ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:37 Uhr

Verstärkung für das Museums-Team

Dr. Andreas W. Vetter vertritt die krankheitsbedingt pausierende Museumsleiterin Sigrun Jeck. Seit Montag nimmt er den Chefsessel ein und findet die Sammlung des Hoyerswerdaer Museums zeitgemäß präsentiert.Foto: US
Dr. Andreas W. Vetter vertritt die krankheitsbedingt pausierende Museumsleiterin Sigrun Jeck. Seit Montag nimmt er den Chefsessel ein und findet die Sammlung des Hoyerswerdaer Museums zeitgemäß präsentiert.Foto: US FOTO: US
Hoyerswerda. ist nun wirklich nicht der Ort, in dem sich museale Schätze von weltweit bewundertem kulturhistorischem Wert befinden. Von Uwe Schulz

Hier gab es nicht die ganz großen historischen Ereignisse, keine gewaltigen Schlachten, keine Krönungen oder sonst irgendwas, bei dem Historiker mit der Zunge schnalzen würden. Was also treibt einen Mann wie Dr. Andreas W. Vetter hierher?

Der 45-jährige gebürtige Stuttgarter hat Kunstgeschichte in Stuttgart, Freiburg und Paris studiert, sein Dissertationsthema in der italienischen Kunst gefunden und im vergangenen Jahr am braunschweigischen Landesmuseum gearbeitet. Hier hat er an der Umsetzung der niedersächsischen Landesausstellung zu Otto IV. mitgewirkt.

Warum also Hoyerswerda? Da ist zuallererst natürlich der Fakt, dass es hier eine offene Stelle als Museumschef zu besetzen gab. Befristet als Krankheitsvertretung zwar, aber immerhin. Zuletzt hatte sich Andreas W. Vetter mit Lektoratstätigkeiten seine Brötchen verdient. Da schaut man und sucht. Und findet. Er schickte seine Bewerbung an den Eigenbetrieb Kultur und Bildung, war einer von vielen und wurde zum Bewerbungsgespräch eingeladen.

Dafür war er schon einen Tag früher angereist, sah zum ersten mal Hoyerswerda und die nähere Umgebung. Und natürlich besuchte er zunächst das Schloss und das Stadtmuseum. “Ich war von der zeitgemäßen Präsentation angetan„, sagte Andreas W. Vetter gestern. Das hatte er so nicht unbedingt erwartet, kennt er doch bedeutend größere Museen, die noch eine jahrzehntealte Präsentation zeigen.

“Das Haus muss sich nicht verstecken„, sagt er. Natürlich - multimedial könnte schon einiges aufgearbeitet und präsentiert werden. Aber der Stuttgarter weiß, dass das immer etwas mit Geld zu tun hat. Auch die Größe des Museums gefällt ihm ganz gut: “Hier kann man noch inhaltlich arbeiten, muss nicht nur verwalten.„ Richtig überrascht war er von der Fülle der Abteilung der Ur- und Frühgeschichte. Das in der Abteilung gezeigte Grab und auch andere Details hatte er nicht erwartet. Doch Andreas W. Vetter hat sich ziemlich schnell mit der Geschichte der Stadt und der Umgebung beschäftigt, weiß um die Braunkohleindustrie und das Werden der Stadt. Das ist für ihn spannend.

Bei seiner ersten Visite war er nicht nur von dem vielen Grün in der Stadt überrascht, sondern auch angetan von dem Nebeneinander der Altstadt mit ihrer kleinstädtischen Atmosphäre und der Neustadt, die ein gewisses Großstadtflair vermittle. Das Thema Planstadt gefällt ihm, selbstverständlich in den Kontext gesetzt zu anderen derartigen Städten in der Welt, beispielsweise Brasilia in Südamerika.

Doch jetzt will Dr. Andreas W. Vetter erst einmal arbeiten, sich einbringen, einen guten Job machen. Dass er ziemlich gut Französisch spricht, kann ihm dabei helfen. Denn immerhin kommen hin und wieder Franzosen extra nach Hoyerswerda, weil sich im Zweiten Weltkrieg auf dem Areal des heutigen Flugplatzes Nardt das Gefangenenlager Elsterhorst befand - mit vielen französischen Insassen. Auch das ist ein Teil der Geschichte, mit der es ein Museumschef in Hoyerswerda zu tun hat.