(sey) Wie aus heiterem Himmel hat die Städtebahn Sachsen (SBS) am Donnerstag ihren Betrieb eingestellt. Wie der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) mitteilt, entfallen damit auch die Fahrten der Seenlandbahn Dresden – Senftenberg am Wochenende ersatzlos. 10 000 Pendler sind täglich auf dem Netz der Städtebahn unterwegs, davon fahren etwa 160 Fahrgäste mit der Seenlandbahn.

Derweil kommen immer mehr Details über die Hintergründe der plötzlichen Betriebseinstellung ans Licht. Ein Aspekt dabei soll laut SBS der schlechte Pflegezustand der von der Deutschen Bahn zur Verfügung gestellten Trassen sein.

Wie die Städtebahn Sachsen erklärt, kam es wegen der Vegetationsschäden an den geleasten Zügen zwischen dem Fahrzeugvermieter Alpha Trains und der SBS zu Diskrepanzen bei der Schadensregulierung. Demnach habe der Zugvermieter als Mitversicherungsnehmer ein erhebliches Mitspracherecht. Infolge dieser Unstimmigkeiten soll Alpha Trains den Mietvertrag am 17. Juli gekündigt haben. Damit verbunden war die Aufforderung, die Züge unverzüglich abzustellen.

Trotz zahlreicher Gespräche konnten sich die Parteien bislang nicht einigen. Laut SBS hält der Vermieter Alpha Trains an der Kündigung fest. Offenbar lege auch der VVO kein Veto ein. Städtebahn-Chef Torsten Sewerin: „Wir wären grundsätzlich in der Lage, den kompletten Eisenbahnbetrieb innerhalb von nur sechs Stunden wieder anlaufen zu lassen.“ Aufgrund des gekündigten Mietvertrages, also ohne die Fahrzeuge des Vermieters Alpha Trains, sei dies jedoch nicht möglich. Derweil bedauert der VVO die Diskussion über die Schuldfrage und erwartet die Einhaltung des geschlossenen Verkehrsvertrages. Wie Sprecher Christian Schlemper informiert, bestehe seitens der VVO die Möglichkeit, den Verkehrsvertrag mit der Städtebahn fristlos zu kündigen, sollte diese den Zugbetrieb nicht innerhalb von 72 Stunden wieder aufnehmen. In diesem Fall könne die VVO durch Notvergabe ein neues Eisenbahnunternehmen beauftragen. Demnach werden am Montag die nächsten Schritte besprochen.

Update 28. Juli 12 Uhr

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) hat am Wochenende den Verkehrsvertrag mit der Städtebahn Sachsen gekündigt. Das Sonderkündigungsrecht ist nach 72 Stunden Stillstand auf den Schienenwegen möglich und wahrgenommen worden. Das bestätigt Christan Schlemper, der Sprecher des Verkehrsverbundes.

Seit den frühen Morgenstunden des Donnerstags vergangener Woche sind die Städtebahnen zwischen Dresden, Kamenz und Königsbrück sowie nach Altenberg und Sebnitz nicht gefahren.

Der Verkehrsverbund Oberelbe strebt jetzt schell eine Notvergabe der Verkehrsleistungen an einen anderen Bahn-Anbieter an. Innerhalb von Wochen. Auf den vier mit Personenzügen nun nicht befahrenen Bahnstrecken des Dieselnetzes werden jetzt Busse eingesetzt, um den Reisenden und Pendlern ein Beförderungsangebot zu unterbreiten.