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Viel Interesse an "Grüner Hoyerswerder"

Ralf Frenzel (rechts) probiert eine "Grüne Hoyerswerder". Er brachte Birgit Fleischer auf die Idee, danach zu suchen. Foto: Sascha Kein
Ralf Frenzel (rechts) probiert eine "Grüne Hoyerswerder". Er brachte Birgit Fleischer auf die Idee, danach zu suchen. Foto: Sascha Kein FOTO: Sascha Kein
Rachlau. Aus Ideen werden Pläne: Etwa 25 Interessierte haben am Samstag die Birne "Grüne Hoyerswerder" auf dem Hof der Mosterei Höhne in Rachlau verkostet. Dabei wurde klar: Die bislang als verschollen geglaubte Lokalsorte wieder heimisch zu machen, nimmt Formen an. Sascha Klein

Wie Birgit Fleischer vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) sagte, gibt es einige Baumschulen in der Oberlausitz, die sich vorstellen können, die "Grüne Hoyerswerder" zu veredeln und sie damit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bis zum Januar - dann könnten erste Reiser veredelt werden - muss eine Baumschule gefunden sein, damit es im womöglich schon im Jahr 2014 die ersten Mini-Bäumchen dieser Sorte gibt. "Für Hoyerswerda ist die Birne ein sehr positives Symbol", sagt Birgit Fleischer.

Geschmacklich mussten die Gäste am Samstag noch einige Abstriche bei der Birne hinnehmen. Während die meisten Früchte, die die RUNDSCHAU vom Wurzener Bundessortenamt mitgebracht hatte, noch nicht reif genug waren, um sich ein echtes Urteil zu bilden, waren zwei Birnen, die zuvor nicht gekühlt waren, bereits überreif. Deshalb nahmen sich einige Gäste eine Birne mit nach Hause, um in ein paar Tagen noch einmal zu kosten. Doch selbst bei den härteren Früchten ließ sich erahnen, weshalb die "Grüne Hoyerswerder" in manchen Publikationen den Zusatz "Zuckerbirne" trägt.

Die beiden Männer, die die Suche nach der Hoyerswerdschen Birne angestoßen hatten, waren am Samstag mit dabei: der Hoyerswerdaer Günter Zirnstein und der Dresdner Ralf Frenzel, der sich seit einiger Zeit mit alten Obstsorten beschäftigt. Von Zirnstein war im vergangenen Jahr eine erste erfolglose Suche nach der Birne in der Region ausgegangen. Ralf Frenzel hatte im Herbst 2011 einen Vortrag über alte Obstsorten in der Oberlausitz gehalten. Diese Veranstaltung war auch für Birgit Fleischer der Ausgangspunkt, sich näher mit der heimischen Birnensorte zu beschäftigen. Dieses Interesse mündete in der Aktion "Labor der noch nicht entwickelten Ideen" im "AusZeit"-Haus der Kulturfabrik. Am 7. August hatte die RUNDSCHAU bei einem Besuch in der Wurzener Prüfstelle des Bundessortenamts die "Grüne Hoyerswerder" wiederentdeckt.

Mehr zur Historie der Hoyerswerdaer Birne gibt es im nächsten Oberlausitzer Hausbuch zu lesen, das in diesem Herbst erscheint. Ralf Frenzel hat sich in einem Beitrag mit der Geschichte der Frucht auseinandergesetzt. Der Hoyerswerdaer Pfarrer Benade hatte die Birne offenbar zufällig gezüchtet. In einigen Veröffentlichungen wurde "Grüne Hoyerswerder deshalb auch "Benadine" genannt.