ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:30 Uhr

Kommunalpolitik
Umstrittener Königswarthaer Discounter wird eröffnet

Königswartha. Selten hat sich ein Einkaufsmarkt derart zum Politikum entwickelt. Und der Streit ist noch nicht beendet. Von Uwe Menschner

Am Dienstag wird der neu errichtete Netto-Markt in Königswartha seiner Bestimmung übergeben. Ein fast alltäglicher Vorgang – könnte man meinen. Doch in diesem Fall liegen die Dinge anders, denn nur selten entwickelt sich der Bau eines Einkaufsmarktes derart zum Politikum wie hier. Im Oktober 2013 war es, als der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss für die Errichtung des neuen Netto fasste. „Mit dem Bau des Verbrauchermarktes wird ein großer Bereich im Ortskern von Königswartha, welcher derzeit zum größten Teil durch baufällige Gebäude und marode Straßen und Wege geprägt ist, einer sinnvollen Nutzung zugeführt“, hatte der damalige Bürgermeister Georg Paschke (CDU) argumentiert. Zugleich warnte er: Der Gemeinderat möge nicht riskieren, dass dasselbe eintritt wie bei Lidl – dass sich der Discounter ganz aus Königswartha zurückzieht.

Ein Teil der Bürgerschaft, hauptsächlich vertreten durch die Parteifreien Wähler (PFW), sah dies jedoch komplett anders. Er hätte den historischen Gutshof, der für den Netto-Neubau weichen musste, lieber saniert und als Ortszentrum wiederhergestellt gesehen. Insbesondere entzündete sich der Unmut jedoch an dem Umstand, dass eine 85-jährige Frau als noch verbliebene letzte Mieterin auf dem Gutsgelände ihre Wohnung räumen musste. Eine Klage vor dem Amtsgericht dagegen blieb letztlich erfolglos. Laut Informationen auf der Homepage der PFW hat die alte Dame den erzwungenen Auszug bis heute nicht verwunden.

Auch den Umstand, dass nach Lidl und Penny ein weiterer der ursprünglich in Königswartha vorhandenen Märkte nach dem Umbau leer stehen würde, führte die PFW als Argument gegen den Neubau an. Der Umweltverband BUND schließlich reichte einen Normenkontrollantrag gegen den entsprechenden Bebauungsplan beim Oberverwaltungsgericht Bautzen ein, über den noch nicht entschieden wurde. Projektentwickler André Kunath erklärte dazu: „Im schlimmsten Fall müsste der B-Plan geheilt werden. Auswirkungen auf den Supermarkt sehen wir keine.“

Und tatsächlich: Dass der neue Netto nach seiner Eröffnung aus rechtlichen Gründen wieder geschlossen werden muss, ist kaum zu erwarten – ebenso wenig wie die Dresdener Waldschlösschenbrücke, deren Planung ja auch als fehlerhaft beurteilt wurde, abgerissen wird. Unterm Strich bleiben eine Verzögerung von etwa einem Jahr und ein größerer neuer Markt, der laut einer Netto-Sprecherin „hinsichtlich Lage, Erreichbarkeit und Aufbau unserem modernen Netto-Konzept entspricht“.