Es wird wohl nie so richtig hell in der Welt Dennis Mennis. So jedenfalls illustriert die Bühnentechnik das Einmannstück "Geisterstunde", in Szene gesetzt vom Galli Theater Wiesbaden, aufgeführt pädagogisch begleitet von Dennis Nahke. Die Dämmerung oder viel zu bunte Lichter beherrschen das Leben der Hautfigur Dennis, der in einem Monolog seinen vier Jahre andauernden Untergang im Drogenkonsumsumpf rekapituliert. Sein fiktives Tagebuch holt die Gewalt von und gegenüber dem alkoholsüchtigen Vater, die Leichtigkeit des ersten Joint und den Einstieg in den harten Konsum, das jugendliche Verliebtsein und ein unvollendetes Coming-Out sowie immer wieder und in allen Fassetten die Unterdrückung der Persönlichkeit aus dem Nebel der Vergangenheit.

Retten kann Dennis sich nur, indem er seine Geschichte jeden Tag neu erzählt und wenigstens einen Menschen findet, der seine Botschaft versteht. Und die, so erklärt es Dennis Nahke im nachfolgenden Workshop, sei die Einsicht, dass nur das Glück der Selbstverwirklichung den Geist unabhängig von körperfremden Stimmungshebern machen kann.

Die Organisatoren

Die Aktionswoche ist eine Veranstaltungsreihe des Arbeitskreises Sucht- und Drogenprävention Hoyerswerda in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Bautzen, die jedes Jahr in der Woche vor den Herbstferien angesetzt ist. Im Arbeitskreis organisiert sind neben Krankenkassen, Polizei und Stadt die Suchtberatungsstellen der Diakonie Görlitz-Hoyerswerda und der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahr, die RAA Hoyerswerda/Ostsachsen mit dem Jugendclubhaus OSSI, das Regionalteam 1, der CVJM Hoyerswerda, die Euro-Schulen Hoyerswerda, die 1. Selbsthilfegruppe für Alkohol- und Medikamentengefährdete Hoyerswerda, der FISH Lausitz e.V. sowie die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek.

Das Angebot

Die angebotenen Veranstaltungen sollen Hotspots für die Problematik der Suchtgefahr sein, sagt der Hoyerswerdaer Jugendbeauftragte und Mitorganisator der Aktionswoche Roland Huth. Darum hat auch die Einladung schon die Bitte zum Inhalt, die Teilnahme gemeinsam mit den Teilnehmern zu entscheiden, Anliegen und Inhalte bereits im Vorfeld zu besprechen und so die Absichten des Arbeitskreises zu einem gemeinsamen Anliegen zu machen. Auch wenn es im öffentlichen Raum nicht sofort auffällig sei, so nehme die Problematik - auch um die jüngst noch eher rückgängige Einstiegsdroge Marihuana - an Fahrt auf, sagt Roland Huth.

Im Workshop

Dennis Nahke bestätigt den Eindruck durch eine erhöhte Nachfrage der Inszenierung und den anschließenden Workshop. Ob er selbst schon Drogen genommen hätte wie sein Schulfreund, dessen wahre Geschichte das Stück erzählt, wird Dennis Nahke von Schülern der Oberschule Am Planetarium gefragt. Dass er den Verfall ruhig krasser darstellen könnte, finden die künftigen Erzieherinnen der Bildungsstätte für Medizinal- und Sozialberufe (BMS).

Dann schickt Nahke die Teilnehmer auf der Bühne die emotionale Gefühlstreppe zur Euphorie hinauf und in die Resignation hinunter. "Sie sollen merken, dass sie selbst ihre Stimmung bewusst beeinflussen können", erklärt der Schauspieler. Es ist die erklärte Methode der Galli-Theater, die Leichtigkeit und Lebendigkeit des spontanen Spiels für Konfliktbewältigung und persönliches Wachstums zu nutzen.

Darum darf zum Schluss wer möchte auf der Bühne zeigen was er kann. Und weil die anderen Jugendlichen sich gerade nicht trauen, nimmt die fünfzehnjährige Azadeh Ahmadi ihr Herz in die Hand und tritt in die Mitte der Bühne. Als das hübsche Mädchen mit dem schwarz gewellten Haar fernab ihrer Heimat Afghanistan anhebt, ein persisches Lied zu singen, heben die Menschen auf der Bühne und im Publikum die Hände in die Höhe und schwenken sie im Takt.

Azadeh rettet die Situation, den Workshop und irgendwie auch den Tag und schlägt ohne es zu wissen eine Brücke hinüber zur Interkulturelle Woche, die auch gerade in Hoyerswerda läuft.

Zum Thema:
Öffentlicher Teil der Aktionswoche ist die Autorenlesung und Diskussion mit Maik Baumgärtner am heutigen Dienstag um 20 Uhr im Bürgerzentrum Braugasse 1. Der Autor liest aus seinem Buch "Crystal Meth" und erzählt dazu Anekdoten, Fakten sowie Hintergründe aus seinen Recherchen. Im Anschluss sind alle Gäste zu einer Frage- und Gesprächsrunde eingeladen.