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Unkraut – lästig und nützlich

Katrin Gersdorf zeigt auf den lästigen Kriechenden Hahnenfuß mitten im Beet des Geraniums. Unkräuter wie dieses können aber auch sehr nützlich sein.
Katrin Gersdorf zeigt auf den lästigen Kriechenden Hahnenfuß mitten im Beet des Geraniums. Unkräuter wie dieses können aber auch sehr nützlich sein. FOTO: Anja Guhlan/ang1
Laubusch. Immer mehr Gartenfans tolerieren ganz bewusst Wildkräuter. Den Umgang mit diesen Pflanzen erklärt Gärtnerin Christina Schuster. Anja Guhlan / ang1

Christina Schuster betreibt die Gärtnerei "Kleiner Waschbär". Diese ist natürlich nicht vor Unkraut gefeit. So findet Mitarbeiterin Katrin Gersdorf an einem dieser schönen Sonnentage einen Kriechenden Hahnenfuß mitten im Beet des Geraniums. Die mehrjährige krautige Pflanze kann Wuchshöhen von zehn bis 50 Zentimeter erreichen und gilt gemeinhin als Unkraut.

"Dabei sind Unkräuter aus gärtnerischer Sicht schlicht Pflanzen, die im Garten an der falschen Stelle wachsen", erklärt Christina Schuster. Über den Begriff Unkraut herrsche auch unter Gärtnern Uneinigkeit. Während manche das Wort "Unkraut" verwenden, wollen es andere durch "Wildkräuter" ersetzen.

Einige Unkräuter sehen auch noch schön aus, fügt Christina Schuster hinzu. Der Kriechende Hahnenfuß trägt zum Beispiel schöne goldgelbe Blüten von Mai bis Oktober, ist jedoch raschwüchsig und breitet sich daher schnell aus. Deshalb darf Katrin Gersdorf den Kriechenden Hahnenfuß aus dem Beet mit dem Geranium entfernen - auch weil die wildwachsenden Pflanzen mit Zierblumen, Obstbäumen und Co. um die wertvollen Nährstoffe sowie Wasser und Licht konkurrieren und die Wild- die Kulturpflanzen oft in ihrem Wachstum behindern. "An einer anderen Stelle, zum Beispiel auf unseren Wildwiesen, hätten wir diese Pflanze stehen gelassen", sagt Christina Schuster.

Denn Wildpflanzen haben auch ihre Vorzüge, wie die Gärtnerin erklärt. So könnten viele nützliche Insekten ohne sie gar nicht überleben. Die Raupen von 25 verschiedenen Falterarten leben beispielsweise auf und von der Brennnessel. Während deren Blätter zur Eiablage und als Raupennahrung gebraucht werden, fliegen die Falter zur Nahrungsaufnahme die Blüten zum Beispiel von Disteln an.

Forscher haben festgestellt, dass allein die Ackerkratzdiestel mehr als 100 Insektenarten zur Nahrungsaufnahme dient.

"Nicht zuletzt ist manches Unkraut auch eine vitamin- und mineralstoffreiche Köstlichkeit", weiß Schuster. So enthalten 100 Gramm Brennnessel sechs Mal soviel Vitamin C wie 100 Gramm Zitrone und können auch Salat beigefügt werden. Als schmackhafte Salatbeilage gilt Löwenzahn, der vielfältig verwendet werden kann. "Mit ihm kann man zum Beispiel auch honigähnlichen Sirup oder Gelee herstellen, der als Brotaufstrich verwendet werden kann", verrät Christine Schuster.

In Deutschland gibt es etwa 1500 Wildkräuter, die gegessen werden können. "Deshalb sollte man sich solche Wildkräuter mal genauer ansehen", so Christina Schuster. Die beste Erntezeit für solch essbare Wildkräuter wie Löwenzahn, Brennnessel, Bärlauch, Giersch, Gundermann, Vogelmiere, Sauerampfer und Knopfkraut ist der Morgen, weil die Kräuter da am saftigsten sind.

Die Pflanzen sollten nicht ausgerissen werden. besser ist es, die Blätter mit einem kleinen Messer sanft abzuschneiden, damit sie nachwachsen können. Generell gilt: Gesammelt werden sollten nur die Pflanzen, die man wirklich kennt und eindeutig zuordnen kann. Bärlauch wird zum Beispiel immer wieder mit Maiglöckchen verwechselt - und diese sind stark giftig. Falls Kräuter nicht im eignen Garten geschnitten werden, sollte darauf geachtet werden, sie nicht in der Nähe von stark befahrenen Straßen zu sammeln. Die besten und unbedenklichsten Kräuter sind auf ungedüngten Wiesen und an Orten, wo wenig Hunde unterwegs sind, zu finden.

Zum Thema:
Wer jetzt noch mehr Lust auf Wildkräuter bekommen hat, für diejenigen bietet die Gärtnerei "Kleiner Waschbär" in Laubusch am Sonntag, 4. Juni, ab 11 Uhr einen Kräutertag an. Jeweils ab 11.30 Uhr, 14 Uhr und 15.30 Uhr werden Karla Luhan von der Rathausapotheke in Senftenberg und der Laubuscher Arzt Holger Gehm über Heilpflanzen und deren Wirkung informieren. Dazu können auch Unkräuter zählen.