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| 02:39 Uhr

Unwohlsein durch "ewige Ungewissheit"

Die Uhr tickt für die Werksiedlung Knappenrode und seine Energiefabrik. Aus 25 000 Besuchern pro Jahr sollen bestenfalls 75 000 werden.
Die Uhr tickt für die Werksiedlung Knappenrode und seine Energiefabrik. Aus 25 000 Besuchern pro Jahr sollen bestenfalls 75 000 werden. FOTO: Mandy Fürst/mft1
Knappenrode. Die für den 15. Oktober von der Stadtverwaltung angedachte Bürgerwerkstatt zur Entwicklung von Knappenrode haben die Freien Wähler Stadtzukunft zum Anlass genommen, im Vorfeld in dem Hoyerswerdaer Ortsteil vorbeizuschauen. Die öffentliche Bürgersprechstunde im Bürgerhaus nutzten die Ortschaftsräte und einige Einwohner. Mandy Fürst / mft1

Es sind schon große Brocken, die in Knappenrode zu stemmen sind. Sie heißen "ehemaliges Kulturhaus" und "alter Konsum" und sie stellen die Knappenroder, den Ortschaftsrat und nicht zuletzt die Stadt Hoyerswerda vor scheinbar unlösbare Aufgaben. Denn die beiden ruinösen Gebäude liegen am August-Bebel-Platz, der Einflugschneise zum Industriemuseum "Energiefabrik".

Der Konsum sei Privateigentum und könne deshalb nicht in Angriff genommen werden. Allerdings seien vom Besitzer in Lichtenstein positive Signale zur Abgabe der Immobilie gekommen, berichtet Ortsvorsteher Otto-Heinz Lehmann.

Das Kulturhaus unterliegt dem Denkmalschutz und muss zehn Jahre leer stehen, bevor an einen Abriss zu denken ist. Dieser Zeitraum läuft erst 2019 ab, da bis 2009 ein Raum des maroden Hauses genutzt wurde. Emotional haben die Knappenroder sich aber längst von dem Haus und seiner Geschichte verabschiedet. "Es war einmal", kommentiert der Ortsvorsteher die Entwicklung und wiederholt seinen Leitspruch, dass man sich der Realität nun einmal stellen müsse.

Das tut man derzeit auch in der Energiefabrik. 25 000 Besucher kommen im Jahr in das Industriemuseum. Um die geplanten Investitionen nachhaltig zu hinterlegen, müssen daraus 75 000 werden, sagt Freie Wähler-Stadt- und Kreisrat Dirk Nasdala. Die geplante Umstrukturierung des Museums, die nach Vorstellung der Planer in die nicht musealen Randgebiete ausstrahlen soll, scheint die letzte Gelegenheit, der früheren Ortsmitte entlang der Thälmann-Straße eine neue Funktion und somit einen Grund für Investition und Wiederbelebung zu geben.

Otto-Heinz Lehmann und seine Räte möchten die Brachflächen dem Thema Wohnen widmen und sie zu einem vertretbaren Preis Häuslebauern anbieten. Der Flächennutzungsplan gibt das her. Und Anfragen nach Bauland liegen vor. Er könne sie momentan nur nicht beantworten und erst recht nicht bedienen, da die letzte Fläche vergeben sei, klagt Lehmann. Die Beplanung des Bereiches um den Bebel-Platz wäre der nächste Schritt, um mit der Medienverlegung beginnen zu können.

Um das Interesse an diesen kostspieligen Maßnahmen glaubhaft zu machen, müssten sich aber noch mehr als die bisherigen 13 Knappenroder zur Bürgerwerkstatt anmelden, meint Nasdala. Um die Effektivität zu erhöhen, sollten sich Bürgermeister, Kreisräte und Stadträte beteiligen. Auch Künstler, die an der Belebung der geplanten Energiehöfe interessiert sind, sollten ihrem Interesse Nachdruck verleihen. Am Ende sei entscheidend, die Kreisräte von dem Gesamtvorhaben zu überzeugen, betont Dirk Nasdala. Denn auch im Kreistag sei noch nichts entschieden.

Er selbst hält Knappenrode für die Wahrnehmung von Hoyerswerda für wichtig, zumal die Stadt sich zum Zentrum im ländlichen Raum entwickeln wolle. Nasdala lädt die Knappenroder ein, ihrer Situation und ihren Anliegen mit einem Bericht im Stadtrat Nachdruck zu verleihen.

Und er nennt die Bürgerwerkstatt "eine Option, die wir nutzen müssen". Wenn sich die Verantwortlichen für eine Südzufahrt zum Bergbaumuseum entscheiden, dann sei Knappenrode ausgebotet, warnt der Knappenroder Bert Beyer. Der neue Bauzaun um das Kulturhaus mache die Zufahrt von der Werksiedlung her optisch noch katastrophaler. Die Passanten würden sich derzeit fragen, wo sie hingeraten wären.

Skeptisch sieht Christoph Christophers die Einstellung der Stadt zu Knappenrode. Die im Haushalt und aus Fördertöpfen durchaus vorhandenen Gelder würden eher in Prestigeobjekte in Alt- und Neustadt, wie den Zoo oder die Lausitzhalle gesteckt, als dass sie in die Ortsteile investiert würden. Der Vorsitzende des örtlichen Saunavereins Werner Jank spricht von einem stetigen Unwohlsein, das die ewige Ungewissheit und der Mangel an Unterstützung dem Ort bereiten würde.

Es herrscht Einigkeit, dass endlich etwas passieren müsse. Auch, weil diejenigen, die sich engagieren, das unter diesen Bedingungen nur eine gewisse Zeit schaffen können, sagt die Ortsvorsteherin a.D. Karin Turek, die ihn wieder ein wenig hat, den Traum von einem "Kreis der Freunde von Knappenrode".