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| 17:52 Uhr

Bildung
Auch der Volkshochschule mangelt es an Fachkräften

Ute Grun mit dem neuen und alten VHS-Heften.
Ute Grun mit dem neuen und alten VHS-Heften. FOTO: Katrin Demczenko
Hoyerswerda. Die Einrichtung in Hoyerswerda wird 70 Jahre alt. Die Lehrinhalte haben sich geändert. Von Katrin Demczenko

Volkshochschulkurse öffnen in Hoyerswerda seit 1948 jedem Teilnehmer Türen zu neuem Wissen, das ihm beruflich und im Privatleben weiterhilft oder den Zugang zu einem Hobby eröffnet. Kinder, Berufstätige und Senioren können heute unter Anleitung der Dozenten kreativ arbeiten, Bildung im Bereich Politik und Gesundheit erwerben, Sprach-, EDV- oder Betriebswirtschaftskenntnisse nach bundeseinheitlichem Standard erwerben. Diese Bandbreite entwickelte sich aber erst nach der friedlichen Revolution 1989 mit der erkämpften Freiheit, selbst Bildungsziele festlegen zu können, sagt die Leiterin der Volkshochschule (VHS) Ute Grun.

Zur DDR-Zeit war die VHS des Kreises Hoyerswerda mit ihren Außenstellen fest ins sozialistische Bildungssystem eingegliedert und organisierte vorwiegend Erwachsenenweiterbildungen. Berufstätige holten neben der Arbeit Facharbeiterabschlüsse nach oder machten Meisterlehrgänge. Wer die Klasse 10 beziehungsweise 12 abschloss, begann danach ein Fach- oder Hochschulstudium.

Die VHS wechselte öfter ihren Standort, der bis 1965 an der Bebelstraße war und bis 1982 in den Baracken des Tausend-Mann-Lagers. In jenem Jahr erfolgte der Umzug in die Neustadt und endlich, 1991, bekam die Einrichtung einen ehemaligen Kindergarten im Wohnkomplex III als eigenes Gebäude. All dies ist in der Broschüre zum 50. Geburtstag der VHS nachzulesen.

„1993 haben sieben festangestellte Mitarbeiter 106 Kurse organisiert, heute schaffen Karla Kümmig und ich 272 Bildungsangebote“, beschreibt Ute Grun die gewachsene Effektivität der VHS Hoyerswerda. Die Einrichtung gehört zur Zoo-, Kultur- und Bildung gGmbH, ist die zweite VHS des Landkreises Bautzen und besteht laut Vereinbarung neben der Kreis-VHS bis 2026 weiter.

Die Kursangebote hängen von Teilnehmerwünschen und von vorhandenen Dozenten ab, sagt Ute Grun. Der Fachkräftemangel macht sich eben auch in diesem Bereich bemerkbar, denn bewährte Kräfte hören aus Altersgründen auf. Gesucht werden Physiotherapeuten, die Gesundheitspräventionskurse leiten. Diese Veranstaltungen sind bei Teilnehmern begehrt, weil sie von den Krankenkassen bezuschusst werden. Aus dem Grund müssen die Kursleiter aber nach Vorgabe der Kassen spezielle Zusatzausbildungen absolvieren, ehe sie unterrichten dürfen.

„Ein Lehrer mit norwegischen, schwedischen oder dänischen Sprachkenntnissen wäre toll“, sagt die VHS-Vorsitzende, denn es wollen immer wieder Menschen wegen besserer Arbeits- und Lebensbedingungen nach Skandinavien auswandern. Die Grundlagen ihrer neuen Umgangsprache möchten sie aber noch in Hoyerswerda lernen.

Der 70. VHS-Geburtstag wird am 7. September mit einer Gesprächsrunde unter dem Titel „Wir sind 70, aber nicht alt“ gefeiert. Sie setzt sich aber nur aus den Mitarbeiterinnen, ausgewählten Dozenten und Kursteilnehmern zusammen, die neue Ideen zur künftigen Arbeit der VHS entwickeln wollen. Ziel ist dabei, den Menschen weiterhin Wissen in vielfältigsten Bereichen zu vermitteln und tragfähige soziale Kontakte zwischen allen Bevölkerungsschichten herzustellen.