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| 21:12 Uhr

Hoyerswerda
Und er läuft und läuft und läuft . . .

In fast fünf Jahrzehnten als Sportler hat Karl-Heinz Noack Unmengen an Pokalen, Urkunden und Medaillen erhalten. Dies ist nur ein Ausschnitt.
In fast fünf Jahrzehnten als Sportler hat Karl-Heinz Noack Unmengen an Pokalen, Urkunden und Medaillen erhalten. Dies ist nur ein Ausschnitt. FOTO: LR / Catrin Würz
Hoyerswerda . In Hoyerswerda gilt Karl-Heinz Noack als Nestor des Laufsports. Kürzlich hat er die 90 Jahre überschritten. Doch das ist für den fitten Senior noch lange kein Grund, deshalb nun kürzer zu treten. Von Catrin Würz

Die nächsten Starts bei großen Laufveranstaltungen hat Karl-Heinz Noack schon gebucht. Natürlich wird er am heutigen Sonnabend beim VBH-24-Stunden-Europalauf mit Deutscher Meisterschaft am Lausitzbad in Hoyerswerda dabei sein. Und am 16. Juni ist er selbstverständlich auch wieder beim 41. Lauf um den Senftenberger See dabei. „Da hab ich mich allerdings diesmal nur für die fünf Kilometer angemeldet. Denn ich konnte nach einem Infekt nicht so viel trainieren“, sagt er schmunzelnd. Immerhin: Bis vor drei Jahren ist der Ausdauersportler noch die 17,7 Kilometer lange Runde um den ganzen Senftenberger See mitgelaufen.

Beim Lauf- und Skiclub Großkoschen, der mit dem Lauf um den Senftenberger See die dienstälteste Laufveranstaltung im Land Brandenburg ausrichtet, ist man schon ein bisschen aufgeregt. Denn für Karl-Heinz Noack wird nun zum ersten Mal die Altersklasse M 90 aufgemacht. „Wir hatten noch nie einen Sportler in dieser Altersklasse dabei“, sagt Mario Vales, Hauptverantwortlicher für die Organisation. Zwar werden die Teilnehmer in den oberen Altersklassen in den vergangenen Jahren immer zahlreicher. „Mit über 70, 75 oder auch 80 Jahren gehen inzwischen fast immer mehrere Teilnehmer an den Start. Sie sind seit Jahrzehnten in der Laufszene aktiv“, berichtet Vales. „Und sie sind dann auch immer noch ehrgeizig“, ergänzt er.

Und das ist ohne Frage auch der Hoyerswerdaer Karl-Heinz Noack. „Wenn ich irgendwo an den Start gehe, will ich auch mein Bestes geben“, sagt der 90-Jährige. Und dafür trainiert er oft drei- und viermal pro Woche auf seinen Lieblingsstrecken zum Scheibesee oder nach Maukendorf. Hunderte Wettkämpfe hat er schon bestritten. Ein Dutzend Pokale hat er dabei als „ältester Teilnehmer“ bekommen. Er nennt das scherzhaft, dass „man mir immer mein Alter unter die Nase reibt“. Platzierungen auf dem Treppchen sind ihm da schon lieber. Als Mitglied des Niederlausitzer Läuferbundes Cottbus sammelt er bei jedem Wettbewerb ehrgeizig Punkte für die Cup-Rangliste.

Ob er ein Geheimnis für seine Fitness bis ins hohe Alter hat? Der 90-Jährige winkt nur ab. „Sport ist keine Frage des Alters, sondern des Kopfes und der inneren Einstellung“. sagt er. Dabei war Karl-Heinz Noack eigentlich ein Spätstarter. Sein sportliches Talent wurde erst entdeckt, als er mit etwa 40 Jahren als Militärmusiker(!) beim Musikcorps der Kamenzer NVA-Fliegereinheit bei den Armee-Meisterschaften plötzlich überall die vorderen Plätze einnahm. Damals begann er regelmäßig zu trainieren. Und als er 1979 mit 51 Jahren aus dem Armeedienst ausschied, „blieb das Laufen übrig“, erinnert er sich. Anfangs lief er mit Laufgruppen und tastete sich erst langsam an Wettbewerbe heran. 1992 lief er dann seinen ersten Halbmarathon und ein Jahr später seinen ersten Marathon in Berlin. Da war Karl-Heinz Noack aber schon 65 Jahre alt. Seitdem hat er 42 mal die Marathon-Distanz über 42,2 Kilometer absolviert - natürlich auch einige der bekanntesten Marathons: in Athen, in Hamburg, in Ljubljana, in Prag und in Kosice in der Slowakei. Letzterer ist ihm besonders wichtig, „denn das ist ein Lauf für den Frieden“, sagt der Senior, der als Mitglied der Linkspartei auch politisch noch immer engagiert und interessiert ist.

Mit 90 Jahren wird Karl-Heinz Noack also die Laufschuhe noch nicht an den Nagel hängen. Auch wenn das Alter hier und da Tribut fordert: Mit Einlagen in den Schuhen und etwas vorsichtiger als früher kommt er immer noch ans Ziel.

Auf dem Treppchen beim Senftenberger-See-Lauf: Karl-Heinz Noack (r.)
Auf dem Treppchen beim Senftenberger-See-Lauf: Karl-Heinz Noack (r.) FOTO: Mario Vales