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| 18:41 Uhr

Verkehrsverbund
Verkehrsverbund steht vor einer Zerreißprobe

Ziemliches Wirrwarr beim Zvon: Die beiden Verbandsmitglieder – die Landkreise Bautzen und Görlitz – haben unterschiedliche Vorstellungen von der zukünftigen Ausrichtung des Verbands.
Ziemliches Wirrwarr beim Zvon: Die beiden Verbandsmitglieder – die Landkreise Bautzen und Görlitz – haben unterschiedliche Vorstellungen von der zukünftigen Ausrichtung des Verbands. FOTO: Laurent Cipriani / dpa
Bautzen. Die Landkreise Görlitz und Bautzen suchen nach Wegen für die Zukunft des Zvon. Das Tarifwirrwarr soll beendet werden. Die Strecke Hoyerswerda - Görlitz geht wieder ans Netz. Von Uwe Menschner

Der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon) steht an einem Scheideweg. Die beiden Verbandsmitglieder – die Landkreise Bautzen und Görlitz – haben unterschiedliche Vorstellungen von der zukünftigen Ausrichtung des Verbands, die im Extremfall zu dessen Spaltung führen könnten.

Der Landkreis Bautzen will sich stärker mit der Landeshauptstadt Dresden vernetzen. Ein Teil des Kreises (der Altkreis Kamenz und die Stadt Hoyerswerda) gehört zum Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der auch Dresden und dessen Umland umfasst. Der Altkreis Bautzen hingegen bildet gemeinsam mit dem Landkreis Görlitz den Zvon. Daraus resultiert eine Tarifgrenze, die mitten durch den Kreis Bautzen verläuft und die dessen Landrat Michael Harig (CDU), der der Vorsitzende beider Verbände ist, seit Jahren beklagt.

Um diese Grenze abzuschaffen, strebt er eine Vereinigung beider Verbände an. Dies jedoch lehnt der Landkreis Görlitz ab, da er befürchtet, dass seine Interessen in einem „Groß-VVO“ unter die Räder kommen könnten.

Mit der jüngsten Verbandsversammlung des Zvon könnte Bewegung in diese Angelegenheit kommen. Die für Verkehr zuständige Dezernentin des Landkreises Görlitz, Heike Zettwitz, brachte hier einen neuen Vorschlag in die Debatte ein: „Wir streben einen gemeinsamen Oberlausitztarif für die Landkreise Bautzen und Görlitz an. Gleichzeitig könnte der VVO-Tarif auf den gesamten Landkreis Bautzen ausgedehnt werden. Damit wäre der viel beklagte Tarifwirrwarr in unserer Region aufgelöst.“ Den Umstand, dass dann im Landkreis Bautzen zwei unterschiedliche Verbandstarife parallel zueinander gelten würden, sieht sie nicht als Problem an: „Das funktioniert woanders auch.“

Die Fusion von Zvon und VVO lehnen die Zvon-Verbandsvertreter des Landkreises und der Stadt Görlitz hingegen ab: „Die Stadt Dresden könnte sich dann mit nur einer zusätzlichen Stimme über alle anderen Verbandsmitglieder hinwegsetzen. Die Interessen des ländlichen Raums würden unter den Tisch fallen.“ Das bestreitet der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU): „Die Erfahrungen zeigen, dass im VVO die Interessen aller Verbandsmitglieder berücksichtigt werden.“ Er begrüßt den Vorschlag des Landkreises Görlitz als „Schritt in die richtige Richtung“, zeigt sich aber dennoch skeptisch: „Damit würde die Tarifgrenze nur nach Osten verschoben.“ Intensiv soll diese Frage auf einer Klausurtagung des Zvon im zweiten Halbjahr 2018 diskutiert werden.

Der Spagat zwischen der schnellen Anbindung an Dresden und der Berücksichtigung des ländlichen Raumes spielte auch bei der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes  eine wichtige Rolle, die die Zvon-Verbandsräte beschlossen haben. Eine Vielzahl von Einwendungen hatte den drohenden Bedeutungsverlust kleiner Stationen wie Seitschen, Pommritz (Kreis Bautzen) oder Zoblitz (Kreis Görlitz) durch weniger Zughalte zum Gegenstand gehabt. „Hier ändert sich im Fahrplanjahr 2018/19 nichts“, so der stellvertretende Zvon-Geschäftsführer Christoph Mehnert: „Wir bestellen im selben Umfang wie bisher.“ Die Bedienung der einzelnen Stationen in Zukunft hänge von der Nachfrage ab.

An dem Ziel von mehr schnellen Verbindungen nach Dresden halte man aber fest. So soll es ab 2020 annähernd doppelt so viele Regionalexpress-Züge von Görlitz nach Dresden und zurück geben als zurzeit. Diese halten im Zvon-Gebiet nur in Bischofswerda, Bautzen, Lö­bau und Görlitz.

Wieder im Angebot ist ab dem Fahrplanjahr 2018/19 die Strecke Hoyerswerda-Niesky-Görlitz, für die der Zvon bei der Ostdeutschen Eisenbahngesellschaft (Odeg) 459 000 Zugkilometer bestellt. „Nun muss sich die Betriebsaufnahme auf dieser Strecke durch eine entsprechende Nachfrage rechtfertigen“, so Verbandsvorsitzender Michael Harig.