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| 18:59 Uhr

Hoyerswerda
Visionen für die „Supersachsen“

Die Studenten Hana Azmi und Mohamed Farid aus Ägypten haben als Architekturstudenten am Projekt in Zusammenarbeit mit Dorit Baumeister mitgewirkt.
Die Studenten Hana Azmi und Mohamed Farid aus Ägypten haben als Architekturstudenten am Projekt in Zusammenarbeit mit Dorit Baumeister mitgewirkt. FOTO: LR / Anja Hummel
Hoyerswerda. Das Projekt „Brückenschlag“ zeigt, wie Hoyerswerdas Alt- und Neustadt näher zusammenrücken könnten. Von Anja Hummel

Ein Fitnesspark an der Schwarzen Elster? Eine riesige Kletterwand am Foucault-Gymnasium? Ein schwebendes Restaurant über dem Fluss und ein Freilufttheater auf den Elsterwiesen? „Warum nicht“, sagt Nina Gribat überzeugend. Und die Architektur-Professorin der Uni Darmstadt hat noch ganz andere Worte in petto: „Die Hoyerswerdaer sind die Supersachsen. Sie können das schaffen. Sie haben schon so viel geschafft.“

Wofür die Hoyerswerdaer dieses Mal ihre „Superkräfte“ bündeln sollen? Die Rede ist vom „Brückenschlag“ zwischen der Neu- und Altstadt. „Brückenschlag“ – so nennt sich auch das Projekt, für das Studenten der Uni Darmstadt zwei Wochen lang getüftelt, geforscht und mit Bürgern gesprochen haben. Das Resultat: Das Team hat eine architektonische Vision für Hoyerswerda entworfen. Seit Freitag sind die Ergebnisse in der Orange Box in Hoyerswerda zu sehen. Der Ort für die Ausstellung ist nicht zufällig gewählt. Steht der orangefarbene „Würfel nicht direkt an der Schnittstelle zwischen „Alt und Neu“.

Aber wie sieht sie nun aus, die Vision für die Verschmelzung? Professorin Nina Gribert spricht von einer „Startbahn“ und von „Landeplätzen“, spart nicht mit Komplimenten an die Stadt. „Hoyerswerda ist unglaublich. Man wird immer freundlich angeklingelt.“ Sie spricht von außergewöhnlich vielen Fahrradfahrern, die das Bild beider Stadtteile prägen. „Wenn man sich dann die Radwegestruktur anschaut, stellt man fest, es ist noch Luft nach oben“, sagt Gribert, die ihre Doktorarbeit über Hoyerswerda geschrieben hat. Für sie und die Studenten steht fest: Das ist die Gelegenheit, beide Zentren mit einer Art Stadtweg zu umrahmen. In ihrer Projektsprache heißt dieser Weg „Startbahn“, die gleichermaßen „die Arme ins Seenland ausstrecken“ soll. „Man könnte ein tolles verbindendes Element schaffen. Hoyerswerda ist eine Fahrradstadt“, resümiert Gribert. Dorit Baumeister, Hoyerswerdaer Architektin und Leiterin des Projektes, lauscht ihren Worten, nickt mit dem Kopf. „Städtebaulich wurde die Neustadt leider so angelegt, dass sie der Altstadt ein bisschen den Rücken zu dreht“, so Baumeister. Der Schrumpfungsprozess nach der Wende habe die ohnehin schon unglückliche Verbindung noch weiter aufgedröselt.

Die visionären Ideen für die „Supersachsen“ in Hoyerswerda sind in der Ausstellung in Bildform festgehalten.
Die visionären Ideen für die „Supersachsen“ in Hoyerswerda sind in der Ausstellung in Bildform festgehalten. FOTO: LR / Anja Hummel

„Aber“, stellt die Außenstehende Nina Gribert fest, „die Gräben sind gar nicht mehr so tief, es gibt schon einige Gemeinsamkeiten“. Nicht nur die Liebe zum Fahrrad. „Die Stadt hat ein wunderbares Vereins- und Kulturleben“, sagt die Professorin. Deshalb wurden neben der „Startbahn“ auch „Landefelder“ definiert. Öffentliche Räume sind das – wie die Elsterwiesen oder der Marktplatz. „Die können dazu genutzt werden, den zentralen Raum zu beleben“, so Gribert. Den dazugehörigen Katalog aus dafür notwendigen Werkzeugen liefert die Projektgruppe gleich mit. Eine Bühne unter freiem Himmel, gemeinsame öffentliche Sportflächen, Naturparadiese direkt neben dem Wohnkomplex. Die „Perlen“, sagt Studentin Mai Quynh Lai, sind alle längst da. „Die Stadt muss nur ihr Potenzial sehen und dann wird auch alles lebendiger“, pflichtet ihre Kommilitonin  Huyen Trang Dao bei. Mit ihrem bunten Strauß an Ideen hoffen sie, genug Anregungen entwickelt zu haben – damit die „Perle“ der „Supersachsen“ auch endlich mal den Weg aus ihrer Schatzkiste findet.

Architektur-Professorin Nina Gribat (m.) von der Universität  Darmstadt mit zwei ihrer Studentinnen.
Architektur-Professorin Nina Gribat (m.) von der Universität Darmstadt mit zwei ihrer Studentinnen. FOTO: LR / Anja Hummel