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| 02:55 Uhr

Viel mehr als Anekdoten, Statistik und Tabellen

Ronny Klein mit dem großen Pumpe Buch.
Ronny Klein mit dem großen Pumpe Buch. FOTO: Werner Müller/wml1
"Das große Pumpe-Buch" ist ein fast 500 Seiten dicker Wälzer, der die Geschichte der traditionsreichen Fußballer der Stadt erzählt. Darin geht es um die vielen Jahre in der DDR-Liga, um große Pokalspiele gegen Dresden, Magdeburg, Zwickau oder Leipzig bis hin zu den Nachwende-Erfolgen als FSV und FC Lausitz Hoyerswerda.

Am Samstag (10 Uhr) wird "Das große Pumpe-Buch" erstmals öffentlich vorgestellt. Die Präsentation im Konferenzsaal des Klinikums ist schon ganz gut belegt, nur noch Restkarten sind zu haben (Reservierung: info@aktivist-chronik.de). Vor der Buchvorstellung gibt der Autor, Journalist Ronny Klein, erste Einblicke.

Wie kommt man auf die Idee, ein Buch über Aktivist Schwarze Pumpe zu schreiben?
Ganz einfach, ich interessiere mich für Geschichte, für Fußballhistorie. Mich hat die Vergangenheit meines Heimatvereins schon immer fasziniert. Allerdings habe ich von Beteiligten immer nur bruchstückhaft Episoden erzählt bekommen. Die ganze Geschichte kannte niemand.

Zumindest bis jetzt, oder?
Es sind ja nun beinahe 500 Seiten geworden. Das mag unglaublich viel erscheinen. Man hätte aber mit dem Material, das von uns zusammengetragen wurde, auch die doppelte Anzahl Papier beschreiben können.

Wie lange haben Sie an dem Werk gearbeitet?
Die Idee, solch ein Projekt umzusetzen, existiert schon ziemlich lange, etwa 15 Jahre. Ursprünglich wollten meine Mitstreiter und ich bereits im Jahr 2006 zum 50. Vereinsjubiläum fertig sein. Doch da war die Zeit einfach noch nicht reif.

Warum nicht?
Wenn man etwas macht, sollte man es richtig machen. Es gab noch so viele Lücken, die erst im Laufe der Zeit geschlossen werden konnten. Ergebnisse, Aufstellungen, Torschützen. Bis zuletzt sind immer wieder noch historische Bilder zu uns gelangt, die auch mit eingearbeitet wurden. Insgesamt sind etwa 1300 Fotos im Buch, dazu zahlreiche Artikel und Dokumente.

Jetzt mal zu den Fakten - was steht denn drin?
Es beginnt mit der Vereinsgründung im Januar 1956, als die Fußballer der Kreisklasse-Mannschaft von Aktivist Brigitta Spreetal die erste Mannschaft stellten, die für Pumpe auflief. Anschließend werden alle Spielzeiten haarklein aufgearbeitet. Eine kleine Saisonanalyse, wenn man so will, mit unglaublich vielen Anekdoten, dazu Statistik und Tabellen. Und ein Porträt von einem Spieler der jeweiligen Saison. Dazu alle Einsätze und Tore, Vereinsrekorde. Selbst alle Testspiele sind festgehalten.

Wo kriegt man so viel Material her?
Zum Teil aus alten Zeitungen, zum Teil aus Aufzeichnungen von Trainern oder Spielern. Viele Resultate konnten wir den Büchern des verstorbenen Geschäftsführers Klaus Nadge entnehmen, der sogar jedes Nachwuchsergebnis aufgeschrieben hat.

Die schönsten Geschichten?
Das sind sicherlich die Schmunzler. Lustige Episoden, die uns die vielen Gesprächspartner berichtet haben, also ehemalige Spieler, Trainer, Betreuer, Funktionäre. So etwa, als der Vereinschef kurz vor der Währungsunion 1990 noch Tausende DDR-Mark auf den Kopf hauen musste. Das Kombinat wollte das Geld nicht zurückhaben. Und so lud man sich einen sowjetischen Erstligisten ein und verprasste alles mit Ausflügen und Rahmenprogramm. Spannend fand ich auch die Geschichte des Frauenfußballs.

Und was gibt es da zu berichten?
Harry Grätz, ein E-Lokfahrer aus dem Tagebau Welzow, wurde im Frühjar 1971 von seinen Töchtern überredet, sie zu trainieren. Sie wollten unbedingt Fußball spielen. In anderen Städten gab es das schon, in Hoyerswerda noch nicht. Er zog das dann tatsächlich durch und wurde mit den Pumpe-Mädels mehrfach Bezirksmeister, nahm sogar an den Endrunden zur DDR-Meisterschaft teil. Es war sozusagen der Beginn des Frauenfußballs in der Region, wie wir ihn heute kennen.

Gab es traurige Geschichten?
Gab es. Ganz vorn steht natürlich der drastische Rausschmiss aus der DDR-Liga 1970. Man warf den Vereinschefs vor, Gelder für Prämien verjubelt und die Trainingszeiten anders als vorgeschrieben ausgedehnt zu haben. Klingt heute unvorstellbar. Die Mannschaft hätte damals echt Potenzial für einen Aufstieg in die höchste Spielklasse gehabt, der somit unterbunden wurde. Unendlich schade war auch der Niedergang nach dem Jahr 2000, als es letztlich bis hinab in die Kreisliga ging.

Was war die größte Leistung?
Das war in meinen Augen sicherlich, eine Mannschaft in Hoyerswerda über Jahrzehnte in der 2. Liga zu etablieren. Zwar hatte der Verein das Kombinat im Rücken. Doch eine Selbstverständlichkeit und ein Garant für sportlichen Erfolg war das beileibe nicht. Da gibt es auch andere Beispiele. Ausschlaggebend dafür war sicher die hervorragend organisierte Nachwuchsarbeit, die in den 80er-Jahren mit mehreren Spitzenerfolgen ihren Höhepunkt erreichte. Da fungierten zumeist ehemalige Spieler als Trainer, viele Schützlinge schafften den Sprung in die Erste.

Wann kann man das Buch kaufen?
Das Buch mit seinem stattlichen Umfang kostet 37,95 Euro und ist ab Montag in verschiedenen Verkaufsstellen zu haben. Alle Infos dazu stehen im Internet, wo man es auch online bestellen kann:

www.aktivist-chronik.de

Mit Ronny Klein sprach

Werner Müller/wml1