Ausländeramtes, Lars Eibisch, schätzt das Kursangebot in allen Niveaustufen als ausreichend ein. Die Besetzung der Kurse werde zentral durch Ausländeramt, Jobcenter und Internationalen Bund (IB) koordiniert. „Dadurch erreichen wir, dass jeder Kurs ausreichend Teilnehmer hat und die Sprachschüler das passende Sprachniveau je Kurs aufweisen. Gleichzeitig wird eine schnelle und passgenaue Nachbesetzung von frei gewordenen Kursplätzen sichergestellt“, so Lars Eibisch. Die Möglichkeiten des Spracherwerbs bei ehrenamtlichen Lehrern würden hingegen „nicht in ausreichendem Maß anerkannt und demzufolge nicht optimal genutzt.“

Ziel 2: Zugang zur Bildung

Aktuell befinden sich 138 unbegleitete minderjährige Asylbewerber in der Betreuung des Jugendamtes. Derzeit gebe es kaum Zugänge, sodass „die einzelnen Einrichtungen in 2018ihre Kapazität schrittweise reduzieren bzw. auch schließen müssen“, wie Lars Eibisch einschätzt. Alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen würden unterrichtet, wobei mangelhafte Sprachkenntnisse noch immer ein Problem darstellen. „Aufgrund der Konzentration der Unterbringung der Asylbewerber in den Städten Bautzen, Kamenz und Hoyerswerda kommt es auch hier zu Konzentrationen der Schulpflichtigen“, stellt der Amtsleiter fest. Insbesondere in Hoyerswerda sei die Kapazität der Vorbereitungsklassen an den Oberschulen stets ausgelastet. Die Perspektive der 16- und 17-jährigen Flüchtlinge schätzt Eibisch noch immer als „unbefriedigend“ ein, da „zwei Jahre in Vorbereitungsklassen hinsichtlich des Spracherwerbs nicht ausreichen, um in eine Berufsausbildung zu wechseln.“

Ziel 3: Zugang zum Erwerbsleben

Im September 2017 waren bei den Berufsberatungen von Arbeitsagentur und Jobcenter lediglich zehn Geflüchtete bis 25 Jahre als „ausbildungssuchend“ gemeldet. Drei von ihnen nahmen tatsächlich eine Ausbildung auf. Als „arbeitssuchend“ waren 465 Geflüchtete gemeldet, was 3,3 Prozent am Gesamtbestand ausmacht. 56 Prozent haben keinen Schulabschluss, aber immerhin 14 Prozent verfügen über die Hochschulreife. 143 Geflüchtete nahmen 2017 eine Erwerbstätigkeit auf. Bei der Betreuung durch das Jobcenter steht weiterhin der Spracherwerb an erster Stelle, da dieser die Grundvoraussetzung für einen Einstieg ins Berufsleben bildet.

Ziel 4: Wohnen und Zusammenleben

In diesem Zielbereich beschreibt das Ausländeramt die Situation anhand von Zitaten der Wohnungsunternehmen. So erklärt die Wohnungsgenossenschaft „Aufbau“ Bautzen: „Nach anfänglichen Bedenken der Hausbewohner ist die Integration im Großen und Ganzen gelungen. Natürlich gab und gibt es im Alltag Verständigungsprobleme und unterschiedliche Auffassungen zu Ruhe-und Nachtzeiten, treffen doch zwei unterschiedliche Kulturen aufeinander.“ Die Wohnungsgesellschaft mbH Hoyerswerda schätzt ein: „Eine Verständigung gestaltet sich aufgrund der Sprachbarrieren schwierig.“ Und die WuB Bischofswerda sagt: „Es braucht erhebliches Verständnis und Toleranz auf allen Seiten, was mitunter zu viel verlangt scheint. Der Vermieter kassiert zwar die Miete, aber tagtägliches Zusammenleben müssen die Mieter realisieren, was durchaus eine Herausforderung ist.“

Ziel 5: Gesellschaftliche Teilhabe

Das Erreichen dieses Zieles bemisst das Landratsamt hauptsächlich an „Maßnahmen und Projekten.“ Davon gab es voriges Jahr insgesamt 149, davon allein 107 im Bereich „Kulturvermittlung und Begegnung“ sowie 20 im Sinne der politischen Bildung. Die Behörde führt unter diesem Punkt aber auch die „Rückkehrerberatung zur freiwilligen Ausreise“ abgelehnter Asylbewerber an, die 246 Mal in Anspruch genommen wurde. In der Folge seien 77 Personen freiwillig ausgereist. Amtsleiter Lars Eibisch bewertet dies als Erfolg, „insbesondere im Hinblick auf den starken Rückgang der Abschiebungen von 2016 zu 2017 von 116 auf 51.“