Der Vortrag war jedoch alles andere als eine trocken akademische Darlegung jener Geschichte, sondern vielmehr der Erfahrungsbericht eines langen Lebens - gewürzt mit Heiterem und Ernsten, mit Fakten und Geschichten, Erlebtem und Erdachtem. Da war von den Großeltern zu hören, die noch Sorbisch sprachen, während die Kinder diese Sprache nicht mehr beherrschten, von Begegnungen mit Menschen aus anderen deutschen Ländern, denen dieses einzigartige Phänomen einer Region mit zwei Kulturen und zwei selbstständigen Sprachen völlig unbekannt war. Günter Särchen setzte nicht voraus, dass jeder seiner Zuhörer dies alles wissen müsste, doch die kurzweiligen Ausflüge in die tausendjährige Geschichte des deutsch-sorbischen Miteinanders entbehrten jeden Anscheins von Belehrung oder lexikalischer Vollständigkeit. Der Gast schien unbefangen zu plaudern, indem er Daten, Namen und Zitate einstreute und frei erzählte.
Vier Grundregeln brachte er aus seinem Leben mit, die beim Umgang mit Fremden unbedingt zu beachten seien: Jeder sollte in der Sprache des anderen vier Worte beherrschen: Willkommen! Guten Tag! Trinkst du einen Kaffee mit mir„ Auf Wiedersehen! Diese Worte öffneten nicht nur Türen, sondern auch Herzen zu Fremden. Ohne dies können Menschen nicht miteinander umgehen, so die Erkenntnis eines Mannes, der sich in schwierigen Jahren nach 1980 mehrere Jahrzehnte für die Verständigung zwischen Völkern - besonders intensiv für die zwischen den deutschen und polnischen Nachbarn - einsetzte.
Als ein Beispiel des kulturellen Reichtums der zweisprachigen Lausitzen stellte der Gast dann sein gerade erschienenes Büchlein „Krabat und der Obrist Johann Schadowitz“ vor. Darin stellt er sich die Frage: Wie kamen so weit entfernte Erzählungen zusammen, wie die Sagengestalt des Krabat - einem Zauberer der sorbischen Tradition - mit den Geschichten des Obristen Schadowitz, der sein Gut in Groß Särchen hatte und sehr menschlich und großzügig zu seinen sorbischen Mitbürgern war“
Auch hier wurde deutlich, dass Günter Särchen - ein begnadeter Erzähler - als Brückenbauer lebt, als Mann, der Fremdes verbinden, Dialoge initiieren will.
Daher rührt auch seine Schlussbetrachtung, dass das tausendjährige friedliche Mitein ander von Sorben und Deutschen - bei gegenseitiger Achtung der Sprache, Kultur, Religion und Lebenshaltung - ein Muster für das vereinte Europa sein könne. Keiner solle seine Identität aufgeben, aber den anderen daran teilhaben lassen.