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Umbau statt Abriss im Herzstück

Thomas Mrose will gemeinsam mit seiner Frau auch zukünftig in der Becher-Straße wohnen.
Thomas Mrose will gemeinsam mit seiner Frau auch zukünftig in der Becher-Straße wohnen. FOTO: sob
Hoyerswerda. Sieben Bürger aus dem WK III treffen sich seit Anfang des Jahres regelmäßig, um sich über die angekündigten Abrisspläne in der Neustadt Gedanken zu machen und Änderungsvorschläge für die Zukunft zu sammeln. Sophie Bartholome

Die frühere Kraftwerkerin Denise Mrose wohnt seit über 40 Jahren in der gleichen Wohnung. Sie hat in der Johannes-R.-Becher-Straße nicht nur einen Teil ihrer eigenen Kindheit verbracht, sondern auch ihre Kinder groß gezogen. Nun droht diese Idylle zu zerbrechen, denn sie wohnt in einem Block, der neben weiteren acht im WK III womöglich abgerissen werden könnte. "Mich müssten sie schon hier raustragen", sagt die Mieterin. Genauso hart würde ein Abriss das ältere Ehepaar Scharper im Nachbaraufgang treffen. Erst Anfang letzten Jahres sind sie aus Gesundheitsgründen und nach Gesprächen mit der Wohnungsgesellschaft ins Erdgeschoss gezogen, nachdem sie über 40 Jahre in der vierten Etage gewohnt haben.

Eine Gruppe - darunter auch das Ehepaar Mrose - hat sich seit Januar zusammengefunden und diskutiert wöchentlich in einer Gaststätte über die Zukunft der Stadt. Ihr Ziel: Vorschläge für ein Alternativkonzept zu sammeln, um den gefragtesten Wohnkomplex wegen seiner zentralen Lage sowie Grünflächen nicht den Garaus zu machen.

Mit drei Briefen hat sich der Taxifahrer Thomas Mrose bereits an die Stadt gewandt. Einen wesentlichen Vorschlag der Gruppe führt er an dem persönlichen Beispiel seiner Familie bereits auf. Denn seine Wohnung in der Becher-Straße scheint einzigartig. Durch den Zufall, dass nebenan etwas frei wurde, konnte die Suche nach einer behindertengerechten Wohnung für seine Tochter ein Ende finden. Es erfolgte ein Durchbruch. Aus einer früheren Dreiraum- wurde eine Vierraumwohnung. "Es ist ein beispielhafter Umbau mit geringen Kosten für Familien und alleinstehenden Bürgern, zumal keine weitere Zuschnittsänderung erforderlich ist", erklärt Thomas Mrose.

Der WK III hat einen hohen Anteil an Dreiraumwohnungen, die weniger nachgefragt werden. Um den Leerstand für die Wohnungsunternehmen wirtschaftlich zu gestalten, wird im Erhebungsbezirk 1 (WK I, II, III und Neustadtzentrum) ein Rückbau von etwa 280 Wohneinheiten notwendig sein, heißt es im Städtebaulichen Entwicklungskonzept. "Wir plädieren für einen ruhigen und sachlichen Entscheid und warnen vor voreiligen Fehlentscheidungen", verdeutlicht Thomas Mrose die Meinung aller. Auf sich aufmerksam gemacht, hat die Gruppe bereits. Drei Fraktionen hatten sich beispielsweise im Stadtrat gegen den Rückbau im Erhebungsbezirk 1 ausgesprochen. Auch nach der Bürgerversammlung will die siebenköpfige Gruppe die Treffen beibehalten. Auch Bürger, die nicht unmittelbar vom Abriss betroffen sind, fordern sie auf, ihre Meinung mit einzubringen.

Zum Thema:
Die Bürgerversammlung zur Fortschreibung des Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (Seko) für das Stadtumbaugebiet Hoyerswerda findet am Dienstag, 7. April, um 17 Uhr im Forumsaal der Lausitzhalle statt. Vorschläge, Anregungen und Kritiken aus dieser Veranstaltung würden laut Stadtverwaltung in die nachfolgende Überarbeitung des Entwurfs einbezogen werden. Bevor das Papier in den Stadtrat geht und noch einmal das öffentliche Beteiligungsverfahren startet, wird sich die Arbeitsgruppe Stadtentwicklung erneut mit der Fortschreibung beschäftigen. Die Fraktionen Die Linke, SPD und CDU hatten sich mit einem entsprechenden Antrag erst einmal gegen den Rückbau ausgesprochen.