ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:07 Uhr

Hoyerswerda
Vier Geschichten und ein Geheimnis

Dieses Schlossmodell hat der langjährige Museumsleiter Karl-Heinz Hempel gebaut. Es zeigt das Schloss nach Teschens Erweiterung.
Dieses Schlossmodell hat der langjährige Museumsleiter Karl-Heinz Hempel gebaut. Es zeigt das Schloss nach Teschens Erweiterung. FOTO: LR / Sascha Klein
Hoyerswerda. Das Stadtmuseum zeigt in einer Sonderausstellung 75 Stücke aus und über Hoyerswerda. Dabei bewegen sich die Macher von den Anfängen der Stadt bis ins Heute – eine spannende Zeitreise mit Überraschungsmomenten. Von Sascha Klein

Was haben ein Wasserspeier, ein Schloss-Modell, ein historischer Schlitten und ein Bleirohr gemeinsam? Nichts? Falsch! Sie alle gehören untrennbar zur Geschichte der Stadt Hoyerswerda. Und: Sie sind alle innerhalb der Sonderausstellung „75 Dinge aus 750 Jahren Stadtgeschichte Hoyerswerda“ im Schloss und Stadtmuseum zu betrachten.

Der Wasserspeier erzählt etwas über die Anfänge der Stadt im 13. Jahrhundert. Denn in dieser Zeit muss es eine erste Burg in Hoyerswerda gegeben haben. Bei der Sanierung der Schlossbrücke im Jahr 1983 ist der Wasserspeier Bauarbeitern quasi in die Hände gefallen. Er hat in 80 Zentimetern Tiefe aus der Wand geragt – und ist damit zum Zeugnis geworden, dass es diese Burg tatsächlich im 13. Jahrhundert gegeben haben muss. Der Wasserspeier ist offenbar dafür genutzt worden, das Abwasser aus der Burgküche in den Wallgraben zu leiten. Seit 1983 ist er nun eines der ältesten Zeugnisse der Besiedlung der Stadt.

Der Wasserspeier stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er ist eines der frühestens Zeugnisse über das Alter Hoyerswerdas und seiner Burg.
Der Wasserspeier stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er ist eines der frühestens Zeugnisse über das Alter Hoyerswerdas und seiner Burg. FOTO: LR / Sascha Klein

Die nächsten beiden Objekte haben eine Verbindung zueinander. Sie heißt: Reichsfürstin Ursula Katharina von Teschen. Die frühere Mätresse Augusts des Starken hat zum einen das Schloss Hoyerswerda umbauen lassen. Das Renaissanceschloss von 1592 ist im Jahr 1727, da herrschte von Teschen schon 22 Jahre über Hoyerswerda, mit einem barocken Anbau versehen worden. Hoyerswerdas langjähriger Museumsleiter Karl-Heinz Hempel hat das Schloss Anfang der 1990er-Jahre als Modell nachempfunden. Zum anderen hat Reichsfürstin von Teschen einen speziellen Schlitten besessen, mit dem sie womöglich auch in der Herrschaft Hoyerswerda unterwegs gewesen sein könnte. Belegt ist das jedoch nicht. Der Schlitten hatte etliche Jahre lang im Schloss Neschwitz zugebracht. Das Stadtmuseum hat ihn 2014 gekauft und möchte ihn restaurieren lassen. Dafür sucht das Stadtmuseum im Übrigen noch Sponsoren.

Es ist nicht irgendein Schlitten. Dieses Foto zeigt den Schlitten von Reichsfürstin von Teschen. Das Stadtmuseum besitzt ihn.
Es ist nicht irgendein Schlitten. Dieses Foto zeigt den Schlitten von Reichsfürstin von Teschen. Das Stadtmuseum besitzt ihn. FOTO: LR / Sascha Klein

Das letzte der vier unterschiedlichen Hoyerswerda-Stücke ist ein Bleirohr. Das Besondere: Dieses Bleirohr ist, mit einem Dokument auf Pergamentpapier versehen, durch Zufall in den 1980er-Jahren auf dem Schloss-Dachboden bei Malerarbeiten aufgetaucht. Wie es dort hingekommen ist, ist unklar. Auf dem Pergamentpapier wird beschrieben, welche Geschichte der Standort Kirchstraße 18 hat, wer dort früher gelebt hat und dass sich Carl Herrmann dort 1887 ein Haus baut. Dieses Haus ist im April 1945 während der letzten Kriegswochen zerstört worden. Es lässt sich nur erahnen, dass jemand das Bleirohr gefunden und ins heutige Stadtmuseum gebracht hat. Weshalb es dort jedoch im Dachgebälk versteckt war, bleibt ein Geheimnis. Kein Geheimnis bleibt: Die Sonderaustellung kann bis Februar 2019 besucht werden.

Hoyerswerda: Sonderausstellung Schloss Hoyerswerda "75 Dinge aus 750 Jahren Stadtgeschichte Hoyerswerda". 1000-Jahr-Feier
Hoyerswerda: Sonderausstellung Schloss Hoyerswerda "75 Dinge aus 750 Jahren Stadtgeschichte Hoyerswerda". 1000-Jahr-Feier FOTO: LR / Sascha Klein
Dieses Bleirohr enthält eine Pergamentrolle und ein Geheimnis. Wann kam das Rohr von der Kirchstraße 18 ins Dachgebälk des Schlosses?
Dieses Bleirohr enthält eine Pergamentrolle und ein Geheimnis. Wann kam das Rohr von der Kirchstraße 18 ins Dachgebälk des Schlosses? FOTO: LR / Sascha Klein