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Vogelgrippe erreicht Bernsdorf

Der Ententeich im Bernsdorfer Tiergehege ist mit einem Zaun abgesperrt. Die Stadt möchte verhindern, dass Menschen die hier verbliebenen Wildvögel füttern und somit weitere Tiere anlocken. Denn nahe am Teich wurde das Vogelgrippe-Virus festgestellt.
Der Ententeich im Bernsdorfer Tiergehege ist mit einem Zaun abgesperrt. Die Stadt möchte verhindern, dass Menschen die hier verbliebenen Wildvögel füttern und somit weitere Tiere anlocken. Denn nahe am Teich wurde das Vogelgrippe-Virus festgestellt. FOTO: Würz
Bernsdorf. Jetzt hat es auch die Region Hoyerswerda erreicht: Am Mittwoch wurde bei einem verendeten Trauerschwan aus dem Tiergehege Bernsdorf das hochgefährliche Vogelgrippevirus H5N8 festgestellt. Die zuständigen Behörden – das Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt im Landkreis Bautzen - handelten sofort: Noch am Mittwoch wurde der gesamte Ziervogelbestand des städtischen Geheges getötet – darunter sechs Pfauen, zwei Fasane, Schwäne, Laufenten, Cayugaenten, Hühner und sieben Täubchen. Catrin Würz

Die Tiere waren von der Geflügelpest betroffen, obwohl sie in geschützten Volieren und Ställen gehalten wurden.

Solche Tötungsmaßnahmen seien leider zwingend notwendig, um eine weitere Ausbreitung der Geflügelpest zu verhindern, erklärte gestern das Landratsamt in Bautzen. "Aufgrund der kurzen Ansteckungszeit und der hohen Übertragungsfähigkeit des Virus ist davon auszugehen, dass sich weitere Tiere aus der Umgebung infizieren können", heißt es in der Pressemitteilung aus Bautzen.

In Bernsdorf wurde deshalb jetzt ein Geflügelpest-Sperrgebiet ausgerufen. Im Umkreis von drei Kilometern vom Ort des erkannten Virusbefalls müssen Tierhalter strengste Restriktionen einhalten. Sie müssen unaufgefordert Informationen über ihren Geflügelbestand an das Veterinäramt weiterleiten, haben strengste Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten und dürfen keine Tiere oder Produkte aus dem Tierbestand heraus oder in ihn hinein verbringen. Im Umkreis von zehn Kilometern wurde ein Beobachtungsgebiet ausgerufen.

Bei der Stadtverwaltung Bernsdorf sitzt der Schreck über die plötzlich akute Seuchengefahr tief. Zwar habe man die Ausbreitung der Geflügelpest im Raum südlich von Bernsdorf verfolgt. Über Meißen, Ottendorf-Okrilla und Laußnitz waren zuletzt immer näher Vogelgrippe-Fälle gemeldet worden. "Wenn es einen aber dann selbst betrifft, ist es doch ein Schock", sagt Hauptamtsleiterin Gabriele Witschaß. Der Verlust des kompletten Vogelbestandes im Tiergehege sei ein schwerer Schlag - auch wenn die Stadt in naher Zukunft sowieso Veränderungen am Konzept des Geheges geplant hatte. Das Tiergehege mit dem angrenzenden Ententeich ist auch der neuralgische Punkt bei der Bekämpfung der Geflügelpest. Auf dem Teich lassen sich viele Wildvögel nieder - oft in der Hoffnung, Futter aus Menschenhand zu bekommen. "Wir müssen verhindern, dass dieser Teich, an dem das Virus aufgetreten ist, noch weiter Wildvögel landen. Deshalb haben wir ihn eingezäunt und ein Fütterungsverbot ausgesprochen. Ich hoffe, die Bernsdorfer sind so vernünftig und halten sich daran", erklärt Gabriele Witschaß. Es sei die einzige Möglichkeit, diesen Herd der Infektionen auszuschalten.

Mit Sorge beobachtet auch Lorenz Eskildsen, der Inhaber und Geschäftsführer der in Großgrabe ansässigen Lorenz Naturhöfe GmbH, die Ausbreitung der Geflügelpest in der Region. In seinem Stall bei Großgrabe wachsen derzeit zirka 3000 Bio-Puten heran. Sein Geflügelstall liegt im Bernsdorfer Sperr- und Beobachtungsgebiet. Somit darf er laut Verfügung derzeit seine Tiere nicht transportieren lassen. "Das ist im Moment noch kein Problem, weil wir aktuell keine Verladung planen", sagt der Inhaber zahlreicher Geflügelmast-Betriebe. Drei bis vier Wochen könne der Betrieb überbrücken. "Doch danach könnte es ein echtes Problem für uns werden", räumt er gegenüber RUNDSCHAU ein. In der Großgraber Putenmast, die als ökologische Geflügelhaltung konzipiert ist, herrschen zwar immer strengste Vorsichtsmaßnahmen zur Desinfektion. Lorenz Eskildsen: "Jetzt werden wir aber noch mehr aufpassen müssen."

Zum Thema:
Es erstreckt sich über Bernsdorf mit den Ortsteilen Straßgräbchen und Wiednitz (mit Ausnahme von Heide) Halter von Hunden und Katzen haben sicherzustellen, dass diese nicht frei herumlaufen. Für Geflügelhaltungen gilt: Für die Dauer von 15 Tagen darf Geflügel im Beobachtungsgebiet nicht verbracht werden.