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Vier Wittichenauer gehen auf die Tour de France

Fertig für den Start zur "Tour de France": Sebastian Schnabel und Roland Salowsky haben ihre Team-Trikots für die RUNDSCHAU schon mal probeweise angezogen. Gemeinsam mit Konrad Krahl und Sebastian Domaschke, die zu dieser Generalprobe fehlten, gehen sie auf ein großes Abenteuer.
Fertig für den Start zur "Tour de France": Sebastian Schnabel und Roland Salowsky haben ihre Team-Trikots für die RUNDSCHAU schon mal probeweise angezogen. Gemeinsam mit Konrad Krahl und Sebastian Domaschke, die zu dieser Generalprobe fehlten, gehen sie auf ein großes Abenteuer. FOTO: cw
Wittichenau/Düsseldorf. Vier Wittichenauer Hobbyradsportler gehen heute auf die legendäre Tour de France. Sie wollen jeden Tag die gleiche Strecke wie die Radprofis absolvieren – und das noch für einen guten Zweck. Catrin Würz

Es ist das bislang größte Abenteuer für vier verwegene junge Männer aus Wittichenau: Wenn heute in Düsseldorf die besten Radrennprofis der Welt auf ein höllisches Etappenrennen über 3540 Kilometer und über fünf Gebirge hinweg gehen, werden Roland Salowsky aus Hoske, Sebastian Schnabel aus Wittichenau, Konrad Krahl aus Saalau und Sebastian Domaschke aus Kotten am selben Ort zum gleichen Ziel aufbrechen - auf ihre eigene "Le Charity Tour de France".

Wie die Radprofis werden sie drei Wochen lang jeden Tag die aktuelle Tour-Etappe mit Längen zwischen 100 und 220 Kilometern auf ihren Carbonrennrädern zurücklegen. "Das ist jedenfalls der Plan", sagt Roland Salowsky grinsend. Denn nur so sind die tolle Tour-Atmosphäre an der Strecke, das Ambiente und die Tausenden Zuschauer live zu erleben. Täglich zehn Stunden werden die jungen Männer - alle vier knapp unter 30 Jahre - dafür auf dem harten Sattel sitzen. Früh morgens - Stunden vor den Profis - wollen sich die Wittichenauer auf den Weg machen. "Klar, wenn das Peloton sich nähert, wird man uns von der Straße scheuchen", sagt der Hosker. Dann werden die Lausitzer dem vorbeirasenden Tross von den Zuschauerplätzen aus zujubeln und die müden Beine etwas ausruhen, bevor es weitergeht bergauf, bergab und durch alle Wetterkapriolen. Das wird ein Radurlaub wie eine riesengroße Herausforderung.

Das ist allerdings kein Neuland für die vier hartgesottenen Hobby-Radsportler. Schon seit über acht Jahren machen die Freunde verrückte Radtouren. Alles hatte damit angefangen, dass die Truppe zu einem Festival in Budapest mit eigener Muskelkraft anreisen wollte. Danach folgten Radtouren nach St. Petersburg, Madrid, Rom und zuletzt sogar von Porto bis nach Marrakesch am Atlantik entlang. "Auf diesen Touren sind wir auch schon oft mehr als 150 Kilometer am Tag gefahren - und das mit Trekkingfahrrädern und Gepäck!", sagt Sebastian Schnabel optimistisch. Man wisse in gewisser Weise also, was auf einen zukommt. Aber: Die "Tour der Leiden", die in Frankreich in diesem Jahr alle fünf großen Gebirge überquert, trägt ja auch nicht zu Unrecht ihren Beinamen. Als schwerste Etappe wird Nummer 9 ausgewiesen. Im Jura-Gebirge geht es dabei über drei Pässe mit insgesamt 4600 Höhenmetern und besonders steilen Anstiegen. Roland Salowsky hofft, dass die Trainingseinheiten im Oberlausitzer Bergland wenigstens etwas Früchte tragen. Und noch mehr Respekt als vor dem Anstieg im Hochgebirge hat der 28-jährige Hosker vor den genauso steilen Bergabfahrten auf dünnen Rennradreifen. In einem eigenen Blog im Internet will das Team täglich von seinen Erfahrungen berichten.

Dass die vier Lausitzer für Schweiß, Schmerz und stundenlange Schinderei mit dem Blick auf herrliche Landschaften und einem tollen Tour-Flair entlohnt werden, hoffen alle sehr. Einen kleinen Luxus gönnen sie sich darüber hinaus auch noch: Die Nächte werden sie in einem Wohnmobil verbringen, das ein Begleitteam aus Freunden täglich vom Start- zum Zielpunkt umsetzt.

Doch die Wittichenauer wollen nicht nur allein etwas von ihrem großen Abenteuer haben. Mit der Tour werben sie zugleich um Unterstützung für die junge Wittichenauer Ärztin Jana Koplanski, die mit der Organisation "On the move e. V." in Kenia ein Hilfsprojekt für psychisch Erkrankte realisieren will. "Wir wollen pro gefahrenen Tour-Kilometer zwei Euro einwerben", erläutert Sebastian Schnabel. 7000 Euro sind also das Ziel. Die ersten knapp 3000 Euro sind schon zusammengekommen: von regionalen Firmen, deren Logo nun auf dem Trikot des "Charity-Tour"-Teams mit durch die französischen Alpen und Pyrenäen rollen wird.

Zum Thema:
Vom 1. bis 23. Juli führt die 104. Tour de France diesmal über 3540 Kilometer durch Deutschland, Belgien, Luxemburg und Frankreich. Erst zum vierten Mal in der Geschichte der Tour ist eine deutsche Stadt Gastgeber für den Start. Für die Wittichenauer bedeutete dies eine relativ kurze Anreise.Im täglichen Blog können Interessierte den Verlauf der Tour für Roland Salowsky, Sebastian Schnabel, Konrad Krahl und Sebastian Domaschke im Internet mitverfolgen: charitytourdefrance.wordpress.comDort gibt es auch alle Informationen über das Hilfsprojekt für Kenia und über das Spendenkonto. Die junge Wittichenauer Ärztin Jana Koplanski will psychisch Erkrankten in Kenia helfen. Spendenziel: 7000 Euro