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Urlaub in Hoyerswerda?

FOTO: Decker
Hoyerswerda. An die 900 amüsementwillige Besucher der Lausitzhalle erlebten am Sonntagabend die Vorstellung des Dresdener Comedian Olaf Schubert. Nicht jeder stimmte den Witzen des Entertainers unkritisch zu. Mandy Decker / mdr1

Selbstredend hatte Olaf Schubert seinem jeans- und turnschuhaffinen Publikum den einen oder anderen satirischen Kracher mit in den Sonntagabend gebracht. Nichts anderes war von der Kulturfabrik erwartet worden, hatte der Veranstalter die Zuschauer doch vorsorglich in den bis auf den letzten zusätzlichen Stuhl im Orchestergraben besetzten großen Saal der Lausitzhalle geladen. Nicht umsonst sitzt der Comedian - gebürtig in Plauen, wohnhaft in Dresden - regelmäßig an Oliver Welkes Heuteshow-Tresen in Köln. Dort wie hier sind die Gags rund um "das kollektive Muselmanen-Gruseln" montags in Dresden, den Ärger mit den "Schießgewehren" einer sich gerade "kompostierenden" Bundeswehr, das Ausmaß der inneren und äußeren Schönheit einer Angela Merkel und die soziale Not sich prostituierender Frauen, die jeder Mann lindern helfen kann, verlässlich funktionierende Gassenhauer. Die Kunstfigur Schubert moniert das Fehlen eines international anerkannten deutschen Rechtspopulisten ebenso wie den Mangel an einem das deutsche Volk endlich mal wieder entflammenden Finanzminister und den gerichtlich beschlossenen Verzicht auf 700 000 Euro Soli-Zuschlag eines Bayerischer Fußballmanagers.

Der Saal tobt. Mainstream-Satire auf sicherem Berliner Kopfsteinpflaster.

Sich aber auf Kosten seines Gastgebers zu amüsieren sei ein eher heikler Ansatz, findet Besucherin Gabriele Mark. Die Seniorenbeirätin engagiert sich für die Stadt, in der sie lebt und die zur Einstiegszielscheibe des sächselnden Witzeerzählers wurde. Über Hoyerswerda werde erzählt, "da ginge es nicht mehr lange", steigt Olaf Schubert in den Abend ein. Und Urlaub zu machen in Hoyerswerda, (Pause) ... offensichtlich lächerlich. "Die Bemerkungen waren unangemessen", findet Gabriele Mark und rät dem Künstler und seinem Management zu mehr Recherche. "Sie kommen her und haben irgendetwas über Hoyerswerda gehört", vermutet die Seniorenbeirätin und meint, das ginge so einfach nicht. Auch für eine humoristische Auslegung von Tatsachen müsse man sich entsprechend informieren. Denn was im Lausitzer Seenland entstehe, sei von den Menschen, die hier wirken durchaus als Einladung zum Urlauben erdacht. "Wenn ich mit zwei Fingern hätte Pfeifen können...", schmollt die leidenschaftliche Lokalpatriotin, bevor sie die innenpolitischen Angriffe und die Sprache des Comedian dann doch "klug und ausgewogen" nennt.

Dass gerade ein Olaf Schubert die Lausitzhalle in einem Maße zu füllen vermag, wie manch anspruchsvollerer Programmpunkt nicht, findet Gabriele Mark nicht schlimm. Es wäre natürlich schön, wenn andere Veranstaltungen ähnlich gut besucht würden, stellt sie fest, aber Kunst sei nun einmal Geschmackssache und Geschmack sei niemandem vorzuwerfen. Und jeder Besucher aus Görlitz und Meißen, die die Autokennzeichen auf dem Parkplatz verrieten, sei ein potenzieller Multiplikator für die Lausitzhalle. Wenn dann aber Vorurteile für die Unterhaltung der mittelweit gereisten Gäste herhalten, sticht das der Hoyerswerdaerin bei allem Spaß doch direkt in die Seele. "Weil es wahr ist, ist es komisch", lautet die Regel eines guten Spotts. Aber "wer schwindelt, der kommt in die Hölle", das jedenfalls hat Olaf Schubert, wie er hoffentlich auch bemerkte auf einer der schönsten Bühnen der Lausitz, selbst verkündet.