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| 18:10 Uhr

Hoyerswerda
Unklarheit um Hoyerswerdas Krokos

Dieses Hoyerswerdaer Krokodil kann das Maul reichlich voll nehmen. Seit 1986 können Besucher im Zoo Kubakrokodile ansehen.
Dieses Hoyerswerdaer Krokodil kann das Maul reichlich voll nehmen. Seit 1986 können Besucher im Zoo Kubakrokodile ansehen. FOTO: Zoo Hoyerswerda
Hoyerswerda. Zoo-Gegner Frank Albrecht zweifelt die Reinrassigkeit der Lausitzer Kubakrokodile an. Die Hoyerswerdaer schauen nun nach England und hoffen auf Aufklärung. Von Sascha Klein

Sie können lebensgefährlich werden, doch zurzeit sind sie einfach nur niedlich: die vier jungen Kubakrokodile im Zoo Hoyerswerda. Nach 2013 ist dem Zoo zum zweiten Mal die Nachzucht der extrem seltenen Rautenkrokodile gelungen. In der gesamten Region hängen bereits Schilder, um auf die neue Attraktion aufmerksam zu machen. Der Zoo verspricht sich durch die kleinen Beißer ein deutliches Besucherplus – und viel Renomee bei Fachleuten in der ganzen Welt. Der Zoologische Leiter Eugène Bruins hatte die Kleinen Mitte Juli stolz der Öffentlichkeit vorgestellt.

Rund einen Monat später steht nun der Verdacht im Raum: Sind die kleinen Kubakrokodile womöglich gar keine reinrassigen – und damit schützenswerten – Tiere? Diese Frage ist noch unbeantwortet. Aufgeworfen hat sie der Zoo-Gegner und Vorsitzende des Vereins EndZoo, Frank Albrecht. In einer Mitteilung betont er, die Wahrscheinlichkeit, „dass diese Nachzuchten alle Hybride sind, ist groß“. Was Albrecht meint: Hybriden seien weder selten, noch hätten sie einen biologischen Wert oder würden einen Beitrag zum Artenschutz darstellen. Denn: In freier Wildbahn paaren sich Kubakrokodile regelmäßig mit dem nahe verwandten Spitzkrokodil. Die Folge: Die Population der reinrassigen Kubakrokodile geht immer weiter zurück. Weltweit sollen nur noch rund 4000 existieren.

Frank Albrecht beruft sich bei seiner Kritik unter anderem auf den Fuldaer Terrarienverein „Scalare“. Der hatte im September 2015 bekanntgegeben, dass er sich sicher ist, aufgrund eines Gentests die bis dahin einzig nachgewiesene reinerbige Zucht in Deutschland zu besitzen. Die Fuldaer haben nach eigenen Angaben „Gewebeproben an die Texas Tech University in den USA geschickt. Von dort aus wurde der genetische Nachweis der Reinerbigkeit der Fuldaer Kubakrokodile schriftlich bestätigt“, teilt der Aquarien- und Terrarienverein „Scalare“ auf seiner Internet-Seite mit.

Der Knackpunkt im Hoyerswerdaer Fall ist der genetische Nachweis. Sind die Eltern Jaco und Primos tatsächlich reinrassig? Felix Pál von der ZooKultur gGmbh betont, aufgrund der Unterlagen, die dem Zoo vorliegen, seien sich die Verantwortlichen sicher, reinrassige Tiere zu haben. Rückblick: Die Krokodile Jaco (Männchen), Primos (Weibchen) und Kuba (Männchen, im Jahr 2007 verstorben) waren im Jahr 1986 nach Hoyerswerda gekommen. Sie sind vom Staatszirkus der DDR übernommen worden, stammen laut Unterlagen aus einer kubanischen Zuchtfarm und sind in die DDR importiert worden. Diese Daten sind laut Felix Pál in Hoyerswerda vorhanden. Bei Kuba habe es sich laut der Daten aus dem Zoo-Archiv vermutlich um einen Hybriden gehandelt, sagt Pál. Mit diesem Tier ist laut der Hoyerswerdaer Archivunterlagen auch nie gezüchtet worden. „Bei den übrigen beiden Tieren handelt es sich nach Archivangaben, welche vom früheren Zoodirektor Dr. Werner Jorga stammen, um reinerbige Exemplare ,Crocodylus rhombifer’“, betont Felix Pál.

Noch steht jedoch nicht zweifelsfrei fest, ob es sich bei den Hoyerswerdaer Kubakrokodilen um reinrassige Tiere handelt. Der damalige Zuchtbuchführer, der in England sitzt, habe ein europaweites, genetisches Screening vorgenommen, um zweifelsfrei zu klären, welche Kubakrokodile reinrassig und welche Hybriden sind. Auch der Zoo Hoyerswerda habe in den Jahren 2015 oder 2016 Proben von Jaco und Primos abgegeben. Jedoch, so betont Pál, seien diese Proben noch nicht ausgewertet worden. Der Zuchtbuchführer habe mehrfach gewechselt. Noch in der vergangenen Woche habe der Zoologische Leiter Eugène Bruins mit dem Verantwortlichen telefoniert und darauf gedrängt, die Proben endlich auszuwerten. Zurzeit ist Bruins im Urlaub.

Das bedeutet: Der Zoo Hoyerswerda kann erst nach der Auswertung der Proben endgültig belegen, ob die Elterntiere und damit auch die vier kleinen Kubakrokodile reinrassig sind. Jedoch gehen die Verantwortlichen in Hoyerswerda aufgrund der vorhandenen Aktenlage davon aus, dass es „echte“ Kubakrokodile sind.

Dies ist eines von vier Baby-Krokos, die in diesem Jahr im Hoyerswerdaer Zoo geschlüpft sind.
Dies ist eines von vier Baby-Krokos, die in diesem Jahr im Hoyerswerdaer Zoo geschlüpft sind. FOTO: Zoo Hoyerswerda