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Energiefabrik Knappenrode
Versteinerte Wunderwelt in der Fabrik

Knappenrode. Eine versteinerte Wunderwelt ist neuerdings in der Energiefabrik Knappenrode zu bestaunen. Mit „Verkieselten Hölzern“ sind dort für ein Jahr bemerkenswerte Fußabdrücke der Erdgeschichte zu sehen.

Herrlich leuchtende Farben, faszinierende Strukturen und filigrane Muster, glitzernde Oberflächen – es ist kaum zu glauben, dass das nur Steine sind. Steine, die vor Millionenen Jahren eigentlich mal ein Baum waren.  „Ja, die Natur ist ein richtiger Künstler. Und viele wissen das gar nicht“, sagt Wilfrid Sauer lächelnd. Der heute 80-Jährige hat kurz nach der Wende das Lausitzer Bergbaumuseum in Knappenrode mit aufgebaut und bis 2002 geleitet. Nun zeigt er in seiner alten Wirkungsstätte eine bemerkenswerte Ausstellung: eine Sammlung einzigartiger Fundstücke, die von 20 Hobby-Sammlern, meist Mitglieder der Ostsachsen-Gruppe der Freunde der Mineralogie und Geologie, zusammengetragen wurden. Ein Jahr lang  werden diese etwa 200 Fossilien unter dem Ausstellungstitel „Versteinerte Hölzer“ den Besuchern der Energiefabrik Knappenrode die Millionen Jahre alte Erdgeschichte nahebringen.

Das größte Exponat ist ein 2,2 Tonnen schwerer „Baumstubben“, der im Freibereich vor der Waschkaue der alten Brikettfabrik zu finden ist. Rein äußerlich sieht der unscheinbare Klotz eben wie ein alter Baumstamm aus. Doch wer anfasst, fühlt es sofort: Der Klotz, der im alten Tagebau Espenhain bei Leipzig gefunden wurde, ist ein Stein. Vor 30 Millionen Jahren begann an der verschütteten Pflanze eine Metamorphose: Kieselsäurehaltige Lösungen dringen in das Holz ein, verdrängen die biologischen Substanzen und verfestigen sich. Aber dabei werden die komplexe Zellstruktur und das Gewebe für die Ewigkeit konserviert. „Und das ist der Grund, warum wir heute über die Schönheit dieser Versteinerungen so staunen können“, sagt Wilfrid Sauer.

Fast ein Jahr lang haben er und seine Mitstreiter alles für diese Präsentation zusammengetragen. Manche der Exponate wurden ganz in der Nähe gefunden, in Lagerstätten der Oberlausitz, in Böhmen oder bei Chemnitz, wo es einen berühmten „Versteinerten Wald“ gibt. Andere Fundstücke stammen dagegen von anderen Kontinenten – aus Namibia oder aus Arizona in den USA, wo die eingeborenen Indianer einst mit solchen an die Oberfläche gekommenen versteinerten Mammutbäumen sogar Hütten bauten. Dort überall waren die Lausitzer Mineraliensammler schon forschen. Jedes Jahr gibt es mindestens eine große Exkursion ins Ausland.

Die Lausitzer Mineralogen hat Wilfrid Sauer einst als Vorsitzender der Bezirksgruppe um sich gescharrt. „Zur Wendezeit 1990 waren wir etwa 25 Mitglieder – heute sind wir 85“, sagt er stolz. Dass auch hier der Altersdurchschnitt schon recht hoch ist, will er nicht verschweigen. Aber es gibt hoffnungsvollen Nachwuchs und zudem ist die Sammelleidenschaft und Neugier auch der älteren Mitglieder ungebrochen groß. Nächstes Jahr soll es ein drittes Mal ins Damaraland nach Namibia gehen, wo unfassbar schöne Entdeckungen für Mineralogen möglich sind. Einsammeln darf man dort zwar nichts. „Aber es gibt Grandioses zu sehen.“