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| 15:09 Uhr

Kultur
Schwere Zeiten für  Kulturhäuser in der Oberlausitz

Das Kulturhaus Bischofswerda, einstmals der beliebteste Musentempel des Landkreises Bautzen, steht vor einer ungewissen Zukunft.
Das Kulturhaus Bischofswerda, einstmals der beliebteste Musentempel des Landkreises Bautzen, steht vor einer ungewissen Zukunft. FOTO: Uwe Menschner
Bautzen/Görlitz. Die Musentempel in Bautzen und Bischofswerda stehen trotz positiver Signale vor einer unklaren Zukunft. Besser sieht es für die Görlitzer Stadthalle aus. Die Lausitzhalle ist ein spezieller Fall. Von Uwe Menschner

Krone, Stadthalle, Lausitzhalle oder auch nur schlicht Kulturhaus: Fast jede größere Stadt in der Region besitzt einen „Tempel“ für die schönen, als Kultur bezeichneten Dinge. In einer Zeit errichtet, als man noch nicht stets und an jedem Ort seine Lieblingsmusik hören, sein Lieblingsbild ansehen oder sein Lieblingsbuch lesen konnte, waren sie jahrzehntelang unverzichtbare Treffpunkte der Menschen aus ihren Städten wie auch aus der Region ringsherum.
Doch die Zeiten ändern sich. „Einige Jahre lang habe ich mit guter Resonanz 80er-Jahre-Parties im Kulturhaus veranstaltet. Doch das Besucherverhalten hat sich verändert, und es gibt ein Überangebot“, erklärt Andreas Thomas. Der Schirgiswalder hat in der ganzen Region einen guten Ruf als Partyveranstalter und zählt zu denjenigen, die den einstmals beliebtesten Musentempel des ganzen Landkreises Bautzen – das Kulturhaus Bischofswerda – am Leben hielten, solange es eben ging. „Ich würde auch heute noch Veranstaltungen im ,Kulti’ machen. Doch eine dauerhafte Bespielung halte ich für illusorisch.“
Und weil das auch andere schmerzhaft erkennen mussten, steht das Kulturhaus seit mehreren Jahren leer. Ebenso wie der Veranstaltungssaal Krone in Bautzen und wie die Görlitzer Stadthalle. Gäbe es nicht die im Zuge der Landesgartenschau 2012 errichtete Messehalle in Löbau, dann wäre das gesamte Städtedreieck Bischofswerda-Görlitz-Zittau (Bautzen inliegend) ohne großen Konzertsaal.
Weiter nördlich bietet dann erst wieder die Hoyerswerdaer Lausitzhalle adäquate Bedingungen. Diese bildet aber einen Sonderfall, da sie von den Stadtwerken quersubventioniert wird. Ein Modell, das in Görlitz und Bautzen nicht in Rede steht und für Bischofswerda in Ermangelung eines solchen Unternehmens eh nicht infrage kommt.
Und doch ist quasi mit einem Schlag Bewegung in die brach liegende Szene der ostsächsischen Kulturhäuser gekommen. So stehen für die Görlitzer Stadthalle Fördermittel in Höhe von 36 Millionen Euro von Bund und Land in Aussicht. Ein Betrag, der den bisher gegangenen Weg der kleinen Schritte (die RUNDSCHAU berichtete mehrmals) obsolet macht und einen großen Wurf ermöglicht.  Kein Geringerer als Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) persönlich jubiliert: „Das ist die Initialzündung für die Sanierung und die Erweiterung der Stadthalle. Die Region bekommt einen hochwertigen Konzertsaal und ein modernes Tagungszentrum, das gerade in touristenarmen Zeiten Gäste und Kaufkraft sichern kann.“ Was genau nun in welcher Reihenfolge mit dem Geld gemacht wird, obliegt der Entscheidungsgewalt des Stadtrates.
Hinsichtlich der historischen Bedeutung können sich die Bautzener Krone und das Bischofswerdaer Kulturhaus freilich nicht mit der Görlitzer Stadthalle messen. Und so ist ihre Zukunft trotz einiger positiver Signale in jüngster Zeit noch höchst unklar. Die Krone immerhin befindet sich seit wenigen Tagen im Eigentum der städtischen Bautzener Wohnungsbaugesellschaft (BWB), die sie für 2,1 Millionen Euro dem Vorbesitzer – der Berliner Onnasch-Gruppe – abkaufte. Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) beeilt sich aber klarzumachen, dass dies kein städtisches Engagement für den Betrieb der Krone nach sich zieht: „Weder die BWB noch die Stadt werden die Halle an ihren Tropf hängen. Wir wollen aber auch nicht sofort die Tür zunageln, sondern in Ruhe die Möglichkeiten prüfen.“ Zu denen erklärtermaßen im schlimmsten Fall auch der Abriss zählt.
Am unklarsten jedoch erscheint noch immer die Zukunft des Kulturhauses Bischofswerda, da die Stadt hier über keine Eigentumsrechte verfügt. Der ortsansässige Wirtschaftsförderverein hat sich vor den Karren gespannt, den Kontakt mit dem Eigentümer beziehungsweise dessen Insolvenzverwalter hergestellt und ein Konzept erarbeitet. Dieses sieht im Kern die Nutzung als Verwaltungssitz für Stadt, Landkreis und Landesbehörden vor. Die Kultur steht darin nur noch an fünfter Stelle.
Die aktuelle Beschlusslage des Stadtrates fordert eine Machbarkeitsstudie und eine Klärung der rechtlichen Verhältnisse, bevor über ein weitergehendes städtisches Engagement entschieden wird. Dabei läuft die Zeit jedoch davon: „Einen weiteren Winter übersteht das ohnehin schon desolate Gebäude ungesichert nicht“, weiß Oberbürgermeister Holm Große (parteilos).