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| 01:19 Uhr

Verwirrung um Grubenbahn-Nachlass

Knappenrode.. Als der Traum von der Touristenattraktion Lausitzer Grubenbahn im vergangenen Jahr endgültig ausgeträumt war, blieb dem Förderverein der Grubenbahner nur noch eines zu tun: sich selbst zu liquidieren. Keine schöne Sache für die einstigen Bergmänner – und ganz gewiss auch keine einfache. Schließlich galt es zu klären, was aus dem rollenden Material – den Loks, Wagen und Zubehör – werden soll. Und gerade, als jetzt der Verbleib der beweglichen Technik geklärt zu sein schien, schaltete sich nun die sächsische Denkmalbehörde ein. Von Catrin Würz

Bereits ab Sommer sollte der Fuhrpark der Lausitzer Grubenbahn im thüringischen Haselbach auf der 900mm-Schiene rollen. Mit dem dortigen Kohlebahnen e.V. haben die Grubenbahner aus Knappenrode nämlich unlängst eine Vereinbarung unterzeichnet. „Wir wollten auf jeden Fall eine komplette und saubere Lösung“ , sagt Grubenbahn-Geschäftsführer Paul Kraink. Das bedeutet: Die gesamte bewegliche Technik aus Knappenrode – von der Lok bis zum fahruntüchtigen Material – sollte im Paket an einen neuen Eigentümer übergehen. Drei Loks, vier Sitz- und Gepäckwagen, ein Schienenkleinwagen sowie mehrere Mannschafts-, Geräte- und Behälterwagen müssen einen neuen Eigentümer finden.
Das Lausitzer Bergbaumuseum, wo die gesamte Technik derzeit noch steht, lehnte jedoch dankend ab. Das neue Konzept der Energiefabrik sieht ohnehin keinen Schwerpunkt bei historischen Schienenfahrzeugen. „Kein Bedarf“ , wurde deutlich signalisiert.
Also gingen die Grubenbahner weiträumig auf die Suche nach neuen Nutzern. „Für einzelne Waggons und Loks der Grubenbahn gab es jede Menge Interessenten. Doch alle wollten nur die Sahnehäubchen, auf dem Rest wären wir sitzen geblieben“ , erklärt Paul Kraink. Eine unbekannte (Finanz)Größe für die Verschrottung wäre übrig geblieben.
Bei den Thüringern war das anders. Der Kohlebahnen-Verein Haselbach, der 1996 mit privatem Engagement einzelner Eisenbahnliebhaber gegründet wurde, garantiert die komplette Übernahme des Fuhrparks – und vor allem auch den Einsatz der Loks und Passagierwagen auf der 15 Kilometer langen Betriebsstrecke nahe Altenburg und rund um einem ehemaligen Kohle-Bahnhof der Mitteldeutschen Braunkohlen AG (MiBrAG). Das klang gut in den Ohren der Knappenroder.
Doch unter Umständen kann sich das nun alles noch verzögern, denn kurz nach dem Vertragsabschluss meldete sich auf einmal die sächsische Denkmalbehörde. Sämtliche Fahrzeuge und Wagen der Lausitzer Grubenbahn sind jetzt nochmals ausdrücklich unter Denkmalschutz gestellt. „Wir waren ziemlich verärgert, dass uns jetzt plötzlich dieser Brief mit der Einstufung als Denkmal erreichte“ , sagt Paul Kraink. „Davon waren wir in unserem Vertrag mit Haselbach nicht ausgegangen.“
Der Ärger sei keineswegs begründet, denn die Lausitzer Grubenbahn habe als Ganzes schon seit 1995 unter Denkmalschutz gestanden, weist Stephan Klaus, Referent bei der Dresdner Denkmalschutzbehörde, die Kritik weit von sich. „Das hätte der Verein wissen müssen. Wir haben in diesen Wochen lediglich die Liste des Wagenparks mit den geschützten Fahrzeugen konkretisiert und gesondert aufgeführt.“
Zwar kann auch mit dem Schutzstatus der nunmehr denkmalgeschützte Fuhrpark nach Thüringen wechseln, doch das Ärgernis der Knappenroder über die Dresdner Behörde ist noch ein ganz anderes. Denn die Denkmalschützer empfehlen in ihrem Schriftstück ausdrücklich, dass ein kleiner Teil der Grubenbahnfahrzeuge möglichst doch im Bergbaumuseum zurückbleiben sollte. Ein Durcheinander sondergleichen. „Wie stehen wir denn jetzt vor unseren Partnern da?“ , ärgert sich der Grubenbahn-Geschäftsführer Paul Kraink.
In Haselbach schaut man unterdessen verwundert auf das sächsische Verwirrspiel. Denn von all den Kohle bahnwagen in 900 mm Spurweite, die die Vereinseisenbahner in Thüringen schon reichlich vor der Verschrottung gerettet haben, steht nicht ein einziges Fahrzeug unter Denkmalschutz. „Diese Technik gibt es doch noch hundertfach“ , sagt Hartmut Hoffmann, stellvertretender Vereinsvorsitzender der Kohle bahnen Haselbach. Für den Thüringer steht außerdem fest: „Wir haben einen rechtskräftigen Vertrag mit der Grubenbahn und werden darauf auch bestehen.“ Dazu gehört für Hartmann die komplette Übernahme – wie vereinbart. „Wir werden uns nicht noch die Sahnestückchen wieder wegnehmen lassen.“