Und das kurz vor Ostern: Meine elfjährige Nichte ist plötzlich in der Realität angekommen und glaubt nicht mehr an irgendwelche Hasen. „Ich lasse mich doch von Mama und Papa nicht mehr auf den Arm nehmen“, hat sie mir neulich erklärt. „Ein hoppelndes Tier mit so großen Augen und langen Schlappohren kann doch nur eine verkleidete Mieze oder erfunden sein.“ So ein Tier hat sie jedenfalls noch nie gesehen. Als Großstadtkind kennt sie nur Ratten, Hunde, Katzen und lila Kühe aus der Milka-Werbung. Deshalb glaubt sie, Hasen seien Fabeltiere wie Steiff-Teddys, Einhörner, Zahnfeen oder schwarz-weiß gescheckte Kühe. Einiges spricht dafür, dass sie recht hat: „Neulich gab es in der Schulkantine ‚Falscher Hase‘. Da war mir alles klar.“ Eine befreundete Psychologin sieht darin einen ganz normalen Prozess. Wenn Kinder heranwachsen, entwickelt sich eine ganz natürliche, gesunde Skepsis gegenüber Eltern und Lehrern. Und jetzt mal Hand aufs Herz: Diese Tiere sehen wirklich etwas außerirdisch aus. Vielleicht sind Hasen ja in Wahrheit Aliens. Unklar ist schließlich auch immer noch, wer zuerst da war: Der Hase oder das Ei? Vermutlich landeten die Hasen vor Urzeiten auf unserem Planeten und verteilten danach erst die Ostereier. Rita Seyfert