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| 01:10 Uhr

Vom Glauben an die Demokratie

Die Schülerin Claudia Bányai schreibt zu einer Buchlesung, die kürzlich am Johanneum stattfand: Wie gründet man eine Euthanasiezentrale„ Mit dieser provokanten Frage der Referentin begann am 10.

November im Christlichen Gymnasium Johanneum auf Initiative des Förderkreises der Schule und des Bildungswerkes für Kommunalpolitik in Sachsen (BKS) eine Buchlesung zum Thema Euthanasie. Eingeladen war Helga Schubert aus Berlin, die im Geschichtsleistungskurs der Klassenstufe 11 bewegte Zuhörer fand. Nach einer kurzen biographischen Vorstellung erzählte sie Interessantes über die DDR, in der sie aufgewachsen war und bis zur Wende lebte. Damals bereits Schriftstellerin, erhielt sie Preise und Auszeichnungen im Ausland. Diese internationalen Würdigungen ihres kritischen Schaffens konnte sie jedoch erst nach der politischen Wende in der DDR entgegen nehmen.
Dann stellte sie ihren Roman „Die Welt da drinnen“ vor, von dem sie mehrere Exemplare austeilte und die Schüler aufforderte Textstellen daraus vorzulesen. Das Buch erzählt über die Zeit zu Beginn des Nationalsozialismus, den sich schon abzeichnenden würdelosen Umgang mit behinderten, kranken und alten Menschen und deren spätere Vernichtung im Rahmen des vom NS-Regime propagierten Euthanasieprogramms. Im weiteren Verlauf des Buches werden die Befragung von Schülern eines Berliner Gymnasiums zu diesem Thema und deren Stellungnahmen unter dem Aspekt „Wie würdest du handeln““ dargestellt.
Schnell wurde deutlich, dass sich die heutigen Jugendlichen sehr schwer in die damals herrschenden Umstände hineinversetzen können. Alle getätigten Vorschläge der Schüler gingen von rechtsstaatlichen Grundregeln aus, die sie in der Verfassungswirklichkeit im heutigen Deutschland jeden Tag erleben und als selbstverständlich erachten. Dies zeugt von der tiefen Verwurzelung der demokratischen Ideale in den Köpfen der heutigen Generation und zeigt aber auch, wie schwer es den Jugendlichen fällt, sich in die Zeit des Nationalsozialismus zu versetzen.