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| 14:27 Uhr

Hoyerswerda
Vertriebene stehen für vereintes Europa

„In der Heimat ist es schön“, singt der Dresdener Chor „Heimatmelodie“ bringt während der Festveranstaltung in der Lausitzhalle.
„In der Heimat ist es schön“, singt der Dresdener Chor „Heimatmelodie“ bringt während der Festveranstaltung in der Lausitzhalle. FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda. Bund der Vertriebenen gedenkt am „Tag der Heimat“ seiner alten Heimat im Osten. Von Anja Guhlan

Für den sächsischen Landeschef des Bundes der Vertriebenen und Spätaussiedler, Frank Hirche, ist der Tag der Heimat fest im öffentlichen Leben verankert. Zunächst erinnerte während des Gedenktages der Superintendent im Ruhestand Friedhart Vogel bei der Totenehrung an die vielen Opfer in einer gnadenlosen Zeit.

Das Motto des diesjährigen Tags der Heimat lautete: Brücken für Europa zu schlagen. Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora bemerkte in seiner Festrede, dass ab 1950 zahlreiche Vertriebene in die Stadt Hoyerswerda, die in diesem Jahr ihr 750-jähriges Jubiläum begeht, kamen. „Ihre Generation ist unabhängig von der Herkunft mit für den Aufbau dieser Stadt verantwortlich“, dankte Skora den Anwesenden. Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer betonte, dass jeder ein Recht auf Heimat habe. Er erinnerte zugleich, dass Heimat aber auch verloren gehen könne. Seine Großeltern seien selbst Heimatvertriebene. „Umso wichtiger ist es, den Heimatvertriebenen weiterhin Schutz zu geben und das europäische Werk, das aufgebaut wurde, nicht mehr zu gefährden“, so Kretschmer.

Auch Vertriebene selbst appellierten in Gesprächen am Samstag für ein vereintes Europa. „So etwas wie 1945 darf nie wieder passieren. Die Länder und Menschen in Europa müssen zusammenstehen“, sagt Peter Feige (77) aus Leipzig. Er ist im schlesischen Breslau geboren. Am 3. Februar 1945 mussten er, seine Mutter und seine Geschwistern aus der Stadt fliehen – ein Abschied für immer. Er war damals viereinhalb Jahre alt. Die Flucht habe ihn geprägt. Die Heimat verlassen zu müssen, präge jeden Menschen. Als er Jahre später seine Geburtsstadt besucht, fühlte er sich vor Freude wie gelähmt. „Breslau ist und bleibt meine Geburtsstadt. Inzwischen ist Leipzig jedoch zu meiner Heimat geworden“, berichtet er.

Auch Herbert Klisch (80) aus Großdubrau ist ein Heimatvertriebener. Er war sechs Jahre alt, als er aus Schlesien flüchten musste. „1945 wussten wir nicht, wo es hingeht. Die lieb gewonnene Heimat verlassen zu müssen tat weh“, erzählt er. Die Erinnerungen werden wieder wach: wie er mit Freunden den Oderdamm im Winter herunter gerodelt ist oder die Dampfsirenen der Fähre gehört hat. Für ihn ist der Tag der Heimat unverzichtbar, weil er zum einen die Erinnerungen pflegen und bewahren und zum anderen auch jüngere Leute aufklären soll. „Junge Menschen, die heute einen Hitlergruß zeigen, sollten von den Erinnerungen von uns Vertriebenen hören“, schlägt Klisch vor.

Manfred Mücke (81) aus Dörgenhausen hofft, dass der Tag der Heimat noch in Hundert Jahren Bestand haben wird. „So etwas darf nicht in Vergessenheit geraten“, meint Mücke, der im Alter von acht Jahren aus Oberschlesien vertrieben wurde. Die Hoyerswerdaer Region sei für ihn zweite Heimat geworden.

Für Hannelore Kedzierske aus Chemnitz ist dieser Gedenktag unverzichtbar, weil er zum Austausch beiträgt. „Jeder hier hat sein eigenes Schicksal, das auf keinen Fall  wiederholt werden darf. Gemeinsame Gespräche helfen“, so die 79-Jährige, die 1944 aus Ostpreußen geflohen ist. Inzwischen habe sie die Masuren – ihre Heimat – unzählige Male besucht und engagiert sich bis heute für preußische Belange, indem sie zum Beispiel Beiträge für die Preußische Allgemeine schreibt. „Als wir damals in Chemnitz ankamen, haben wir uns schnell eingeordnet und angepasst und beim Aufbau der zerstörten  Stadt geholfen“, erinnert sich die Chemnitzerin. Die Vertriebenen von damals dienten somit als Musterbeispiel, wie Integration gelingen konnte und stünden heute mehr denn je für ein vereintes Europa.