Überfüllte Wartezimmer, die Grippewelle hat Sachsen fest im Griff. Doch eine Bekannte hatte nach längerer Odyssee Glück im Unglück. Dabei hatte sie die Hoffnung fast verloren. Auf der Suche nach einem Arzt blitzte die Kassenpatientin mehrfach ab. „Wir nehmen niemand mehr auf“, hieß es. Tage vergingen. Während sie hustend in Praxen anrief, half sie sich mit Omas Hausmittelchen, löffelte Hühnersuppe, lutschte Efeu-Thymian-Pastillen und trank viel. Doch das warme Bier mit Honig und verquirltem Eigelb kam prompt wieder raus. Aus der Erkältung wurde eine Lungenentzündung. Dann konnte sie ihr Glück kaum fassen. Ein Arzt erbarmte sich. Nach fünf Stunden fand sie im Wartezimmer sogar einen Sitzplatz. Die Gala-Ausgabe Nr. 13 nutzte sie als Decke gegen den Schüttelfrost. Dann muss sie eingeschlafen sein. Und während sie vom Kensington-Palast träumte, genas sie vollständig. Als sie schließlich von der Sprechstundenhilfe aufgerufen wurde, waren die Gliederschmerzen weg. Auch der Hals tat gar nicht mehr weh. Und das alles ohne Antibiotika und Nebenwirkungen. Ein Beweis dafür, dass das deutsche Gesundheitssystem funktioniert. Nur ein Problem blieb. Als sie den Arzt für die drei Wochen im Wartezimmer um eine Krankschreibung bat, wimmelte er sie ab. Denn sie war ja gesund. Rita Seyfert