Nach vier Jahren Reporterdasein ist es mir passiert. Es ist mir abhanden gekommen, das Heiligtum aller rasenden Berichterstatter. Ich sitze am Schreibtisch, als ich es bemerke. Ich blicke auf den Monitor. Vor mir: ein leeres weißes Feld. Es wartet darauf, gefüllt zu werden. Ohne hinzusehen, greife ich automatisch mit der rechten Hand in meine Tasche. Ich taste. Und taste. Und wühle. Dann gucke ich, reiße meine Augen auf. Das Heiligtum ist nicht dort, wo es sein sollte. Hilfe, ich bin arbeitslos! Mit Schweißperlen auf der Stirn düse ich nach unten. Lieber Gott, bitte lass es im Auto sein! Vordersitz: nichts. Zwischen den Sitzen: nichts. Unter dem Sitz: nichts. Kopflos schiebe ich das überquellende Pfandflaschenkörbchen auf der Hinterbank von einer Seite zur anderen. Auch nichts. Oh Herr, ich habe es vergessen. Mein letzter Termin: Baustelle Bernsdorf. Jetzt muss ich schnell sein – bevor der Schatz entdeckt wird. Zwölf Minuten später bin ich da. In schwarz-rot strahlt es mich an, der Bauleiter hat es längst in seinen Griffeln. Zum Glück ist mein Juwel bestens getarnt. „Da kann man doch eh nichts entziffern“, sagt er und gibt mir mein Notizbuch zurück. Ja eben! Nur ich kann das. So zeigt sich ein wahrer Schatz: Für die meisten bleibt er unsichtbar!