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| 17:30 Uhr

Ich kaufe regional
Die Warenwelt ist übermäßig verpackt

Säckeweise Verpackungsmüll fällt vor allem bei den Endverbrauchern an. Wer Müll vermeiden will, hat es derzeit noch schwer. Aber immer mehr Händler  forcieren eine Plastik-Diät.
Säckeweise Verpackungsmüll fällt vor allem bei den Endverbrauchern an. Wer Müll vermeiden will, hat es derzeit noch schwer. Aber immer mehr Händler forcieren eine Plastik-Diät. FOTO: Anja Guhlan
Hoyerswerda. Regionale Händler versuchen den Plastikmüll einzudämmen, aber auch Verbraucher und Politik müssen mitziehen.

. Die Zeit, in der wir Essen ausschließlich selbst angebaut und Milch direkt von der eigenen Kuh gemolken haben, sind lange vorbei. Heute gibt es zahllose Verpackungen, in erster Linie als Schutz und Transportmittel unseres Essens. Manchmal sorgen aber auch absurde Verpackungen für Unverständnis. Mittlerweile fallen 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll in Deutschland an, wie das Umweltbundesamt mitteilt. Das waren 0,05 Prozent mehr als im Vorjahr. Pro Kopf entspricht das rund 220 Kilogramm pro Jahr. Der Verpackungsverbrauch in Deutschland liegt somit weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 167 Kilogramm pro Kopf.

Der Blick in den Supermarkt zeigt: Es ist eine bunte Welt aus glitzernder Plastik, bedrucktem Karton oder Alufolien. Nur wenige Supermärkte versuchen, Plastik zu vermeiden oder dem Verpackungswahn entgegenzuwirken. Im Raum Hoyerswerda wollen Edeka und Rewe Verpackungen wo möglich vermeiden. So verzichtet Edeka bei Obst- und Gemüse auf Kunststoffträger und setzt stattdessen auf Papierschalen.  Auch auf den Einsatz von Etiketten bei Obst und Gemüse wird bei Edeka möglichst verzichtet, stattdessen werden man Laserbeschriftungen ausprobiert. Der Rewe-Markt setzt schon seit geraumer Zeit auf Papier- statt auf Plastiktüten.

Auch regionale Händler haben Plastiktüten weitgehend verbannt. So benutzt die Fleischerei Sinapius seit geraumer Zeit Papiertüten im Verkauf. Im Partyservicebereich werden noch Plastikschalen oder -besteck benutzt, gibt Frank Sinapius offen zu.

Auch bei der Bäckerei von Stefan Krause bekommen die Kunden ihre Ware in Papiertüten oder Stoffbeuteln mit. Jedoch verwendet Krause noch die klassischen Coffee-to-go-Becher. „Würde es umweltverträgliche und bezahlbare Alternativen geben, würde ich sofort umstellen“, sagt Stefan Krause. Auch Frank Sinapius sagt, dass oft vernünftige Alternativen fehlen.

Selbst der Einkauf mit der eigenen Wurst- oder Käse-Dose gestaltet sich für den Fleischer schwierig. „Wegen der Hygienevorschriften und der lebensmittelrechtlichen Bestimmungen gestaltet sich solch ein Verkauf mit mitgebrachten Boxen schwierig“, erklärt Sinapius. Vor allem aus Sorge, dass bei der Übergabe einer Kunden-Dose in den Thekenbereich Keime übertragen werden können, lehnen einige Händler  den Verkauf ab.

Jan Pötzschner, der den Imbiss in Hoyerswerda betreibt, kann auf Verpackungen auch nicht verzichten. „Doch ich achte, soweit es geht, auf recycelbares Material. So gibt es bei mir Papiertüten und Pommesbecher aus Pappe. Ich möchte auf jeden Fall dran bleiben an dem Thema, da das Umweltbewusstsein eine immer stärkere Rolle beim Einkauf spielt“, erklärt Pötzschner.

Für Margret Drengner, die in Lauta den Naturkostladen „Lauvitino“ betreibt, ist es Herzensangelegenheit, ihre Ware möglichst ohne Verpackungen zu verkaufen. „Wir verzichten auf hässliche Umverpackungen. Milch wird bei uns in Flaschen verkauft. Getreide, Mehl und Gemüse zum Beispiel bieten wir lose an. Schlagsahne ist in recycelbaren Bechern aus Mais oder Zuckerrohr. Wir wollen bewusst zur Nachhaltigkeit beitragen“, so Drengner. Sie versuche, im Alltag so wenig wie möglich Müll zu produzieren und sei überzeugt, dass das auch andere Verbraucher können.

Auch der Nachhaltigkeitsrat gibt auf seiner Webseite Tipps für den Verbraucher, Abfall zu vermeiden: So kann der Verbraucher statt auf Wasser in Pet-Einwegflaschen  auf Leitungswasser zurückgreifen. Auch wer Jutebeutel oder Einkaufskorb und einen Thermobecher mit zum Einkauf nimmt, verbessert die Umweltbilanz nachhaltig. Beim Kauf von Kosmetik, Putz- oder Waschmitteln  könnten Verbraucher möglichst Nachfüllpackungen wählen.

Auch die Bundesregierung ist dran mit einem neuen Verpackungsgesetz, das am 1. Januar 2019 in Kraft treten wird, um die Verpackungsflut weiter einzudämmen. Ziel ist es vor allem, noch mehr Rohstoffe aus den Verpackungen zurückzugewinnen und wiederzuverwerten. Deshalb gelten dann neue und höhere Recycling-Anforderungen.

(ang)